Ekel-Report: Wie unhygienisch sind Schweizer Hotelzimmer?

Ein harter Preiskampf unter den Putzfirmen führt offenbar zu unhaltbaren Zuständen.

«Mit dem WC-Lumpen ins Zahnputz-Glas» – mit diesem Titel hat der «Blick» sicher für zahlreiche angewiderte Mienen bei seinen Lesern gesorgt. Da die grossen Reinigungsfirmen sich wegen des unsicheren Geschäfts nicht mehr in die Hotels hineinwagten, lieferten sich kleine Firmen einen ruinösen Preiskampf, heisst es in der Zeitung. Immer weniger Zeit bleibe den Putzfrauen für das Säubern eines Zimmers, werden Angestellte von Subunternehmen zitiert, die für bekannte Schweizer Hotelketten gearbeitet haben. «Weil wir so im Stress waren, konnten wir die Zimmer bloss so putzen, dass sie nur auf ersten Blick sauber wirken. Manchmal mussten wir die Gläser mit dem gleichen Material reinigen, mit dem wir das Klo putzen», so die schauerlichen Erlebnisberichte aus dem Putzfrauenalltag.

Der Verband der Schweizer Reinigungsunternehmen Allpura habe bereits Alarm geschlagen und die Probleme benannt: «Die Auslastung der Reinigungskräfte ist selten konstant. Dies ergibt sich aus dem Geschäftsmodell von Hotels – die Buchungen sind nicht stabil, oft nur sehr kurzfristig planbar und schliesslich haben die Gäste eine grosse Freiheit, wann sie ihr Zimmer reinigen lassen», so das Zitat.

Hotelleriesuisse sieht kein Branchen-Problem
Der Branchenverband Hotelleriesuisse reagiert im nachfolgenden Bericht beschwichtigend: «Die Branche hat kein Problem mit der Sauberkeit», sagt Patrick Schönberg, Mitglied der Hotelleriesuisse-Geschäftsleitung. Die Zimmerhygiene sei kein spezifisches Thema. Zugenommen hätten vielmehr Meldungen über Abfallberge und andere Schweinereien, die Hotelgäste in ihren Zimmern häufig zurücklassen.

Die Fachlehrerin für Housekeeping an der Hotelfachschule Thun, Sandra Burri, wiederum kennt das Problem sehr wohl. Von «alten, dreckigen Staubsaugern mit kaputten Kabeln oder schmuddeligen Etagenwagen mit dreckigen Lumpen», spricht sie. Burri mahnt: «Dass sich in den Gängen die dreckige Bett- und Frotteewäsche stapelt, geht nicht. Die muss in den Zimmern in Wäschewagen verstaut werden.» Verbesserungsfähig sei auch der Auftritt des Putzpersonals: Ein freundliches «Grüezi» oder ein «Brauchen Sie noch etwas?» dürfe man als Gast erwarten.

Der Billigste bekommt den Auftrag
Laut Burri gibt es in den Chefetagen der Hotels grosse Unterschiede im Umgang mit dem Thema Hygiene: «Bei vielen Hoteliers steht Sauberkeit nicht an erster Stelle, entsprechend sehen dann die Zimmer aus». Oft fehle auch das Fachwissen bei den Mitarbeitenden. Ein zentrales Problem sei die Vergabe der Arbeiten an Subunternehmer. «Das erschwert die Qualitätskontrollen. Man weiss als Hotelier nicht, wer eigentlich putzt.» Die Betriebe würden so die Kosten senken. «Es ist wie auf dem Bau, der billigste Anbieter bekommt den Auftrag. Das ist kurzfristiges Profitdenken», sagt Burri im «Blick». (MICE-tip)

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