Airline-Weltfremde Lufthansa-Piloten (Ausgabe 2010-09)

Hansjörg Bürgi, Chefredaktor des Luftfahrtmagazins SkyNews.ch
Der Streik der Lufthansa-Piloten sät auf weitem Feld nur Verlierer: Die gestrandeten Passagiere, das in die Ecke gespielte Management, das andere Lufthansa-Personal, welches den Ärger der Kunden zu spüren gekriegt hat, und die Crews selbst, deren Image weiter sinkt. Als grösster Verlierer geht der Luftfahrtstandort Deutschland und damit auch ein beachtlicher Teil des Luftfahrtstandortes Europa aus dem Streik hervor.
Die Lufthansa-Cockpit-Crews gehören nun wirklich nicht zu jenen Berufsgruppen, die für ihre Arbeit schlecht entlöhnt werden. Das Gegenteil ist der Fall. Wenn sie nun aber vom 
Management verlangen, dass das deutsche Tarifrecht auch für die Lufthansa-Tochterfirmen im Ausland zu gelten habe, zeugt dies doch von einer seltsamen Weltfremde. Zumal 
in der jetzigen Zeit, nachdem die meisten Airlines just ihr schlimmstes Jahr ihrer Geschichte überlebt haben. Nicht wenige Fluggesellschaften gingen 2009 Konkurs. Die IATA-Carrier haben einen kumulierten Verlust von elf Milliarden (!) US-Dollar eingeflogen. Dazu dürfte auch die Lufthansa ihren Teil beigetragen haben. Wer in einer solchen Zeit noch bessere Arbeitsbedingungen fordert, verkennt mehr als nur die Lage.
Doch es gibt auch Profiteure des Lufthansa-Streiks: Da wären einmal die europäischen Low-Cost-Airlines, die derartige Schwächen der Netzwerk-Fluggesellschaften nur zu gerne ausnutzen. Und nicht zu vergessen sind die mit enormen Kapazitätsreserven aufwartenden Carrier aus der Golfregion. Während Air France, British Airways und Lufthansa streiken, eröffnen Emirates, Qatar Airways, Etihad und weitere Gulf-Airlines laufend neue Strecken nach Europa und «saugen» die Passagiere via ihre Hubs in der Wüste ab. 
Diese Realitäten sollten auch den Swiss-Aeropers-Piloten zu denken geben, denn Ende Jahr läuft ihr Gesamtarbeitsvertrag aus. Die Lufthansa-Tochter hat bis anhin bewiesen, dass sie auch in turbulentesten Zeiten mit Gewinn fliegen kann. Nicht zuletzt auch dank den moderaten Löhnen ihres Personals.