«Messe 2.0 – welche Formate bewegen die Märkte von morgen?»

Der Expo-Event-Verband lud Experten zum kritischen Austausch.
v.l.: Oliver Vrieze, Walo Dahlhauser, Markus Lauber und Hannes Hug.

Der Messesektor Schweiz steht vor grossen Herausforderungen: Digitalisierung, zunehmende Geschwindigkeit und hoher Branchendruck zwingen die Messeplätze zum Umdenken. Aber – in welche Richtung? Dieser Frage widmete sich die von Expo Event auf dem Bernexpo-Gelände organisierte Diskussion «Messe 2.0 – welche Formate bewegen die Märkte von morgen?».

Den Anschluss nicht verpassen und verschwinden

«Die Messebranche verändert sich, grosse Messen verschwinden und neue Formate erobern den Markt», sagte Stephan Forseilles, Head of Technology & Digital Transformation bei Easyfairs. Der Experte mahnte dabei zur Vorsicht: «Oft herrscht die Meinung vor, dass wir für die Veränderungen, welche die Technologien mit sich bringen, bereit sind. Aber: Der Wandel passiert oft schneller, als wir denken. Als Leader der Messebranche ist es unsere Aufgabe, diesen Moment für uns zu nutzen und nicht zu verpassen.» Forseilles ist sich sicher, dass es für das Format Messe nicht zu spät ist. «Das Messewesen ist noch lange nicht ausgestorben. Es ist jedoch essenziell, dass wir uns den neuen Technologien anpassen. Und als Messeveranstalter müssen wir unseren Ausstellern und den verschiedenen Industrien aufzeigen, wie wir uns alle gemeinsam entwickeln können, damit wir nicht den Anschluss verpassen und verschwinden.»

Jede Messe braucht eine eigene Idee

Das allein reicht aber nicht, wie Podiumsteilnehmer Oliver Vrieze, Chief Marketing & Sales Officer der Bernexpo Groupe unterstrich: «Wir dürfen uns nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen, sondern müssen uns stetig weiterentwickeln und unseren Besuchern ein immer besseres Erlebnis bieten.» Generell sieht er das sich stetig ändernde Nutzerverhalten als grösste Herausforderung an. Die Lösung liegt für ihn klar auf der Hand: «Als Messeveranstalter sind Offenheit und Mut zu Veränderungen unabdingbar. Jede einzelne Messe, die ein Unternehmen veranstaltet, braucht eine eigene Idee, damit sie funktioniert. So müssen wir dem Publikum einer B2B-Messe wie beispielsweise der BLE.CH etwas anderes bieten als den Besucherinnen und Besuchern der BEA oder dem Hero Fest.»

Die analoge Welt wieder attraktiver machen

Walo Dalhäuser, Managing Director Own Events Switzerland, MCH Messe Schweiz, hob die Wichtigkeit des Zusammenspiels zwischen Besuchern und Ausstellern hervor: «Das Verkaufsverhalten der Besucher – also die Funktionalität der Messe – hat sich verändert. Früher kamen die Besucher an die Messen, um einzukaufen. Heute ist es oft so, dass sie sich an der Messe von unseren Ausstellern beraten lassen, die Geräte vor Ort testen und dann zuhause online einkaufen.» Das markiere ein grosses Problem für die Aussteller und biete ein entsprechend grosses Frustpotenzial. Deshalb ist es laut Dalhäuser umso wichtiger, dass «wir gemeinsam mit den Ausstellern und den Messebauern die analoge Welt für unsere Kundschaft wieder attraktiv machen». Und obschon auch das Messewesen sich der Digitalisierung stellen müsse, steht für Dalhäuser fest: «Je mehr Digitalisierung es gibt, desto grösser wird auch der Gegentrend zu analogen Erlebnissen und Emotionen. Regionale Produkte und traditionelles Handwerk sind beliebter denn je.»

Synergien mit Konkurrenzmessen nutzen

Markus Lauber, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Messe Luzern, sieht in digitalen, konkurrenzübergreifenden Plattformen das zukunftsträchtigste Modell: «In der heutigen Zeit kommen wir nicht umhin, Synergien mit Konkurrenzmessen zu nutzen. Oft haben wir dieselben Aussteller und dieselben Besucher. Deshalb macht es Sinn, wenn wir gemeinsam zeigen, welche Kompetenzen, Erlebnisse und Emotionen an der Messe auf die Besucher warten.» Er mahnte aber zugleich: «Wir müssen selbstkritischer sein. Als Messeveranstalter sind wir nicht nur dafür zuständig, Flächen an Aussteller zu vermieten. Alles was wir machen, um die Besucherzahl zu erhöhen, sollte auch unseren Ausstellern einen Mehrwert bieten. Das haben wir in den vergangenen Jahren etwas vergessen.»

Schlussendlich war sich die Runde einig – nur wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen, wird sich die Situation verbessern. Stellvertretend dafür argumentierte Oliver Vrieze: «Aussteller, Messebauer und Veranstalter müssen zusammenarbeiten, damit der Messebesuch für unsere Gäste erfahrbar wird und vor allem in positiver Erinnerung bleibt.» (MICE-tip)

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