Das U.S. Department of Justice (DOJ) hat letzte Woche eine Antitrust-Klage gegen US Airways und die AMR Corporation (die Muttergesellschaft von American Airlines) eingereicht. Die Klage zielt darauf, die geplante Fusion zwischen American und US Airways rechtlich zu verunmöglichen.
Kernpunkt ist die Aussage, dass auf 1044 Routen eine Machtkonzentration herrschen würde, welche mit dem Wettbewerbsrecht nicht zu vereinbaren ist. Die beiden fusionswilligen Airlines hatten stets argumentiert, dass ihre Netzwerke sich nur auf rund einem Dutzend Strecken überlappen. Das DOJ beruft sich in seiner Analyse auf den Herfindahl-Index, einer Kennzahl zur Konzentrationsmessung in einem Markt. Es scheint nicht so, dass das DOJ bloss Verhandlungs-vorteile oder Konzessionen erzwingen will: Die Fusion soll komplett blockiert werden.
Erst kürzlich hatte die EU grünes Licht für die Fusion gegeben. Einzige Bedingung waren Konzessionen auf der Strecke LondonPhiladelphia, wo AA/US eine dominante Position gehabt hätte. Doch musste sich die EU nicht mit USA-Flügen auseinandersetzen. Die meisten der 1044 genannten Routen sind City-Pairs innerhalb der USA.
Der designierte CEO der «neuen American», US-Airways-Chef Doug Parker, hat die Klage ein «Hindernis» genannt, aber ist zuversichtlich, dass die Fusion durchkommt sogar noch dieses Jahr, mit nur einigen Monaten Verspätung. AA/US wird eine ganze PR-Batterie in Gang setzen, um den Deal zu verteidigen. Der Ausstieg von AA aus dem Gläubigerschutzverfahren Chapter 11 ist daran gekoppelt; ein Scheitern würde AA zwingen, den ganzen Reorganisationsplan neu zu schreiben.
Es fragt sich, warum das DOJ die Fusionen von Delta/Northwest, United/Continental und Southwest/Airtran absegnete und nun plötzlich die Konsolidierung im US-Markt verurteilt. Das DOJ weist in der Klage auf öffentliche Aussagen der Manager von AA und US hin, welche nach der Fusion «gesündere Preise» erwarteten. Der wohl letzte «Mega-Merger» der US-Luftfahrt ist nicht Ursache von Preiserhöhungen, sondern die Konsequenz einer längst stattfindenden Entwicklung.
Hat der Konsument überhaupt ein verbrieftes Recht auf Tiefstpreise? Ist eine Preiserhöhung als Folge einer Konsolidierung in jedem Fall illegal? Sicher ist nur, dass das DOJ in seiner Argumentation der «Bereicherung» durch Airlines den Aspekt ausgelassen hat, dass von staatlicher Seite die Abgaben und Gebühren in den letzten Jahren zugenommen haben, die Preise aber lange tief geblieben sind.



