Wir bitten zum Kaffee – Österreichs höchstes Kaffeehaus

Wenn Ausblicke den Atem rauben könnten, es gäbe kein Überleben im Café 3.440 in Tirol. Mit seiner futuristischen Architektur ist es nicht nur eines der wegweisenden, sondern vor allem das höchste Kaffeehaus Österreichs. Zeit für einen Rundflug?
© Pitztaler Gletscherbahn

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Diese Geschichte hat viele Höhepunkte. Versuchen wir einen nach dem anderen zu begehen, wie die Bergspitzen, die man von der freischwebenden Panoramaterrasse vom Café 3.440 aus erkennen kann. «Da wären die Zugspitze, die Allgäuer Alpen und da, die Wildspitze», sagt Sepp. Sepp ist der erste Höhepunkt unseres Höhenfluges. Eigentlich heisst der 58-jährige «Hüttenwirt» Josef Eiter. Unten im Tal ist er aufgewachsen, heute ist er ganz oben angelangt, auf dem First des Pitztals, dem Dach Tirols. Sein Arbeitsplatz ist (Achtung, Höhepunkt) der höchst gelegene Österreichs. Kein Wunder, dass Sepp im ultramodernen Restaurant in einen schwärmerischen Ton verfällt. Aber nicht nur, denn Bergtaugliche wissen: wo viel Sicht, da wenig Platz.

«Dass wir unsere Gäste auf dieser Höhe täglich verwöhnen können, stellt uns auch vor Herausforderungen», sagt er. Es dürfte zum Beispiel klar sein, dass Kaffee vorwiegend aus Wasser besteht. Trink- und Nutzwasser muss aber täglich zum Gipfel, dem Hinteren Brunnenkogel, transportiert werden. Eine (weitere) Höchstleistung, wie Sepp betont, denn pro Tag verbrauchen sie bis zu zehn Container à 600 Liter.

«Ferner liegt der Siedepunkt des Wassers hier oben bei 90 Grad», erzählt er temporeich weiter. Ein Barista weiss, dass jede Kaffeesorte ihre ideale Brühtemperatur kennt und diese darf man nun höhengerecht anpassen. «Das bedeutet, dass die vollautomatischen Maschinen von Franke alle sechs Wochen nachjustiert werden müssen», erklärt Sepp und weist darauf hin, dass die Hersteller für Einsätze in solchen Höhen keine Erfahrungswerte hätten. Eines wissen sie jedoch, aber das freut den Buchhalter unten im Tal wenig: «Auf dem Berg brauchen wir mehr Kaffee». Auch, weil der Wiener Kaffee aus dem Hause Julius Meinl so gut schmecke, betont er, aber eher weil es aus geschmackstechnisch relevanter Sicht 11 statt 8 Gramm Kaffee pro Portion sein müssten. Ein weiterer Höhenpunkt? Für den Röster mit Sicherheit.

Fest steht, dass Maschine und Mensch am Berg gefordert sind. Selbst wenn Sepp seinen Arbeitsplatz als «den schönsten der Welt» bezeichnet, er verlangt einiges ab. Auf dieser Höhenlage ermüde man schnell und es sei wichtig, viel zu trinken. «Bis zu fünf Liter am Tag», meint Sepp, was den Wasserverbrauch auch nicht schmälert. Aufwändig ist auch die Logistik, denn so muss jedes Kaffeesackerl und alle anderen Produkte, die es auf den Gipfel geschafft haben, vorher bis zu sieben Mal in die Hand genommen werden. Eine – ja – Höchstleistung. Sepp lacht. Es sei ja nicht jeder Tag ein Sonnentag und wenn es schneie, dann komme niemand hoch, witzelt er. Dann muss er weiter. Da möchte jemand einen Milchkaffee.

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