‚Moving Forward‘ Innovation Festival

Das World Tourism Forum Lucerne 2021 zeigt hybrid die Zukunftsvisionen des Tourismus
Die Gewinner des 'Junge-Talente-Programms' Foto: WTFL / zVg

Während die Reisebranche allmählich wieder in Fahrt kommt, wollen die Akteure die Dynamik nutzen. Die Branche(n) sollten kritisch hinterfragt, der Tourismus neu gedacht und somit fit für die Zukunft gemacht werden.

An der internationalen Konferenz des World Tourism Forum Lucerne am 15. und 16. November haben hochkarätige Gäste die aktuellen Herausforderungen analysiert und  Zukunftsperspektiven aufgezeigt. Um weiterhin erfolgreich sein zu können, muss sich der Wirtschaftszweig breit vernetzen und die fünf Fokusthemen aktiv angehen.

Wollen Destinationen zurück zum Overtourismus, zu überfüllten Stränden und langen Warteschlangen vor Sehenswürdigkeiten? Zu Geheimtipps, die zu Instagram-Hotspots und damit entzaubert werden? Oder wäre es besser, ‚back to normal‘ mit ‚moving forward‘ zu ersetzen?

Martin Barth, President & CEO World Tourism Forum Lucerne, ist sicher: «Es ist an der Zeit nach vorne zu blicken und die Chancen in der Krise zu finden, denn wie wir den Herausforderungen von heute begegnen, entscheidet über den Erfolg von morgen.»

Diversität und Inklusion

Um weiterzukommen, braucht es einen Wissenstransfer und neue kreative Ideen, dass alle ihre spezifischen Talente einbringen und miteinander vernetzen können – und dies unabhängig von psychischen oder physischen Beeinträchtigungen, Geschlecht, Ethnizität oder Bildungsgrad. Vor­herrschende Stereotypisierungen müssen abgebaut und die Organisationskultur fortschrittlicher verstanden werden. Dazu braucht es neue, kluge Partnerschaften, gemeinsame Initiativen und Aktions­pläne.

«In der Hospitality-Branche haben wir die Zusammensetzung unserer Belegschaft bis heute grossteils dem Zufall überlassen. Es muss das Ziel sein, dass wir uns der Diversity innerhalb der Unternehmen strukturierter annehmen und diese mit neuen Tools bewusst gestalten. Dies wird sich positiv auf die Performance auswirken», unterstreicht Ulrich Bensel, Chief Human Resources Officer Deutsche Hospitality.

Aradhana Kowhala, CEO & Gründerin Aptamind Partners, eränzt: «Trotz des gestiegenen Bewusstseins für das Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern hat sich die Zahl der Frauen in der Führungsetage und in den Aufsichtsräten nicht verändert. Wir bewegen uns nur langsam vorwärts und erwarten Veränderungen. Es ist an der Zeit, kühnes Denken mit grossem Engagement zu verbinden, sichtbares Engagement zu zeigen und nach Lösungen zu suchen, die echte Gewinne bringen.»

Nachhaltigkeit und Biodiversität

Um der beworbenen Natur und der Bergidylle gerecht zu werden, muss der Landschaftsschutz wieder vor die Gewinnmaximierung gestellt werden. Um das Verhältnis zwischen People, Planet und Profit wieder in ein gesundes Gleichgewicht bringen zu können, braucht es klare Nachhaltigkeitsstrategien.

Es gilt, neben den finanziellen und sozialen Aspekten auch das Natural Capital mitzudenken. So braucht es in der heutigen Welt beispielsweise eher neue Nachhaltigkeitsprojekte als Hotelkomplexe. Shannon Ghuian, Chief TreadRight & Sustainability Officer bei TTC betont: «Die atemberaubende Natur ist einer der Gründe, weshalb wir überhaupt reisen. Doch durch das Reisen zerstören wir sie. Deshalb müssen wir den Reisenden helfen, die Natur zu schützen und sie dazu motivieren ihr Verhalten nachhaltig zu ändern.»

Der Gründer und CEO der Globalance Bank, Reto Ringger, sieht positiv in die Zukunft: «Die meisten Menschen sind verwirrt und fragen sich, ob ihr Geld und ihre Investitionen Teil des Problems oder Teil der Lösung sind. Was mich optimistisch stimmt, ist die nächste Generation. Mit ihren kleinen Unternehmen und ihrer Bereitschaft, neue Technologien zu nutzen, sind sie Teil der Lösung.»

