Aus der Flotte, aus dem Sinn (Ausgabe 2007-32)

Norman C. Bandi zum neuen Airline-Trend ACMI

Fast alle machen es. Swiss seit dem Start. Hello praktisch auch. Helvetic Airways baut es aus. Und Edelweiss Air zieht nun auch nach. Die Rede ist vom ACMI. Diese Abkürzung steht für Aircraft, Crew, Maintenance und Insurance. Doch was steckt dahinter, bzw. bringt es das?

Wetlease nennt es der Volksmund. Der Begriff stammt aus der kommerziellen Luftfahrt. Im Falle des ACMI bezeichnet er das Pachten – Neudeutsch Leasing – eines Flugzeuges inklusive Besatzung (Cockpit und Kabine), Wartung sowie Versicherung von einer anderen Gesellschaft. Die Maschine fliegt unter der Nummer des Mieters, der auch das operationelle Risiko trägt. Bei langfristigen Verträgen wird sogar die Bemalung angepasst. Als Alternative gibt es das Drylease, die Pacht des Gerätes ohne Personal.

Helvetic Airways nutzt das Instrument Wetlease vor allem, um die Finanzen in den Griff zu bekommen. Im Winter 2007/08 will die Schweizer Gesellschaft erstmals drei ihrer vier Fokker 100 an Swiss auslagern. Lieber drei Viertel der Flotte mit garantierten Einnahmen vermieten, als mit schlecht ausgelasteten Maschinen weiter Geld verlieren.

Bangkok Airways hilft mit ihrem ACMI doppelt: Einerseits sich selber, weil die private Airline in Thailand zuwenig Flugzeuge hat. Andererseits hilft sie zwei Schweizern aus der Patsche, da sie im Winter 2007/08 mindestens eine Maschine überzählig haben. Es ist also eine elegante Variante, um einen Überbestand auf Zeit zu korrigieren. Nach dem Motto: Aus den Augen, aus dem Sinn. Das Problem der allenfalls zu grossen Flotte ist damit aber nicht bereinigt. Doch so einfach lassen sich Flieger nicht verkaufen, zumal sie von den Betreibern oftmals auch nur geleast sind. Während es für Hello – Beispiel Iceland Express – fester Teil des Geschäftsmodells ist, stellt es für Edelweiss Air wohl nur eine Übergangslösung dar.

Schweizer Meister ist Swiss: Der National Carrier braucht für seinen Flugplan nämlich mehr Maschinen als er sein Eigen nennt, obwohl neues Gerät dazugekommen ist. Neben den zwei Flugzeugen von Helvetic Airways für Manchester und Budapest greift Swiss derzeit noch auf folgende Partner im ACMI mit jeweils ein bis zwei Maschinen ex Zürich zurück: Cirrus für Prag, Darwin für Lugano, Flightline für Birmingham, Spanair für Madrid sowie Nizza und Privatair für New York (Newark) sowie Riad.