Das Lausanner Reiseunternehmen Albertsen Voyages hat mit der Übernahme
von Départ Voyages und zwei goldenen TRAVEL STAR Awards in Folge
(Kategorie Fernreisen/Pazifik) für Aufsehen im Schweizer
Outgoing-Tourismus gesorgt. Wie kam es dazu?
Direktorin und Mitinhaberin Barbara Zbinden (ursprünglich aus Thal SG,
aber seit 13 Jahren bei Albertsen) erklärt: «Albertsen hat seit den
60er-Jahren eine starke Position in der Romandie als TO für
Pazifikdestinationen. In den letzten Jahren mussten wir uns nun
überlegen, wie es weitergeht. Bestand die Gefahr, übernommen zu werden?
Wo gab es Ausbaumöglichkeiten? Wir brauchten eine Alternative.» Diese
kam, als Patrick Bourdain, Inhaber von Départ Voyages, einen Käufer für
sein Unternehmen suchte. «Es ergab sich die Möglichkeit, zwei bekannte,
nicht allzu grosse Spezialisten zu koppeln und so an Know-how und
Bedeutung zu gewinnen», führt Zbinden aus. Über den Kaufpreis wurde
Stillschweigen vereinbart; Insider schätzen diesen auf 3,5 bis 4 Mio.
Franken.
Départ Voyages, bestehend aus den Teilbereichen Départ Antilles und
Départ Océan Indien, zog dann Ende Jahr von Pully nach Lausanne um.
Zurzeit sind zwei Personen im Albertsen -Reisebüro und sieben im Tour
Operating tätig. «Das Tour Operating erfolgt nicht mehr getrennt»,
bemerkt Stéphanie Degallier, TO-Verantwortliche und früheres
Kadermitglied von Tourisme pour tous (TPT). Das Reisebüro fungiere als
klassisches Reisebüro, welches in erster Linie eigene Produkte
verkauft. Bereits jetzt wurde ein Drittel des Umsatzes mit
Albertsen-Produkten erzielt.
Derzeit arbeiten Zbinden und Degallier daran, die Kommissionsstrukturen
der beiden TOs zu vereinheitlichen. Jene Reisebüros, welche Produkte
der beiden TOs verkaufen, sollen auf den kumulierten Umsatz
kommissioniert werden. Dazu Barbara Zbinden: «Der Verkauf von
Albertsen-Produkten war aufgrund der relativ hohen Dossierpreise seit
jeher interessant. In den letzten Jahren wurden ein paar Reservationen
an Konkurrenten verloren, weil Reisebüros ihre Sortimentspolitik
anpassen mussten, indem sie bei TO-Gruppen bessere Kommissionen dank
kumulierter Umsätze erzielen konnten. Mit Départ Voyages erhalten wir
nun mehr Gewicht. Den Verkaufsumsatz von Reisen nach
Französisch-Polynesien, in die Karibik oder den Indischen Ozean kann
man nun auch bei uns kumulieren. Da kommen ganz schöne Summen zustande.»
Alle Probleme der Integration sind damit aber noch nicht aus dem Weg
geräumt. Werden die beiden Marken unabhängig weitergeführt, oder wird
ein neuer Name im Markt lanciert? Wird die Produktion vereinheitlicht,
oder gibt es weiterhin zwei Teams? Gibt es einen gemeinsamen
Internetauftritt? Diese Fragen sind noch offen. Laut Degallier gibt es
drei Szenarien: Man behält zwei Kataloge bei (je einen für Départ und
für Albertsen), macht drei Kataloge (je einen pro Destination) oder es
wird alles in einer Broschüre für ferne Inseln vereinheitlicht. Der
Name hat keine Priorität: «Vorläufig wollen wir am Markt Stabilität
demonstrieren», so Degallier.
Priorität hat der Bekanntheitsgrad. Laut Degallier werde im Bereich
Indischer Ozean bei Agenten in der Romandie erst sehr wenig an Départ
gedacht. Ferner will Degallier die Palette mit Kuba erweitern.
Barbara Zbinden möchte ausserdem besser Fuss im Deutschschweizer Markt
fassen: «Unser Personal ist zweisprachig, ich bin selber
Deutschschweizerin. Wir sind noch nicht in der Lage, in die
Deutschschweiz zu expandieren. Es ist allerdings ein Fernziel. Zurzeit
können wir vielleicht als Alternative für Reisebüros, welche eine
kompetente Beratung für Polynesien und die Antillen brauchen in Frage
kommen.»
Jean-Claude Raemy
IT wird angeglichen
Départ Voyages und Albertsen arbeiten derzeit noch auf
unterschiedlichen Backoffice-Systemen. Doch laut Stéphanie Degallier
werden die Systeme angeglichen: «Jenes von Albertsen, TO Online, wird
wohl weiter verwendet. Jenes von Départ war zwar gut, erlaubte aber
keine Online-Reservation.» Bis zur Winterproduktion 2008/09 sollen die
Systeme migriert sein. Für Agenten werden dann die Produkte von Départ
endlich rund um die Uhr buchbar.
JCR



