ANA erwartet den Dreamliner (Ausgabe 2008-12)

Der Boeing-787-Erstflug dürfte die erfolgreiche japanische Star-Alliance-Partnerin weiter beflügeln.

All Nippon Airways (ANA) ist Erstbestellerin des neuen Boeing-Flagships
B-787 Dreamliner. Damit kommt ihr ähnlich viel Aufmerksamkeit zu wie
Singapore Airlines mit dem A380. Der ultramoderne, formschöne
Dreamliner fasziniert Branche wie Publikum. Wann also findet der
kommerzielle Jungfernflug statt und wohin führt er?

Vor wenigen Wochen hat ANA am Hauptsitz im Tokioter
Shiodome-Wolkenkratzer TRAVEL INSIDE empfangen und ein Datum noch
dieses Jahr sowie erste Details verraten. Doch mittlerweile ist diese
Information gegroundet. Grund: Boeing kann sich nicht festlegen.

Erfolgt die Auslieferung gar erst 2009? So besagen es Gerüchte auf
Industry-Watchsites. Boeing hat bereits den ersten Liefertermin
verpasst, der es ANA ermöglicht hätte, den Dreamliner medienwirksam auf
Olympia hin auf der Rennstrecke Narita–Peking einzusetzen.

So unangenehm diese Verzögerung für die pünktliche Qualitäts-Airline
sein muss, weiter tragisch ist es nicht. ANA befindet sich auf einem
Höhenflug. Erst 20 Jahre fliegt sie international, schon ist sie laut
eigenen Angaben Nummer 7 weltweit, Nummer 3 der Star Alliance und 2010
wohl Nummer 1 Asiens. Das Passagieraufkommen steigt stetig. Eben hat
ANA das beste Jahresendgeschäft ihrer Geschichte gemacht. Dazu tragen
auch Schweizer Passagiere bei. Seit die Swiss in der Allianz ist,
benutzen sie ANA vermehrt für Inland- und Anschlussflüge sowie immer
öfter bereits für den Japanflug via Frankfurt, Paris und London.

Das Erfolgsrezept ist simpel: konsequente Ausrichtung auf die
Bedürfnisse der Kunden. Was immer sie wünschen, ANA tut alles Mögliche,
es zu erfüllen: Gepäck-Abholung zu Hause, schalter- und schlangenloses
Einchecken, ID- und papierloses Boarding, Ausstieg über mehr als ein
Fingerdock, Arrival Lounge. Neustes Beispiel: Die Umwandlung der «Super
Seat»-Economy in Premium Class per 1. April. Diese «Inland-Business»
wird mit noch mehr Platz und Service aufgewertet – kostet aber trotzdem
nur 70 Franken extra pro Weg und kann bis 5 Minuten vor Abflug
zugekauft werden.

CEO Yamamotos Credo lautet «Innovation und Globalisation». Und so geht
das Wachstum – von Europa fast unbemerkt – forsch weiter: Ab 1. April
wird Hongkong, ab Olympia Peking vom bequemen Stadtflughafen Haneda aus
angeboten. Das Modell war schon mit Seoul erfolgreich. Ausdruck der
Expansion ist die Bestellung  von über 50 neuen Flugzeugen und die
Umwandlung relativ junger Maschinen in Frachtflugzeuge – denn auch beim
Cargo gehts aufwärts. Präzisiert werden muss, dass Yamamoto auch dank
Sparprogramm und viel Cash durch den Verkauf der ANA-Hotels die Flotte
hochrüsten kann.

Mit dem Dreamliner wird bewusst eine andere Strategie geflogen als bei
der A380-Konkurrenz: ein Kerosin sparendes, sehr flexibles Gerät, das
switchen kann zwischen Mittel- und Langstrecke, zwischen
Entlastungsflug auf Hochfrequenzstrecke oder Linienflug nach kleinerer
Destination. Spannend wirds im Sommer 2009, wenn der Dreamliner
Konkurrenz erhält: Air France peilt Narita mit dem A380 an.

In der Schweiz ist All Nippon in Genf und Kloten vertreten. Im Sales
agiert dort neu Susanne Haas. Der Carrier hat 12000 Angestellte und
befördert mit 200 Maschinen 50 Millionen Pax pro Jahr an 50
Destinationen. ANA legt höchsten Wert auf Sicherheit, hatte seit 35
Jahren keinen fatalen Unfall. Das Nonplusultra: Für Japan gibt es ein
«Generalabo» in Premium, fliegen wann und so oft man will.

Bleibt die Frage des Dreamliners. Nach der Auslieferung durch Boeing
dauert es einen Monat (Checks) bis zu den Übungsflügen in Japan und
nach China. Nach dem ETOP-Rating erfolgt dann der Erstflug in den
blauweissen ANA-Farben – mit 16000 Kilometer Reichweite und
Rekord-Geschwindigkeit (Mach 0.85) liegt Europa locker drin.