Aviatik-Guru Tyler Brulé entfährt: «Wonderful!» Ein Raunen geht durch
die Fach- und Medienleute, als letzte Woche im «ANA Intercontinental»
in Tokio die Spots angehen und die neue Langstrecken-Kabine das Licht
der Aviatik-Welt erblickt. Ein einziges Detail ist in der zweijährigen
Entwicklungszeit durchgesickert: dass All Nippon Airways die erste
Komforttoilette (Closomat) über die Wolken bringt.
Doch das war Nebensache. Kern der 200-Millionen-Franken-Investition ist
salopp gesagt: Pimp my plane. ANA lässt sich für den neuen
Markenauftritt von den Vorzügen Japans inspirieren: modernste Technik,
höchste Dienstleistungen, gastronomische Spitze. Und so
segelt die internationale Flotte (B-777 und dereinst Dreamliner) fortan unter dem Claim «Inspiration of Japan».
ANA rüstet alle vier Klassen mit High-Tech-Sitzen aus. Diese zu
beschreiben, nähme Seiten ein. Am Showcase wurden einfach «Oscar»-Star
Masahiro Motoki («Departures») und ein Topmodel ins Mock-up
gesetzt,welche eine Weile schwärmten. Die Neuerungen: ausgeklügelte
Einzelkabinen in der First, versetzte Lie-flat-Sitze mit direktem
Aisle-Zugang, Stauplatz für Schuhe und Handtasche, grössere
Tische/Ablagen, 50 Prozent mehr Platz in der Business. Fixierte Schale
statt hintermannbedrängende Rücklehnen, Einzel-Monitore, vier
Wahl-Menüs, 86 Zentimeter Sitzabstand in der Economy.
Aus Europa waren nur sechs Medien an den Launch geladen. Für die
Schweiz exklusiv konnte TRAVEL INSIDE in Tokio die neuen Produkte
testen. So herausragend First und Business sein mögen,
Überraschungssieger ist die Premium Economy. Mit den Schalensitzen, der
2-4-2-Konfiguration, den automatisch einstellbaren Komfortlevels
erinnert sie an die Business vor zehn Jahren. Und das für einen
25-Prozent-Aufpreis zur Economy. Die 24 Sitze trumpfen mit dem grössten
Abstand der Klasse, 106 Zentimetern. Dasselbe lässt sich vom
12-Zoll-Monitor sagen. Clou sind Raumteiler zwischen den Sitzen für
mehr Privatsphäre. Neu gibts auch in der Premium lärmreduzierende
Kopfhörer.
Nun aber zu den echten Innovationen. Japanische Servicekultur:
Check-in, Sicherheits- und Passkontrolle an einem Ort für
First-Passagiere; 36 Menüs auf dem Flieger, jeden Monat wechselnd, von
Sterneköchen; Bordunterhaltung mit 160 Kanälen. Japanische Technik:
grosse Touch-Screen-Monitore in allen Klassen; alle Drink-, Food-,
Duty-Free-Bestellungen via Bildschirm möglich dieser errechnet auch
die Kalorien der bestellten Menüs; mit der Tastatur (auf Fernbedienung
oder eingeblendet) kann mit anderen Passagieren gechattet werden; iPod-
und USB-Anschluss, darüber können eigene Filme, Fotos, Dokumente
angesehen werden; Luxus-Schlafmaterial und natür- lich die
Bidet-Toiletten.
Die Wahl dieser Neuerungen überliess ANA den Kunden. 5000 aus Japan und
1000 aus dem Ausland sind befragt worden. Fluggäste wollen entspannt
ankommen, Neues erleben, super Service, grössere Tische, mehr Stauraum,
Ablageflächen seitlich, direkten Aisle-Zugang und all dies in möglichst
allen Klassen.
Bis hinunter in die Premium ist das ANA gelungen: schnelles Check-in,
neue Sitze, top Entertainment, zahlreiche Amenities, mehr Menüs
Hausaufgabe gelöst. Heres Ziel der Airline: Die Passagiere sollen
die B-777 gestärkt verlassen. Dazu werden alle Sinne bedient: mit
Aroma-Spender, Musikatmo, Energiepflaster. Mehr dazu beitragen dürfte
aber der Freiraum: Statt 247 gibt es nur noch 212 Sitze an die
Auslandsdestinationen in Asien, USA und Europa.
Ab 20. Februar 2010 wird komplett überholt abgehoben. Los gehts auf der
JFK-Route, bereits als Nächstes soll Frankfurt drankommen, offenbar der
zurzeit am besten laufende Europaflug.
Bernhard Sutter, Tokio
«Inspiration of Japan»
Die Erneuerung kommt in der Krise. «Gut so», sagt ANA-Vize Shinya
Katanozaka zu TRAVEL INSIDE in Tokio, «eine starke Waffe im Kampf um
die Gunst der Gäste. Wir sind bereit, wenn die Wirtschaft anzieht.»
Narita bietet neue Slots, da muss eine Airline sich abheben, um die
Flüge auszulasten. Selbstlos ist das 200-Millionen-Investment nicht,
ANA will es in drei Jahren amortisiert haben. Der Gewinn soll um fünf
Prozent steigen, weil die Passagiere merken, dass sie mit ANA
entspannter ans Ziel gelangen. Natürlich ist die neue
Kabinenausstattung deutlich leichter und spart zudem Sprit.
«Inspiration of Japan» soll helfen, die Stellung im Markt zu stärken.
Erklärtes Ziel: Nr. 1 in Asien zu werden. Eine Revolution sind die
Neuerungen nicht, innovativ und mit echtem Kundennutzen aber schon.
Ab der Schweiz empfiehlt sich ANA via Frankfurt neben Japan auch für
China. In 56 Jahren ist aus Nippon Helicopters (daher NH) eine der
grössten Airlines der Welt und ein Führungsmitglied der Star Alliance
geworden. ANA befördert 50 Millionen Passagiere an 49 Destinationen.
Täglich bedient werden London, Frankfurt, Paris und im Codeshare
Zürich. ANA legt höchsten Wert auf Sicherheit, hatte seit 35 Jahren
keinen fatalen Unfall.
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