Seit zwei Monaten hat Alitalia in der Schweiz einen neuen General
Manager im Einsatz. Cristiano Castelli ist seit zehn Jahren bei
Alitalia und war in Polen und in Rom tätig, bevor er die Stelle in
Dübendorf antrat. Wegen der neuen Netzwerkstrukturen der Alitalia kann
er bereits die ersten positiven Neuigkeiten präsentieren.
Alitalia konnte durch die Konzentration auf das Drehkreuz Rom ihre
Effizienz steigern. «Bei Problemen haben wir heute mehr Möglichkeiten,
da uns an einem einzigen Ort nun mehr Flugzeuge und auch mehr
Angestellte zur Verfügung stehen», sagt Castelli. Aus diesem Grund
konnte in den ersten vier Monaten des Jahres eine positive Bilanz
bezüglich Pünktlichkeit und der Anzahl der Ausfälle gezogen werden. Die
Pünktlichkeit der Flüge konnte in
83,1 Prozent auf 15 Minuten genau gewährleistet werden (2007: 78,8%).
Damit liegt Alitalia über den Werten vieler europäischer Airlines. Auch
im Bereich der Flugausfälle konnte sich die Fluggesellschaft in den
ersten vier Monaten verbessern. Im Vergleich zur Vorjahresperiode gab
es 26 Prozent weniger Flugannullierungen. In einer schwierigen Zeit,
wie die Alitalia sie derweil durchläuft, sind solche Neuigkeiten ein
wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Die Reputation, die ein
Unternehmen oder auch ein ganzes Land davon erhält, ist laut Castelli
vor allem in der heutigen Situation wichtig, auch weil Italien unter
dem Vorurteil leidet, unpünktlich und unzuverlässig zu sein.
Durch die Verlegung der Flüge von Mailand nach Rom ist der Flughafen
Rom Fiumicino das einzige Drehkreuz der Alitalia geworden. Dies ist
auch in der Schweiz spürbar. «Die Nachfrage
in der Schweiz nach Destinationen in Süditalien ist da», sagt Castelli.
Heute werden diese Verbindungen über den Hub in Rom geflogen. Durch die
Ende Juni vollzogene Vorverlegung des Abendflugs von 19.45 Uhr auf
18.00 Uhr können bedeutend mehr Anschlüsse nach Süditalien, aber auch
nach Südamerika, Nordafrika, in den Mittleren Osten und seit Juni auch
nach Los Angeles gewährleistet werden. Durch die Fahrplananpassung
konnte schon eine leichte Steigerung des Verkehrs registriert werden.
Ausserdem wird ab Zürich nicht mehr mit einer Embraer operiert, sondern
mit einem Airbus A319 mit 126 Sitzplätzen. Für Castelli erweitern sich
damit die Möglichkeiten: «Dadurch haben wir wesentlich mehr Kapazität
und können auch grössere Gruppen transportieren.» Unter anderem steht
für Castelli die Kommunikation dieser neuen Anschlussmöglichkeiten und
Kapazitäten im Mittelpunkt.
Weitere Destinationen von der Schweiz aus in den Winterflugplan zu
integrieren, ist für die Alitalia noch kein Thema. Zuerst soll die neu
gewonnene Effizienz via das Drehkreuz in Rom genutzt werden. «Auch ohne
direkte Verbindung sind die Flüge effizient und angenehm», sagt
Castelli. «Die Nachfrage nach neuen Destinationen ist in der Schweiz
gegeben, die
Erweiterung des Streckennetzes ist sicherlich ein zukünftiger Schritt.»
Neben weiteren Destinationen ist auch der Ausbau der bestehenden
Verbindungen ein Thema für die Airline. Castelli wünscht sich
zusätzlich zu den Flügen um 11.45 Uhr und 18.00 Uhr nach Rom einen
Morgenflug ab Zürich, der bei den Geschäftsleuten mit Sicherheit gut
ankommen würde.
Mit dem Umzug des General Managers von Genf nach Zürich hat die Airline
ein weiteres Zeichen gesetzt. «Wir wollen präsent sein», sagt Castelli.
Der General Manager sieht im Schweizer Markt noch einiges Potenzial.
Der Zukunft der Airline nicht nur in der Schweiz sieht er
optimistisch entgegen. «Das Potenzial für Italien ist gross und die
Marke Alitalia ist gut. Alleine schaffen wir es aber nicht. Wir
brauchen Partner wie die Veranstalter und die Endkonsumenten.» Um den
Kontakt zu den und den Service für die Veranstalter zu gewährleisten,
hat Alitalia einen Sales Support für Agenten in Zürich und Genf
lanciert. Castelli ist die Kommunikation mit dem Verkauf und den Kunden
wichtig: «Es ist notwendig, dass die Leute wissen: Die Alitalia fliegt
noch!»
Simon Benz
Was wird nun eigentlich aus Alitalia?
Wöchentlich wird die Öffentlichkeit über neue Übernahme-,
Finanzierungs- oder Untergangsszenarios bezüglich Alitalia informiert.
Viele davon basieren laut Cristiano Castelli, General Manager
Switzerland von Alitalia, auf Vermutungen und Spekulationen.
Gemäss Castelli beschäftigt sich zurzeit die Bank Intesa Sanpaolo mit
einer Prüfung der Situation und sucht nach Möglichkeiten einer
italienischen Lösung. Bevor man mit andern Fluggesellschaften wie
beispielsweise Air One in Kontakt treten wird, soll zuerst die
Neuausrichtung von Alitalia geplant werden.
In der nun auch wieder in der Schweiz vertretenen italienischen
Fluggesellschaft Meridiana/Eurofly sieht Castelli keine direkte
Konkurrenz: «Die Airline hat eine andere Strategie und konkurrenziert
uns nicht oder allenfalls nur auf wenigen Strecken. Vielleicht ergeben
sich daraus auch neue Möglichkeiten.» Auf alle Fälle sei die
Zugehörigkeit zu einer Allianz von grosser Wichtigkeit, da vor allem
auch durch ihre Vielfliegerprogramme Kunden generiert werden könnten,
so der General Manager. Eine weitere Möglichkeit sieht er im
Streckenausbau durch Codeshare mit Partner-Airlines.
«Wir sind noch nicht nahe am Bankrott», sagt Castelli. «Die Alitalia
Gruppe besass per 31. Mai 2008 noch flüssige Mittel in der Höhe von
rund 388 Millionen Euro. Die 300 Millionen Euro von der italienischen
Regierung sind darin nicht eingerechnet.»
Ein grosses Problem stellen heute die hohen Treibstoffkosten dar. Einer
Airline, die schon Probleme hat, setzen diese in noch stärkerem Masse
zu.
BNZ



