«Safaris werden auch in Zukunft der Trigger für Südafrika-Buchungen bleiben»

Südafrika gehört zu den Destinationen, die Marcel Gehring besonders am Herzen liegen. Ende Jahr verlässt er seinen Job als CEO von Knecht Reisen. Hier äussert er sich über die neuen Tourismuspläne im Land am Kap.
©Silvio Weilenmann

Südafrika leidet unter einem massiven Touristenschwund. Erstmals ist darum dieses Jahr eine hochkarätige Delegation unter Leitung von Sthembiso Dlamini, Acting CEO South African Tourism, nach Europa auf Werbetour bei den CEOs der grossen Südafrika- Anbieter gekommen. Das Land will von seinem Image als Safari-Destination wegkommen und sich neu als Abenteuer-Destination positionieren und auch Badeferien, Städtereisen, Sprachaufenthalte, Ökotourismus sowie Kultur- und Kulinariktrips promoten. Was halten Sie davon?
Wir schätzen die Form dieses Austausches sehr, da wichtige Entscheidungsträger am Tisch sitzen. So sollte gewährleistet sein, dass die Themen, welche den Tourismus beeinflussen, endlich angegangen werden. Es darf aber nicht nur bei der Bekämpfung von Symptomen bleiben – die touristische Entwicklung in Südafrika muss nachhaltig und mit Einbezug der Bevölkerung geschehen.

Was halten Sie von den Ideen der südafrikanischen Touristiker?
Viele der Ideen, wie z. B. der Ökotourismus, werden bei uns bereits umgesetzt. In diesem Bereich hat sich Südafrika ja schon länger einen vorbildlichen Ruf erarbeitet. So haben wir z. B. die Reise «Eco Friendly» durch Südafrika im Programm, wo die Reisenden in nachhaltigen und sozialverträglichen Unterkünften übernachten.

Und speziell davon, sich vom Safari-Image stückweise zu lösen?
Safari wird sicherlich auch weiterhin ein wichtiger Programmteil bei einer Südafrika-Reise sein – und sind wir ehrlich – neben der Landschaft und der freundlichen Bevölkerung bleibt dies wohl auch in Zukunft einer der wichtigsten Trigger für die Buchungsentscheidung. Es wäre nicht förderlich, dies in zukünftigen Marketingkampagnen wegzulassen. Richtig ist aber, dies nicht nur auf die Krüger-Region zu beschränken. Es ist jedoch wichtig, auch die vielen anderen möglichen Erlebnisse in Südafrika bekannt zu machen, da das Land äusserst vielseitig ist.

Was macht Südafrika richtig? Und was muss es anders machen?
Der Standard der Unterkünfte ist sehr hochwertig und die touristische Infrastruktur im Allgemeinen ausgezeichnet. Zudem ist Südafrika im Vergleich zu vielen anderen Ländern sehr fortschrittlich im Bereich des nachhaltigen und sozialverträglichen Tourismus. Gerade für Repeater-Kunden ist es wichtig, zukünftig vermehrt interessante Angebote in weniger bekannte Regionen zu haben. Beim Thema der Sicherheit darf es nicht bei Lippenbekenntnissen bleiben. Hat ein Kunde vor der Buchung ein schlechtes Gefühl, wird er diese nicht tätigen. Die Regierung muss das Versprechen, den Tourismus im Land weiter zu fördern, konsequent umsetzen. Dies kann nur zusammen mit der Bevölkerung geschehen – je mehr Leute realisieren, wie wichtig der Tourismus ist, desto schneller können die Ziele erreicht werden.

Wie realistisch ist das Ziel von 100 000 Touristen aus der Schweiz? Wird die Infrastruktur die total angepeilten 21 Mio. Besucher bewältigen können?
Die Steigerung der Einreisezahlen aus der Schweiz ist sicherlich eine Herausforderung, die wir jedoch gerne annehmen und mit diversen Marketingmassnahmen pushen. Auch wenn diese Zahl kaum zu erreichen ist, sehen wir für die Zukunft sicherlich weiteres Wachstumspotential. Wichtig ist es, dass bei massiv steigenden Besucherzahlen eine Verteilung der Reisenden in die verschiedenen Regionen stattfindet und sich die Reiseziele nicht nur auf Kapstadt oder den Krüger-Nationalpark konzentrieren. Wachstum darf es nicht um jeden Preis geben – dieses muss für Südafrika nachhaltig und verträglich geschehen.

Sind die fehlenden deutschsprachigen Guides ein Problem für Sie?
Ja, definitiv, und dies betrifft nicht nur die neuen Guides. Viele der älteren deutschsprechenden Reiseleiter vertreten nicht das moderne und offene Südafrika. Eine grössere Auswahl an deutschsprechenden Guides wäre wünschenswert. Auch hier muss dieses Problem schnell und unkompliziert angegangen werden.

Interview: Christian Maurer


 

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