Angespannte Situation in Israel (Ausgabe 2012-47)

Abrupter Stopp auf dem Weg nach oben?

Die Auseinandersetzungen im Gazastreifen und Umgebung sind in der vergangenen Woche wieder aufgeflammt und zahlreiche Schlagzeilen zu kriegerischen Auseinandersetzungen kursieren in den Medien. Dass das Land in einer Krise steckt, ist auch aus den Kreisen der Israel-Veranstalter zu hören, dennoch geht man vielerorts von einer baldigen Beruhigung der Situation aus. 

In Israel selbst, so ist aus verschiedenen Quellen zu vernehmen, sei von der momentan angespannten Situation nicht viel zu spüren. Dennoch stellen die Veranstalter bei den Kunden eine Verunsicherung fest und werden vermehrt mit Fragen zur Einschätzung der Lage konfrontiert. Von einer wirklichen Stornierungswelle spricht allerdings niemand, auch wenn es hier und da vereinzelte Annullationen gegeben haben soll. Obwohl das EDA nicht von Reisen nach Israel abrät (Stand Dienstagnachmittag), halten sich die Veranstalter mit Empfehlungen zurück, denn erfahrungsgemäss kann sich die Situation in der Region sehr schnell ändern. Die Spezialisten raten den Kunden momentan eher an, eine Reise allenfalls zu verschieben – vorerst um ein paar Tage. Denn wie Moshe Weiss, General Manager von Moischele Reisen, sagt, «ist ein Sirenenalarm in Tel Aviv nichts, was ein Tourist wirklich braucht». 

Zwar bereiten die Ausschreitungen den Veranstaltern und Reisebüros zusätzliche Arbeit, doch wenigstens ist die Hochsaison für Israel vorüber. Diese dauert bis Mitte November und startet im Februar/März wieder. Das Gros der Kunden dürfte sich darum bereits wieder zu Hause befinden. Zudem ist das Geschäft mit den Pilgerreisen in der Schweiz relativ klein, das heisst die Nachfrage für Reisen über die Weihnachtstage ist hierzulande gering.

Der Incoming-Tourismus erfreute sich in Israel immer grösserer Beliebtheit. Laut Medienberichten kamen in den ersten neun Monaten rund 2,6 Mio. Reisende ins Land – so viele wie noch nie zuvor und 7% mehr als im Vorjahreszeitraum. Auch aus der Schweiz wurde für die ersten neun Monate eine Zunahme der Einreisen um 9% verzeichnet. Vor allem bei den Kreuzfahrtpassagieren konnte das Land stark zulegen. Entscheidend für die künftige Entwicklung des touristischen Geschäfts werden die nächsten Tage sein. Sollte sich die Lage bald beruhigen, könnte ein grösserer Einbruch abgewendet werden. Falls die angespannte Lage aber länger andauern oder sich eventuell sogar noch verschlechtern sollte, könnte dies für das Reiseland Israel schwerwiegendere Auswirkungen haben und der Weg des touristischen Wachstums ein abruptes Ende finden.