Aer Lingus verbessert Netzwerk und behält die Preise tief (Ausgabe 2010-45)

Der Krise in Irland zum Trotz entwickelt sich das Geschäft in der Schweiz gut.

Irland kommt in jüngster Zeit wirtschaftlich nicht aus den negativen Schlagzeilen heraus. Der Boom der 90er-Jahre ist einem massiven Rückgang des Wirtschaftswachstums und einer Stagnation der Konsumentennachfrage gewichen, die Steuern und die Arbeitslosigkeit steigen. Das hat Spuren beim National Carrier Aer Lingus (EI) hinterlassen.

CEO Christoph Müller erklärte jüngst gegenüber irischen Medien, dass die Airline wohl erst Mitte 2011 wieder steigende Passagiernachfrage verzeichnen wird, und dass die Resultate der Boomjahre möglicherweise nie mehr erreicht werden. 

Zumindest in der Schweiz steht Aer Lingus aber gut da. Laut Marcel Dubach (Aer-Lingus-Verantwortlicher beim Schweizer GSA Airlinecenter) weist der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr einen Zuwachs im einstelligen Prozentbereich auf: «Berücksichtigt man dabei, dass wir ab Zürich die tägliche Verbindung nach London-Gatwick eingestellt haben, können wir mit diesem Ergebnis sehr zufrieden sein.»

Irland scheint hoch im Kurs, sowohl im Leisure-Bereich als auch im Commercial-Bereich. «Geschäftsreisende haben im laufenden Jahr überproportional zugelegt», erklärt Dubach, «die Entspannung der wirtschaftlichen Lage in der Schweiz wirkt sich auf unser hiesiges Geschäft wesentlich stärker aus als die derzeit noch schwierige Situation in Irland.»

Das mag damit zu tun haben, dass Aer Lingus in allen Vertriebskanälen sehr konkurrenzfähige Tarife anbietet. Etwa 40% sämtlicher Buchungen erfolgen direkt auf der Website, «mit leicht steigender Tendenz», wie Dubach bemerkt. Er freut sich aber auch, dass die Verkäufe der Reiseveranstalter zugenommen haben.

Inzwischen hat Aer Lingus laut CEO Müller das Low-Cost-Modell definitiv aufgegeben und will sich wieder vermehrt dem Yield statt der Auslastung zuwenden. Sobald die Rückkehr in die schwarzen Zahlen erreicht sei, werde man sich weiteren dringenden Strategiefragen stellen müssen. Zum Beispiel, ob man alleine überlebensfähig ist oder nicht doch wieder einer Allianz beitreten sollte (Aer Lingus war bis 2007 Oneworld-Mitglied). Ob es wieder Oneworld wird, ist völlig offen, zumal Müller auch ins Auge fasst, Anteile an eine neue «Muttergesellschaft» nach dem Beispiel von Lufthansa und Brussels Airlines abzugeben.

Dass Aer Lingus keiner Allianz angehört, hat laut Marcel Dubach, Sales and Product Manager Aer Lingus beim Airlinecenter, Vor- und Nachteile: «Im ‹Star-Alliance-Land› Schweiz ist es nachteilig, dass unsere Passagiere keine Miles & More-Meilen sammeln können; vorteilhaft ist hingegen, dass Aer Lingus sich mit sehr günstigen Preisen positionieren kann. Diese Strategie könnten wir nur in beschränktem Masse verfolgen, würden wir einer Allianz angehören.» 

Tiefe Preise, grosses Netzwerk? CEO Müller verriet der «Süddeutschen Zeitung» jüngst, dass auch eine Zwei-Marken-Strategie vorstellbar sei. Nach der Abkehr vom Low-Cost-Modell baut Aer Lingus nun vorerst am Netzwerk und setzt vermehrt auf Umsteige-passagiere, welche z.B. via Dublin in die USA fliegen. Dieses Modell kommt auch in der Schweiz zum Tragen, allerdings begrenzt. Dubach: «Bis anhin haben wir uns auf den Verkehr von der Schweiz nach Irland konzentriert. Da wir den Flug ab Genf nach Dublin neu früh am Morgen anbieten, schaffen wir ab Dezember 2010 sehr attraktive Anschlüsse nach New York, Boston und Chicago. Dank unseren günstigen Tarifen versprechen wir uns viel davon. Ab Zürich sind diese Verbindungen via Dublin wegen dem grossen Angebot an Direktflügen aber kein Thema.»

In der Vermarktung wird sich Aer Lingus in der Schweiz weiterhin auf Inseratekampagnen und Radiospots in ausgewählten Medien konzentrieren sowie sporadisch an Irland-bezogenen Veranstaltungen als Co-Sponsor auftreten.

Jean-Claude Raemy

So fliegt Aer Lingus im kommenden Winter

Der Flugplan wurde sowohl für die Zürich- als auch für die Genf-Flüge angepasst. 

Von/nach Zürich gibt es eine späte Verbindung (ZRH ab 20.45 Uhr, DUB an 22.05 Uhr).
Wochenendurlauber kommen nach dem Arbeiten noch nach Dublin, während Geschäfts-reisende am Abend zuvor anreisen können und so ausgeschlafen zum Meeting kommen und danach auch nicht zum Rückflug an den Flughafen hetzen müssen. Für Leisure-Kun-den gibt es am Samstag noch eine Nachmittagsverbindung. 

Die tägliche Verbindung ab Genf wurde wegen Anschlussflügen in Dublin einiges früher angesetzt (GVA ab 10.35 Uhr, DUB an 11.45 Uhr). Für Wochenendtouristen gibt es am Freitag und Samstag Flüge am Nachmittag resp. Abend. 

Zudem ist im Winterflugplan wieder die Strecke Genf–Cork im Programm (GVA ab 18.20 Uhr, ORK an 21.25 Uhr), wobei dieser Flug hauptsächlich bei Wintersportreisenden aus Irland beliebt ist.

JCR