Es war ein bewegtes Jahr für Austrian Airlines (AUA). Nach dem operativen Verlust von EUR 62 Mio. im 2011 wurde das Sanierungsprogramm nochmals verschärft und endete schliesslich mit einem Übergang des Flugbetriebs zur Tochter Tyrolean. Dies lief nicht ohne Nebengeräusche ab: Die Verhandlungen mit den Betriebsräten waren harzig, und der Betriebsübergang schien mehr als einmal abgewendet.
Schliesslich kam er doch: Am 1. Juli wurde der gesamte Flugbetrieb der Austrian Airlines Group mit der gesamten Flotte von rund 80 Maschinen in Tyrolean Airways gebündelt. Austrian Airlines verlor dabei über zehn Prozent ihres Flugpersonals, die von der «privilegierten Selbstkündigung» Gebrauch machten. Einige wenige Flüge mussten deshalb wegen «Crewmangel» abgesagt oder von anderen Airlines durchgeführt werden. Auch der Schweiz-Verkehr war betroffen: Gemäss Country Manager José Pereira mussten damals im Juli zwei der vier täglichen Flüge ZürichWien von Contact Air durchgeführt werden.
Inzwischen befindet sich Austrian Airlines wieder in etwas ruhigerem Fahrwasser. «Der Betriebsübergang hat für uns keine Änderungen gebracht, ausser dass nun alle Flüge von Tyro-lean Airways durchgeführt werden. Die Flugnummern und der Service an Bord bleiben unverändert», so Pereira.
Auch finanziell sieht es wieder besser aus: Die Sommermonate verliefen erfolgreich, und nach neun Monaten des laufenden Jahres konnte AUA einen operativen Gewinn von EUR 5,9 Mio. vorweisen.
Dies bedeutet natürlich noch nicht das Ende der Sparbemühungen vor allem auch, da AUA wie alle Airlines der Lufthansa Group dem Sparpro-gramm «Score» angehört. In diesem Rahmen wird von der Airline erwartet, das Ergebnis um EUR 260 Mio. pro Jahr zu steigern. Wie das österreichische «Wirtschaftsblatt» letzte Woche geschrieben hat, sollen nun die Doppelspurigkeiten zwischen AUA und Tyrolean beseitigt werden, womit die Airline EUR 15 Mio. sparen kann. Durch die Zusammenlegung von Verwaltung und Technik muss gemäss AUA-Chef Jaan Albrecht eine zwei- bis dreistellige Anzahl Stellen abgebaut werden.
Eine weitere Massnahme von Score ist, die Flüge im Nachbarschaftsverkehr (also zwischen Deutschland, der Schweiz, Österreich und Belgien) besser aufeinander abzustimmen. Auf die Tätigkeiten von AUA in der Schweiz sollte dies keine Auswirkungen haben. «Der Flugplan zwischen Österreich und der Schweiz ist bereits gut abgestimmt, daher sind keine Änderungen geplant», sagt Pereira.
Trotz intensiver Sparmassnahmen investiert AUA aber auch in ihr Produkt. Bis zum Frühjahr 2013 erhält die gesamte Langstrecken-Flotte neue, moderne Economy-Sitze, ein neues Bord-Entertainment-System und neue Sitze in der Business Class, die sich zu völlig flachen Betten umwandeln lassen und über eine Massagefunktion verfügen. Kostenpunkt: EUR 90 Mio.
Bereits seit dem Sommer ist zudem das Austrian Star Alliance Terminal eröffnet, das eine Mindestumsteigezeit von nur 25 Minuten verspricht. Darin hat AUA gleich sechs neue Lounges eröffnet, je zwei Lounges im Schengen- und Non-Schengen-Bereich für Business-, Senator- und Hon-Circle-Passagiere. Als zusätzliche Neuerung nennt Pereira das Redcab-Angebot, einen Shuttle-Service von Wien und Umgebung zum Flughafen oder umgekehrt.
83-mal pro Woche in die Schweiz
Austrian Airlines bedient die Schweiz 83-mal pro Woche: 27 nach Zürich (3- bis 4-mal täglich), 26 nach Genf (3- bis 4-mal täglich), 12 nach Basel (1- bis 2-mal täglich) und 18 nach Altenrhein (1- bis 3-mal täglich). Laut Country Manager José Pereira wird sich am Flugplan auch im Sommer 2013 nichts ändern. In Altenrhein, wo Austrian in harter Konkurrenz gegen die flughafeneigene Airline Peoples Viennaline steht, zeige die Auslastung seit letztem Sommer ein steigendes Niveau. Generell ist er zufrieden mit den Schweizer Strecken, die allesamt steigende Passagierzahlen aufweisen. Immer öfter wird Wien von den Schweizern auch als Umsteigeflughafen wahrgenommen: «Wir sehen ein überproportionales Wachstum im Transferverkehr. Es gibt bereits einen leicht höheren Anteil an Transferpassagieren als an Point-to-Point-Gästen», erklärt Pereira.
SJ



