Airlines zeigen sich besorgt über zunehmende Steuerbelastungen (Ausgabe 2008-40)

TI publiziert hier die leicht gekürzte Stellungnahme des Board of Airline Representatives (B.A.R.) zum Verhältnis der Politik zur Luftverkehrswirtschaft.

Die Fluggesellschaften, die die Schweiz anfliegen, zeigen sich
zunehmend darüber beunruhigt, dass die Politik die derzeitige
finanzielle Lage der Luftverkehrswirtschaft verkennt und «zur Unzeit»
finanzielle Belastungen einführt. Das wurde bei einer
Grundsatzbesprechung zwischen dem B.A.R. Schweiz und dem Verband
europäischer Fluggesellschaften (AEA) deutlich.

«Noch nie hat es so viele Pleiten in der Branche gegeben wie 2008; bei
einer sich abzeichnenden Wirtschaftsrezession und Kerosinpreisen, die
50% über Vorjahresniveau liegen, wird 2009 voraussichtlich ein Jahr
hoher Verluste für die europäischen Gesellschaften. Angesichts der
niedrigen Margen sind auch nur geringe zusätzliche finanzielle
Belas-tungen nicht zu verkraften», erklärte Ulrich Schulte-Strathaus,
Chef der AEA.

Heinz Sturzenegger, Executive Officer des B.A.R. Schweiz ergänzt: «Die
Luftfahrt spielt für die Vernetzung aller Regionen Europas mit dem Rest
der Welt eine unersetzliche Rolle. Wachstumsgebiete in Asien,
touristische Destinationen, ja die gesamte Tourismusbranche, periphere
Regionen, Geschäftsreisende, die weltweite Frachtbeförderung, alle sind
auf eine funktionierende effiziente, umweltschonende
Luftverkehrsinfrastruktur angewiesen. Die Politik ist in der Pflicht,
dafür zu sorgen, dass der Branche nicht die Mittel entzogen werden, die
sie benötigt, um modernere Flugzeuge herstellen und kaufen zu können.
Nur mit modernster Technologie wird emissionsneutrales Wachstum möglich
sein.»

Der bereits vor zehn Jahren geplante einheitliche europäische Luftraum
könnte diesen um jährlich 12 Tonnen CO2 entlasten. Die Politik ist
gefordert, endlich zu handeln. «Dennoch hören wir nun, dass eine
Umsetzung erst in zehn Jahren kommen soll. Das ist natürlich viel zu
spät», so Sturzenegger.

Statt jedoch den Voraussetzungen für ein nachhaltiges Wachstum dieser
umweltfreundlichen Branche Sorge zu tragen, würde die Politik nicht nur
in Europa weitere steuerliche Belastungen einführen, beklagen die
Fluglinien. «Allein aufgrund der Flughafensteuer in London zahlt der
Fluggast das Dreifache dessen, was eigentlich als Kompensation für die
Umweltbelastungen durch den Flugverkehr erforderlich wäre», sagt
Schulte-Strathaus.

«Zusätzlich zu diesen nationalen Steuern werden wir ab 2012 ein sehr
teures Emissionshandelssystem bekommen, das einer Steuer ähnlich ist
und von nicht europäischen Airlines abgelehnt wird. Wenn aber weltweit
nationale Steuern erhoben werden, wird ein Netzwerkcarrier, der
Kontinente miteinander verbindet, diese Dienste nicht mehr zu
erschwinglichen Preisen anbieten können. Dann kann die Luftfahrt ihrer
Rolle nicht mehr gerecht werden», führt Schulte-Strathaus aus.

Das B.A.R. vertritt die Interessen von 68 Linienfluggesellschaften die
die Schweiz anfliegen. Die Association of European Airlines AEA zählt
35 Airlines.

Urs Hirt