Air Berlin verkleinert Flotte und reduziert Langstrecke um 30% (Ausgabe 2008-26)

Die deutsche Billigfluggesellschaft strebt mit dem kommenden Winterflugplan nach neuer Effizienz.

Um den stark angestiegenen Kerosinpreisen entgegenzuwirken, hat die Air
Berlin PLC ein Paket zur Kostensenkung geschnürt und plant dessen
Umsetzung im kommenden Winterflugplan 2008/09. Neben
Kapazitätsanpassungen werden auch organisatorische Massnahmen umgesetzt.
Anstatt der geplanten 134 sollen diesen Winter nur 120 Flugzeuge
eingesetzt werden. 14 vor allem ältere Kurz- und
Mittelstreckenflugzeuge sollen ausgemustert werden. Die
Langstreckenflotte wird um vier Airbus A330 reduziert, davon sollen
drei A330-300 auf Mittelstrecken eingesetzt werden – vorwiegend vom
Drehkreuz Nürnberg aus. Die vierte Maschine soll in Zukunft vor allem
für planmässige Wartungsintervalle zur Verfügung stehen.

Die erst anfang Mai aufgenommenen Verbindungen nach Peking und Shanghai
werden im Winterflugplan 2008/09 nicht weitergeführt. Laut Air
Berlin-CEO Joachim Hunold liegt der Grund für diese Streichung in den
ungeklärten Überflugrechten für Russland. Über eine Wiederaufnahme im
Sommer 2009 soll zu gegebenem Zeitpunkt entschieden werden.
Auch die Verbindung Düsseldorf–New York wird im Winterflugplan nicht
weiter bedient, und die Flüge nach Mauritius und Sri Lanka werden
eingestellt. Auf den Strecken nach Kapstadt, Windhoek und Bangkok wird
es im Winter Frequenzreduzierungen geben. Auf der Langstrecke beträgt
die Kapazitätsreduktion 30 Prozent.

Während Verbindungen und Frequenzen für gewisse Destinationen
zurückgesetzt werden, erhöht Air Berlin die Frequenzen zu Zielen, die
eine besonders hohe Nachfrage generieren. Dazu gehören Miami und Fort
Myers, Cancun, Male und Montego Bay auf Jamaika. Neu in den
Winterflugplan integriert werden Verbindungen auf die Azoren. Laut
Hunold sollen vor allem auch Strecken gestärkt werden, die für
Geschäftsreisende von Interesse sind.

«Die Schweiz ist nach wie vor ein wichtiger Markt für Air Berlin und
von den Streichungen der Langstrecken-destinationen nicht betroffen»,
sagt Stefan Gutknecht, Director Sales Schweiz von Air Berlin. «Im
Gegenteil. Kommenden Winter wird es eher noch mehr Langstreckenflüge
geben als im letzten Winter.» Im Winter 2007/08 wurden Cancun, Goa,
Male und Punta Cana jeweils einmal wöchentlich angeflogen, Phuket
zweimal pro Woche. Ob neue Langstreckendestinationen dazukommen,
beziehungsweise ob gewisse Frequenzen erhöht werden, verrät Gutknecht
noch nicht, da der Flugplan der touristischen Ziele, mit Ausnahme von
Palma, erst in zirka drei Wochen kommuniziert werden kann. Diese späte
Kommunikation dürfte mitunter auch ein Grund dafür sein, weshalb die
Touroperators die Planung für ihre Winter-Charter noch immer nicht
abgeschlossen haben.

Die Streichung der Flüge via Düsseldorf hat laut Gutknecht keine grosse
Auswirkung auf den Schweizer Markt: «Der Absatz in der Schweiz ist im
Vergleich zum deutschen Markt relativ gering.» Grössere Auswirkungen
hat die Situation in Deutschland mit der Condor-Übernahme, die nun
neuerlich auf dem Prüfstand steht.

Simon Benz