Air Canada zurück in Genf (Ausgabe 2008-49)

Die Kapazität ex Schweiz wird verdoppelt. Air Canada will hierzulande stark wachsen.

Vorletzte Woche machte Air Canada Schlagzeilen mit der Ankündigung,
dass man nach 20-jährigem Unterbruch wieder Genf anfliegen werde. Ab
dem 1. Juni 2009 wird es eine ganzjäh-rige, tägliche Verbindung
Genf–Montreal–Toronto geben, im Codeshare mit Swiss. Die Tickets sind
bereits in Verkauf.

Isabelle Knoblauch, General Manager Switzerland von Air Canada, erklärt
dazu: «Es besteht aus der Region Genf und dem benachbarten Frankreich
eine grosse Nachfrage nach direkten Flügen nach Montreal. Air Canada
hatte Genf in den letzten Jahren immer auf der Wunschliste, konnte die
Strecke aber wegen Mangel an geeigneten Maschinen nicht bedienen. Wir
erwarten eine gute Auslastung während des ganzen Jahres; dabei wird die
Zusammenarbeit mit Swiss sicher hilfreich sein.»

Knoblauch sieht ein grosses Potenzial sowohl für Geschäfts- als auch
für Privatreisen. Einerseits gibt es in Genf gute Anschlüsse an
Osteuropa und in den Mittleren Osten, und umgekehrt in Montreal an über
67 Destinationen in Kanada und 55 in den USA. Sie erwartet, dass die
Maschinen von und nach der Schweiz zu rund 60% hierzulande gebucht
werden, der Rest sind Kanadier oder Transitpassagiere.

Die neue Route wird mit einer Boeing 767-300ER bedient, welche mit 211
Sitzen ausgestattet ist – 187 in der Economy und 24 in der «Executive
First» der Business Class von Air Canada. «Die neuen Executive First
Suites sind sehr beliebt, die Tarife in der Business-Klasse wurden
nicht erhöht, und somit bieten wir ein sehr gutes
Preis-Leistungs-Verhältnis an», bemerkt Knoblauch. Die zu komplett
flachen Betten umwandelbaren Sitze bieten hohen Komfort und viel
Privatsphäre, was besonders Geschäftsreisende schätzen. Laut Knoblauch
wird übrigens auch die A330-Flotte bis Ende Winter total umgebaut. Neu
wird dann die ganze Flotte, von der Boeing B777 bis zum Embraer E75, in
Economy und Executive First Class mit Video-on-demand in jedem Sitz
ausgestattet sein. Die Executive First war auch wesentlicher
Bestandteil des Erfolgs in diesem Jahr. Bislang betrug die Auslastung
der Flüge Zürich-Toronto laut Knoblauch 87%, «was etwas über dem
Durchschnitt der AC-Flüge in Europa ist». Der Umsatz sei bis Oktober
leicht gesteigert worden.

Besonders erfreulich entwickle sich dank dem einfachen Umsteigen der
Anteil an Reisen in die USA: Kunden machen im Transit die Pre-clearance
von US-Immigration und Zoll. Die kanadische Einreise entfällt und der
Weiterflug gilt als US-Domestic-Flug, d.h., der Kunde muss an der
Enddestination keine Formalitäten mehr erledigen.

Angst vor einem schwachen nächsten Jahr infolge der globalen
Finanzkrise hat die langjährige Managerin nicht: «Kanada ist auch von
einer Schwächung der Wirtschaft betroffen, hat aber momentan weltweit
das stabilste Bankensystem, was uns positiv in die Zukunft blicken
lässt.» Zudem hat Air Canada bereits vorgesorgt: Im Juli wurde die
Kapazität weltweit um 7% reduziert und es wurden 2000 Stellen abgebaut
– um weiterhin profitabel zu operieren.

Die Kapazität aus der Schweiz indes wird mit dem neuen Flug verdoppelt.
Die Strecke Zürich–Toronto wird nämlich genau wie 2008 täglich im
Sommer und vier- bis fünfmal pro Woche im Winter bedient werden. «Das
heisst nicht automatisch, dass wir den Umsatz verdoppeln können, aber
wir erwarten, im zweistelligen Bereich wachsen zu können», erklärt
Knoblauch und fügt an: «Wir haben nicht vor, den Markt mit
Dumpingpreisen zu überschwemmen. Wir sind bestrebt, den Flug mit
mindestens dem gleichen Yield wie die rentable Zürich-Maschine
profitabel zu halten.»

Der Trade ist dabei wichtiger Bestandteil im Vertrieb. In der Schweiz
läuft laut Knoblauch rund 80% des Vertriebs via Reisebüros/TOs,
Consolidator und Commercial Chains. Der kleine Rest entfällt auf das
Callcenter oder wird via Internet gebucht.

Jean-Claude Raemy