Austrian Airlines befindet sich in einer turbulenten Phase. Die finanziell angeschlagene Airline flog 2011 einen operativen Verlust von EUR 62 Mio. ein. Damit verbesserte sie ihr Ergebnis zwar um 6,1%, ausserdem stiegen die Passagierzahlen um 3,4% auf 11,2 Millionen. Das Ziel einer schwarzen Null verfehlte Austrian Airlines aber deutlich.
Ausserdem führt AUA diverse lokale Kriege. Mit Konkurrent Niki stritt sie um die Zuteilung von Landerechten für Flüge zwischen Wien und Tel Aviv, hat die Klage inzwischen aber zurückgezogen. Und in Altenrhein kämpft sie bekannterweise gegen die Peoples Viennaline um Marktanteile auf der Strecke nach Wien. «Wir würden gerne einen vierten Flug durchführen. Aber der Flughafen Altenrhein lässt uns nicht, obwohl das auch für ihn zusätzliche Einnahmen wären», erklärt José Pereira, Country Manager Schweiz & Liechtenstein, und spricht von einer «weltweit einzigartigen Situation». AUA hat auf dieser Strecke übrigens einen Ladefaktor von 50%.
Das grösste Problem ist aber nicht Altenrhein, sondern der Heimathafen Wien selbst. Dort findet die Airline gemäss eigenen Angaben «immer schwieriger werdende Rahmenbedingungen» vor, sprich zu hohe Standortkosten. Gegen all diese Probleme wurde ein Arbeitsprogramm ins Leben gerufen, das letzte Woche von Lufthansa genehmigt und mit einem Kapitalzuschuss von EUR 140 Mio. bedacht wurde.
Ein zentraler Punkt sind dabei Verhandlungen mit den Standortpartnern in Wien. Weiter will AUA die Mittelstreckenflotte harmonisieren, sprich die Boeing 737 loswerden und komplett auf Airbus setzen. Nicht einig wurde man sich in den Verhandlungen mit dem Betriebsrat Bord deshalb wird nun ein Betriebsübergang zur Tochter Tyrolean vorbereitet, die ein «zukunfts- und wettbewerbsfähigeres» Kostenniveau hat.
Im Arbeitsprogramm sind aber auch kräftige Investitionen enthalten: EUR 200 Mio. sind für Flugzeuge und den Kabinenumbau der Langstrecke eingeplant. Schon im letzten Jahr erhielten die Mittelstreckenmaschinen eine neue Einrichtung. «Davon profitieren auch die Schweizer Passagiere, z.B. mit bis zu zehn Zentimetern mehr Beinfreiheit», sagt Pereira. Zu mehr Komfort werde zudem das neue Terminal Skylink in Wien beitragen, das AUA im Sommer 2012 beziehen wird.
Pereiras Core Team, das seit knapp zwei Jahren für die Schweiz zuständig ist, wird voraussichtlich keine Änderungen erfahren: «Wir sind in der Schweiz sehr schlank und dynamisch aufgestellt und können die Expertise des Homecarriers Swiss nützen.»
Stefan Jäggi



