Berufsbilder und Reputation der Aviatik

Wie die Luftfahrt trotz allem noch Freude machen kann.

Traumberufe in der Aviatik? Das Image der Branche hat in letzter Zeit gelitten, keine Frage. In der Öffentlichkeit dominieren Meldungen über zähe Tarifverhandlungen und Streiks. Die Low Cost Carriers machen den Markt mit schlechten Anstellungsbedingungen kaputt, und fragwürdige Arbeitsmodelle wie die «Schein-Selbständigkeit» werden früher oder später zum Sicherheitsrisiko. Bei den Angestellten von traditionellen Airlines geht derweil das Schreckgespenst der «billigen Töchter» um.

Vor diesem Hintergrund überlegt es sich ein potenzieller Pilotenschüler heute zweimal, ob er die teils selbst finanzierte Ausbildung wirklich in Angriff nehmen will. Bei den Flight Attendants kommt hinzu: Früher war der Job fast der einzige Weg, um in jungen Jahren die Welt zu bereisen. Heute hat jeder 20-Jährige entweder schon eine grosse Reiseerfahrung, oder aber er will sie gar nicht mehr, weil er mit einem Mausklick sowieso mit der ganzen Welt verbunden ist.

Dem «Flug-Virus» kommt heute deshalb eine grössere Bedeutung denn je zu. Es braucht wirklich Begeisterung und Leidenschaft, um in der Aviatik trotz der härteren Rahmenbedingungen zu bestehen. Dass das Virus auch in der breiten Bevölkerung nach wie vor verankert ist, beweisen die viel beachteten Erstflugevents oder die weiterhin gut gefüllte Zürcher Zuschauerterrasse, wenn der Singapore- oder Emirates-A380 startet.

Wer etwas Inspiration braucht, um das Virus zu reaktivieren, sollte sich einmal mit Charly Kistler unterhalten. Kostendruck, Umstrukturierungen und ein Verkauf an einen grossen Airlinekonzern konnten seinem Enthusiasmus für die Aviatik nie schaden. Mit seiner Philosophie, dem Passagier ein kleines Extra und dem Mitarbeiter eine grosse Wertschätzung entgegenzubringen, hat er sich und die Airline durch alle Turbulenzen hindurch navigiert. Natürlich ist die Situation in der Schweiz im Europavergleich immer noch relativ komfortabel, und natürlich hat die Edelweiss einen gewissen «Ferienflieger-Bonus». Trotzdem: Wenn man ihm zuhört, glaubt man ihm, dass die Aviatik unter diesen Voraussetzungen und mit dieser Einstellung immer noch funktionieren kann – und dabei sogar Freude bereitet.

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