Air-France-Unfall wird etwas verändern (Ausgabe 2009-27)

Hansjörg Bürgi, Chefredaktor des Luftfahrtmagazins SkyNews.ch

Der tragische Unfall von AF447 wirft unzählige Fragen auf. Ob es je
Antworten darauf gibt, ist ungewiss. Findet man die Black Box mit
Flugschreiber und Cockpit-Stimmenrecorder nicht, fehlen den Ermittlern
die wichtigsten Daten. Und nicht vergessen seien die Angehörigen der
Opfer. Sie können nicht Abschied nehmen, weil die meisten Leichen nicht
geborgen werden.

Der Absturz war ein gefundenes Fressen für die Medien. Wie immer
wollten alle gleich nach dem Unfall wissen, was geschehen war. Da nur
wenige Fakten bekannt sind, waren wilden Spekulationen Tür und Tor
geöffnet.

Leider fanden so viele Unwahrheiten, voreilige Schuldzuschiebungen und
auch peinliche Falschmeldungen in die Massenmedien. Wir wollen hier
bewusst nicht über die Unfallursache spekulieren, die Faktenlage ist
viel zu dünn.

Doch der Unfall von AF447 wird auf die künftige Flugdatenübermittlung
einen Einfluss haben. Bereits gibt es Systeme, welche in Regionen ohne
Radarabdeckung – wie der Südatlantik eine ist – für eine laufende
Datenübertragung an eine Bodenstation sorgen. Das Automatic Flight
Information Reporting System Afirs kann via das amerikanische
Satellitensystem Iridium weltweit alle flugrelevanten Daten
übermitteln. Gemäss Angaben des kanadischen Herstellers Aero Mechanical
Services wird diese «Blue Box» für über 30 Flugzeugmodelle angeboten
und derzeit von 31 Benutzern auf sechs Kontinenten verwendet.

Weitere Folgen von AF447 könnten auch neue Black Boxes sein, welche
schwimmfähig und somit im Meer leichter zu lokalisieren sind. Eine
andere Lehre könnte in der Verbesserung der Wetterinformationen liegen
sowie in einer Redundanz beim Wetterradar. Dieses System ist im
Gegensatz zu allen anderen flugrelevanten Systemen nur einmal an Bord
eines Flugzeugs vorhanden.