Zwischen den Yachten der Reichen

Das Segelrevier der Côte d’Azur eignet sich dank der zahlreichen Häfen aber auch für Segler mit Kindern.
Rade
Die gut geschützte Bucht Rade d’Agay ist seit einigen Jahren mit Ankerbojen versehen.

Diesen Sommer war der Heimathafen der SY «Sarissa» Ausgangspunkt unserer Segelferien. Das französische Städtchen Antibes an der Côte d‘Azur ist immer wieder eine Reise wert. Die beeindruckende Marina hat sich seit den 70er Jahren enorm entwickelt und herausgeputzt. Lagen früher noch des Nachts Clochards auf der Befestigungsmauer, zieren nun Kunstwerke den neu gestalteten Hauptplatz. Was geblieben ist, ist das Fort Carré, das über der Hafenanlage thront.

Unseren Proviant für die nächsten Tage kaufen wir unter anderem auf dem bunten Markt in der Altstadt von Antibes. Jeden Tag werden hier frische Früchte, Gemüse, Würste, leckerer Käse in allen Variationen von einheimischen Produzenten präsentiert. Sie suchen die reifen Feigen heraus und geben die verschiedenen Arten von Oliven zum Probieren. Für letzte Reparaturen am Schiff bietet der grösste Yachthafen der Gegend zahllose Servicebetriebe. Bevor es am nächsten Tag losgeht, bilden wir uns kulturell noch etwas weiter und besuchen das Musée Picasso in der Grimaldi Burg. Abends lassen wir uns in einem der zahlreichen Restaurants mit Bouillabaisse und Moules Marinière verwöhnen, um danach noch einer der vielen Bands, die in den lauschigen Gassen von Antibes aufspielen, zu lauschen.

Antibes
Der Hafen Port Vauban von Antibes gehört zu den grössten der Côte d’Azur.

ANKERN MIT SERVICE

Bereits das Verlassen des Hafens Port Vauban ist ein Erlebnis, denn es geht entlang der Megayachten, die sich auf der Steuerbord-Seite wie Perlen an einer Kette aufreihen. Manche, zum Beispiel die «Eclipse» von Roman Abramowitsch, sind so gross, dass sie selbst an der Aussenmole keinen Platz finden und vor dem Hafen vor Anker liegen.

Auf dem Weg zu den Îles de Lerins vor Cannes passieren wir nicht nur den grossen Leuchtturm La Garoupe, sondern auch das Cap d’Antibes, auf dessen Spitze das mondäne Luxushotel Eden Roc erstrahlt. Bei den Inseln angekommen, kann man entweder nördlich der grösseren Inseln, die Île Sainte-Marguerite, oder zwischen dieser und der Île Saint-Honorat im seichten Wasser den Anker werfen. Auf letzterer befindet sich ein Kloster, das heute noch bewirtschaftet wird. Der Duft der ausgedehnten Pinienund Eukalyptuswälder steigt in die Nase, während das Wasser fast karibisch blau schimmert. Für Gesprächsstoff ist auch gesorgt, denn auf der Insel St.Marguerite liegt ein altes Fort, das einst als Staatsgefängnis diente. Hier soll auch der «Mann mit der eisernen Maske», ein unbekannter Staatsgefangener von Ludwig XIV. von 1669 bis zu seinem Tod 1703 inhaftiert gewesen sein. Seine geheimnisumwobene Geschichte wurde nicht nur von Alexandre Dumas in einem Roman literarisch aufbereitet, sondern auch mehrmals verfilmt.

Für die Übernachtung haben wir uns die Rade d’Agay ausgesucht, eine geschützte Bucht in der Nähe von St. Raphael. Bereits vor einigen Jahren wurden hier Ankerbojen platziert und es ist verboten, den eigenen Anker zu werfen. Zum Service gehört nicht nur das Helfen beim Festmachen an der Boje, sondern auch das Entsorgen des Abfalls oder sogar die Lieferung von frischen Croissants zum Frühstück.

VON MONDÄN BIS GESCHÜTZT

Nächste Station ist die Bucht von St.Tropez. Den Hafen des mondänen Städtchens überlassen wir den Schönen und Reichen, wir ankern lieber in der Baie des Canébiers, wo es auch genügend Superyachten zu bestaunen gibt. Ist die Bucht am Tag gut besetzt, wird es abends ruhiger und das Zirpen der Zykladen verstummt pünktlich bei Sonnenuntergang. Als Alternative kann auch Port Grimaud mit seinen Kanälen, die ein wenig an Venedig erinnern, angelaufen werden.

Wir freuen uns bereits auf die Inseln von Hyères, unsere letzte Station bevor es wird zurück nach Antibes geht. Besonders die Insel Port Cros, die seit 1963 unter strengem Naturschutz setzt, verführt nicht nur Naturliebhaber. Hier verbrachten einst Künstler wie Paul Valéry oder André Gide die Sommermonate. Bis heute ist der ehemalige Herrensitz – Maison d’Hélène – das einzige Hotel der Insel.


 

Segelrevier Côte d’Azur

Unter der Côte d’Azur versteht man landläufig den Küstenstreifen zwischen Monaco und Marseille, der als sehr mondän gilt. Dennoch gibt es viele ruhige Plätze und lauschige Buchten. Die Marinas sind alle sehr gut ausgebaut und bieten diverse Serviceleistungen sowie viele Bars und Restaurants. Die Côte d’Azur eignet sich für jeden Segler, auch für Familien mit Kindern. Die Häfen liegen nicht weit auseinander, ausserdem gibt es zahlreiche gut geschützte Buchten, die teilweise mit Ankerbojen versehen sind.

Die normale Segelsaison dauert von März/April bis Oktober. Meist herrschen thermische Winde, doch vor dem Mistral, der bei einem Tief über dem Golf von Genua aufkommen kann, sollte man sich in Acht nehmen. Bei strahlend blauem Himmel kann es ordentlich durch die Häfen pfeifen. Der Westen der Côte d’Azur ist meist stärker vom Mistral betroffen als der Osten.

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