Generation Gap und Brücken bauen

Wenn auch die nächste Generation einen Platz am Tisch erhält, kann bestehendes Know-how mit neuem Denken vereint werden. Besonders die jungen Talente, Berufseinsteigenden und Start-Ups fordern diesen Platz immer mehr ein. Sie alle sind schnelldenkend, probierfreudig und halten Schritt mit der digitalisierten Welt. Sie sind agil, passen sich den veränderten Bedürfnissen in der modernen Welt an und sind die führenden Persönlichkeiten von morgen.

Indem wir sie fördern, können wir den Tourismus mit vereinten Kräften fit für die Zukunft machen. Davon profitieren wir alle. Um die Talentförderung weiter auszubauen, hat das WTFL drei neue Universitäten in ihr Partnerschaftsnetzwerk aufgenommen und ist mit dem Global Travel & Tourism Partnership (GTTP) eine strategische Kooperation eingegangen. Sie soll sich für die Förderung von Berufseinsteigenden in der Tourismusbranche in über 16 Ländern stark machen und dafür sorgen, dass die Branche für die nächste Generation an Attraktivität gewinnt.

Anne Lotter ist GTTP-Direktorin. Sie freut sich über die Zusammenarbeit mit dem WTFL. «Sie wird von der GTTP sehr begrüsst. Wir werden auf organisatorischer Ebene von den Stakeholdern des WTFL profitieren, einschließlich der Kontakte zur Industrie, zum Bildungswesen und zu den Regierungen. Für unsere jüngere Generation von Reise- und Tourismusstudierenden ist das Innovation Festival äusserst inspirierend. Sie erhalten die Gelegenheit, die nächsten Schritte in ihrer Karriere zu erkennen und von Spitzenfachleuten unterrichtet zu werden.»

Innovation und: von anderen Branchen lernen

Die Tourismusbranche wird oft isoliert betrachtet. Dabei ist sie Teil eines wirtschaftlichen, sozialen und politischen Systems. Deshalb muss sich die Tourismusbranche breit vernetzen, über den Tellerrand hinausschauen und sich digitale Technologien wie Künstliche Intelligenz zunutze machen, um beispielsweise personalisierte Reiseerlebnisse in Echtzeit zu ermöglichen.

Die kreativen, innovativen und disruptiven Geschäftsmodelle sind bereits vorhanden, wie das kontinuierliche Start-Up-Screening des WTFL Lucerne zeigt. Um diese weiter zu fördern, bringt das Forum mit seinen Start-Up Innovation Camps rund um die Welt und sehr erfolgreich Branchenexpert*innen, Investor*innen und junge Talente zusammen. Nur so wird es gemeinsam gelingen, den Kurs zu korrigieren, die Branche zukunftsorientiert aufzustellen und gleichzeitig eine Vorreiter­rolle in Sachen Innovation einzunehmen.

Koen Deryckere, Lead Industry Networks and Programs bei Accenture: «Mehr und mehr Unternehmen dringen in andere Branchen vor, um End-to-End-Lösungen anzubieten. Infolgedessen verschwimmen die Grenzen zwischen den Branchen, und die heutigen Technologien sind der Hauptantrieb und die Voraussetzung dafür.»

WTLF Think Tank

Auch die Teilnehmer*innen des internationalen Think Tanks setzen sich mit den grossen Fragen und Herausforderungen der Branche auseinander.

Sie sehen das grösste Optimierungs­potenzial für einen erfolgreichen Tourismus der Zukunft in drei Kern­punkten: Gesundheit & Wohlbefinden, Klima & Nachhaltigkeit sowie soziale Gleichheit & Diversität.

«Das Innovation Festival ist eine dringend benötigte Veranstaltung, um in diesen schwierigen Zeiten die gesamte Tourismusbranche zusammenzubringen, um über die schnelle Erholung des Sektors zu beraten und einen konstruktiven Dialog über den sich entwickelnden Tourismus auf Basis nachhaltiger, integrativer und vernetzter Erfahrungen zu führen», erläuter Adeeb Ahamed, Managing Director Twenty14Holdings.

«Die anhaltende Pandemie hat mehrere Schocks in der Reiseversorgungskette verursacht, und es ist wichtig, dass neue Ideen entstehen und durch angemessene Unterstützung der Branche konkrete Formen annehmen, damit der Sektor zur Schaffung von Lebensgrundlagen und zur sozioökonomischen Entwicklung weltweit beitragen kann.» (MICE-tip)

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