Seit Jahren befindet sich die grösste russische Airline Aeroflot im Aufwärtstrend. So konnte sie 2012 das Passagieraufkommen im Vergleich mit dem Jahr 2011 um 24,6% auf 17,6 Mio. Fluggäste steigern. Doch nun musste die Fluggesellschaft einen Gewinneinbruch melden. Im ersten Halbjahr 2013 schrumpfte der Reingewinn um fast vier Fünftel gegenüber dem Vorjahreszeitraum, wie das Unternehmen mitteilte. Der Reingewinn sank um 78,7% auf 1,5 Mio. US-Dollar, hiess es. Der Erlös wuchs dabei dennoch um 14% auf 4,1 Mio. Dollar. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) beträgt 351,9 Mio. Dollar.
Geld, das Aeroflot bereits wieder investiert, schliesslich kauft sie für den Betrag von 3,1 Mrd. Euro 22 Airbus-Maschinen. Dabei handelt es sich um 14 Flugzeuge vom Typ A350-900XWB und acht A350-800XWB. Laut der Nachrichtenagentur Interfax ist die erste Lieferung für 2018 geplant. Bereits 2007 unterzeichnete Aeroflot einen Grossauftrag über den Kauf von 22 Boeing B-787 Dreamliner mit Lieferbeginn im Jahr 2016.
Zurzeit verfügt Aeroflot über 137 Maschinen, mit denen ab Moskau insgesamt 118 Destinationen in 51 Ländern (31 Destinationen in Russland) angeflogen werden. Nun möchte Aeroflot mit der Gründung einer Billigairline ihren Marktanteil noch erhöhen.
Anfang Oktober wurde bekannt, dass die grösste russische Fluggesellschaft die Billigairline Dobroljot was in etwa «Guter Flug» bedeutet amtlich eintragen liess. Aeroflot-Chef Witali Saweljew sagte laut der Zeitung RIA Novosti, dass der Low-Coster komplett von Aeroflot kontrolliert werde und die Marktkapitalisierung des Mutterkonzerns erhöhen soll. Die erste Maschine werde Mitte 2104 abheben.
Laut Plänen werde Dobroljot im ersten Jahr von Moskau nach St. Petersburg und in sieben weitere russische Städte fliegen, 2015 sollen 19 Städte und 2016 bereits 26 Städte bedient werden. Dabei sollen acht Maschinen des Typs Boeing 737-800 mit 170 Sitzen eingesetzt werden. Aeroflot beabsichtige, in den nächsten zwei Jahren 100 Mio. Dollar in die neue Billigairline zu investieren. Die Ticketpreise sollen rund 40% günstiger sein als bei der Konkurrenz und damit mit den Preisen für Bahntickets konkurrieren können, wie Aeroflot versprach.
Doch inzwischen wächst ernsthafte Konkurrenz für Aeroflot heran. Laut einem Bericht der Welt haben die beiden russischen Airlines Transaero und UTAir, die bisherigen Nummern zwei und drei des russischen Luftfahrtmarktes, eine enge Zusammenarbeit vereinbart. Demnach planen sie Gemeinschaftsflüge, um Umsteigepassagieren zeitraubende Transits zwischen den drei grossen Moskauer Flughäfen Scheremetjewo, Domodedowo und Wnukowo zu ersparen.
Die Kooperation der beiden macht Sinn. Transaero bietet vor allem interkontinentale Flüge an, UTAir hat sich auf innerrussische Flüge und Routen in die benachbarten GUS-Staaten spezialisiert.
Es wird bereits gemunkelt, dass die Kooperation einen Beitritt in eine der grossen Luftfahrtallianzen ins Auge fasse. Dabei kommt wohl am ehesten die Star-Gruppe mit Lufthansa/Swiss, Turkish Airlines und Singapore Airlines infrage, da Aeroflot Mitglied bei Sky Team ist und die sibirische Airline S7 Oneworld angehört.



