Adria Airways: Restrukturierung trägt erste Früchte (Ausgabe 2013-05)

Nach Streckenkürzungen und Entlassungen soll nun auch die Flotte reduziert werden, um 2013 wieder schwarze Zahlen zu erreichen.

 2012 war für Adria Airways das Jahr der Restrukturierung – «vor allem ertragsseitig wurde einiges getan», erklärt Mark Anžur, der neue CEO der Airline, im Gespräch mit TRAVEL INSIDE. Die slowenische Fluggesellschaft verzeichnete ein relatives Wachstum, d. h., das Flugangebot wurde um 15% gekürzt (Destinationen und Frequenzen), während der Ertrag stabil gehalten werden konnte. Derweil stieg die Auslastung im ganzen Streckennetz um fünf Prozentpunkte und die Einnahmen pro Sitzplatz konnten ebenfalls gesteigert werden.

Zur Kostensenkung wurde neben der Reduktion des Flugangebotes auch der Mitarbeiterstand um rund 20% reduziert – ca. 100 Mitarbeitende am Haupt-sitz in Ljubljana waren davon betroffen. Und auch 2013 werden laut Anžur weitere 20 bis 30 Mitarbeitende abgebaut – aufgrund der Streckenoptimierung vorwiegend beim Flugpersonal. Zudem soll die Flotte um 10% reduziert werden, d. h. eine oder zwei Maschinen des Typs Bombardier CRJ200 werden verkauft. «Das Routemanagement hat uns im 2012 zwar sehr geholfen, dennoch haben wir das Jahr noch mit roten Zahlen abschliessen müssen. Aber wir erwarten schwarze Zahlen für 2013», sagt Anžur.

Adria Airways befindet sich zu 75% in Staatsbesitz, der Rest gehört verschiedenen Banken. Mitte des 2012 hatten die Eigentümer beschlossen, 74,87% der Airline zu verkaufen. Dazu ist es allerdings noch nicht gekommen. «Wir sind noch immer in der Phase der Privatisierung und es gibt verschiedene Interessenten. Ich bin aber der Meinung, dass Adria Airways durchaus in der Lage ist, selbstständig zu überleben», erklärt der CEO. Dennoch erkennt An‑ur in der jetzigen Situation aber auch eine Zwickmühle: Je besser sich die Airline erholt und je erfolgreicher sie wird, desto teurer wird der Verkaufspreis. Was hingegen fehlt, ist die Kontinuität – sprich ein Beleg dafür, dass die Airline nachhaltig auf dem richtigen Weg ist. 

Auch hinsichtlich der Preispolitik wird bei Adria Airways gearbeitet. «Wir müssen das Image von Adria Airways als teure Airline entschärfen», so Anžur. Dafür werden nun auf verschiedenen Strecken für ein kleines Flugplatzkontingent Low-Cost-Preise auf den Markt gebracht. Diese beinhalten z. B. einen Billigtarif für knapp EUR 90 auf der Strecke ZRH–LJU–ZRH bei Buchung mindestens vier Monate vor Abflug. Doch vor allem auch für Geschäftsreisende will Adria Airways attraktiv bleiben, denn das Segment macht 65% der Passagiere aus.

Verbesserungspotenzial sieht Anžur auch am Flughafen in Ljubljana selbst, denn der Airport hat viele Reisende an die umliegenden Flughäfen verloren – allen voran Venedig. Der italienische Airport wird von Low-Costern wie Easyjet oder auch Airlines wie Emirates oder Qatar Airways angeflogen und verzeichnet jährlich rund 9 Mio. Fluggäste. Ljubljana kommt auf 1,5 Mio. Slowenien ist mit einem Anteil von 30% der wichtigste Markt von Adria Airways. Doch die nahe gelegenen Airports – zum Beispiel Vicenza oder Treviso – sind durch die Angebote der Billigflieger eine oft genutzte Alternative der Slowenen. «Ljubljana hätte vor 20 Jahren verstärkt in den Linienverkehr investieren sollen, denn die geografische Lage des Einzugsgebiets wäre perfekt», so der CEO.

Mark Anžur

Der gebürtige Slowene ist vor zehn Monaten als CCO zu Adria Airways gestossen und ist seit einem Monat interimistisch als CEO tätig, bis die Stelle neu ausgeschrieben wird. Es darf davon ausgegangen werden, dass er CEO bleiben wird. Er folgt auf Klemen Bostjancic, der aus wirtschaftlichen und geschäftlichen Gründen ersetzt wurde. Zuvor war Anžur bei Bramac Int. und zuletzt als Consultant bei A.T. Kearney tätig.

Zürich im Adria-Netzwerk neu auf Platz 2

Derweil betreibt Adria Airways eine Flotte bestehend aus zwölf Maschinen – fünf Bombardier CRJ200 (48/50 Plätze), vier CRJ900 (86 Plätze) sowie zwei Airbus A319 (135 Plätze) und einem A320 (180 Plätze). Damit werden insgesamt 19 Strecken bedient. Im gesamten Streckennetz fliegen 55% der Passagiere Point-to-Point. «Zürich liegt mit 51% leicht unter diesem Durchschnitt, da es sich bei dem Flughafen um einen sehr guten Hub handelt und die Transitverbindungen daher über dem Durchschnitt liegen», erklärt Zvone Petek, Schweiz-Chef von Adria Airways. Zwischen Zürich und Ljubljana wurden 2012 rund 75000 Passagiere befördert. Damit kletterte die Verbindung im Ranking der 2012 am besten frequentierten Adria-Airways-Strecken von Platz 3 auf Platz 2. Weiterhin an der Spitze liegt Frankfurt mit 121000 Passagieren.

Im Winterflugplan bedient Adria Airways die Zürich-Strecke 17 Mal pro
Woche – ab April wird wieder auf 20 wöchentliche Frequenzen erhöht.

Simon Benz