Jungfraubahnen-CEO übt harsche Kritik an Schweiz Tourismus

Unkreatives Marketing ist nur einer von vielen Punkten, die Urs Kessler bemängelt.
© Jungfraubahnen 2017

«Es ist ernüchternd, wie sich die Schweiz bei den Gästezahlen entwickelt hat. Die Basisaufgabe von Schweiz Tourismus wäre, unser Land als Reisedestination zu fördern. Das wird aber nicht besonders effektiv und vor allem zu wenig kreativ gemacht.» Das sind harte Worte, die Jungfraubahnen-CEO Urs Kessler da findet. Im Kurzinterview mit 20 Minuten über den geplanten und umstrittenen Eigerexpress lässt der Touristiker ziemlich Dampf ab. Das Image der Marke Schweiz in der Welt sei grossartig. «Das Problem ist, dass wir zu wenig aus dem guten Image der Marke Schweiz machen.»

Kessler wünscht sich als Botschafter für das Land keinen Geringeren als Roger Federer. «Der dürfte zwar jährlich einige Millionen kosten, aber das wäre gut investiertes Geld. Wenn ich das ganze Budget von Schweiz Tourismus betrachte, das mittlerweile gegen 100 Millionen Franken ausmacht, läge Federer doch drin. Es könnte uns nichts Besseres passieren als Roger, der sich mit dem Schweizerkreuz in der Welt zeigt und das Image auf sympathische Weise stärkt», so Kessler.

«Ein Haufen nicht überlebensfähige Konkurrenten, die subventioniert werden»
Auch für so manchen Konkurrenten hat Kessler wenig Lob übrig. Der Wintersport sei ein Verdrängungsmarkt. «Das Problem ist, dass wir einen Haufen nicht überlebensfähige Konkurrenten haben, die subventioniert werden. Diese nehmen den gesunden Anbietern Gäste weg.» Die Offensive von Saas-Fee und die Lancierung des Magic Pass für CHF 359 für 25 Skigebiete habe jedoch schon etwas ausgelöst. «Wir begannen deshalb, im Berner Oberland auch ein Angebot zu schaffen.» Man sei durch die Konkurrenz zum Handeln gezwungen worden, fahre aber keine Tiefpreisstrategie. Kessler spielt dabei auf das Abo von Jungfrauregion, Adelboden-Lenk, Meiringen-Hasliberg und Gstaad an, das für CHF 666 angeboten wird. «Ein Franken pro Kilometer.» Das neue Saison-Abo wurde Anfang September 2017 mit einem Vorverkaufsrabatt lanciert. (SG)

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