Keine Frage: Die Swiss agiert derzeit aus einer Position der Stärke. Die Zahlen stimmen und die Voraussetzungen für eine positive Entwicklung sind gut. Der Homecarrier wäre gut beraten, aufgrund einer durchaus gerechtfertigten Selbstsicherheit den Bogen nicht zu überspannen.
Doch die neuste Ankündigung betreffend Einhaltung des Gruppenprozesses und die Androhung, Buchungen von Einzelpersonen, welche als Gruppe hätten angefragt werden sollen, zu annullieren, haben das Fass bereits zum Überlaufen gebracht. Bei den SRV-Exponenten, die das Thema letzte Woche anlässlich eines Gedankenaustausches mit Swiss-Vertretern diskutiert hatten, liegen die Nerven blank. Pures Unverständnis, Enttäuschung und Wut herrschen vor. Nur wenige Wochen nach der missratenen Kommunikation über ADM-Belastungen bei No-Show-Buchungen ist die Branche nicht mehr bereit, jede Aktion der Swiss einfach so hinzunehmen. Der Offene Brief von SRV-Präsident Hans-Jörg Leuzinger unterstreicht dies (Seite 7). Selten hat ein SRV-Präsident sein Missfallen und seinen Widerstand mit so deutlichen Worten ausgedrückt.
Die Swiss spricht von Qualität, Zuverlässigkeit und Planung, die speziell bei Gruppenbuchungen zum Tragen kämen. Es gehe darum, bestehende Richtlinien einzuhalten, was von den meisten Agenten auch befolgt werde. Liest man zwischen den Zeilen, wird man den Verdacht nicht los, dass die Swiss ein Problem mit der Yield-Kontrolle haben könnte. Sowohl No-Shows wie aufgesplittete Gruppenbuchungen wirken sich auf die Steuerung der Flüge aus. Überbuchungen und somit Entschädigungszahlungen sind die Folge. Dieses Problem ist jedoch hausgemacht und muss von aussen betrachtet technisch lösbar sein. Auf keinen Fall sollte es auf die Partner in der Reisebranche abgewälzt werden.
Rechtlich dürfte sich die Swiss auf dünnem Eis bewegen. Den Betroffenen ist keine IATA-Regelung bekannt, die es verbieten würde, zehn und mehr Personen statt als Gruppe halt aufgesplittet und damit individuell zu buchen. Die Agenten schöpfen nur die Möglichkeiten aus, welche die verschiedenen Systeme ihnen bieten.
Das Verhältnis zwischen SRV und Swiss hat sich innert kürzester Zeit massiv abgekühlt. Um eine neue Eiszeit zu verhindern, müssen sich die beiden Parteien möglichst rasch wieder an einen Tisch setzen. Und zwar viel schneller als wie vorgesehen erst im Dezember.



