Bigxtra wächst in der Schweiz mit «frischer Aktionsware» (Ausgabe 2011-12)

Der deutsche Direktreise-veranstalter operiert als Zulieferer für bekannte Marken – auch in der Schweiz.

Vor einem Monat haben die SBB ihre Produktpalette mit «SBB Ferien» erweitert, einer Linie von monatlich wechselnden Pauschalreiseangeboten. Auf den Produkten steht überall SBB drauf; hinter den Reisen steht aber der deutsche Direktreiseanbieter Bigxtra. «Wir halten uns zurück und haben kein Bestreben, prominent im Vordergrund aufzutreten», sagt Joachim Quadt, Mitglied der Geschäftsführung von Bigxtra. Zur neuen Zusammenarbeit will er ohne Absprache mit den SBB denn auch nicht ins Detail gehen. «Wir sind sehr angetan davon, dass der neue Vertriebspartner SBB uns sein Vertrauen geschenkt hat, und hoffen, dass wir uns damit in der Schweiz noch besser etablieren können», sagt Quadt dazu.

Das Schwesterunternehmen der FTI Group wurde vor zehn Jahren in Deutschland gegründet und hat sich laut Quadt als Zulieferer für starke Marken spezialisiert. In der Schweiz ist Bigxtra bisher vor allem als Zulieferer für Tchibo Reisen und Lidl Reisen bekannt. «In der Schweiz sind wir klein, aber fein. Zudem bauen wir Jahr für Jahr aus», sagt Quadt. Seit 2005 ist das Tochterunternehmen Bigxtra Schweiz von Basel aus aktiv.

Verda Birinci-Reed, Direktorin von FTI Schweiz, koordiniert für Bigxtra den Schweizer Markt. In Basel werden zwar keine Reisen produziert, es wird aber ein Callcenter betrieben. «Wir können so auf die Schweizer Ansprüche sehr gezielt eingehen und sind zudem frankofon. Die ‹Swissness› der Produkte ist auf jeden Fall gegeben», so Birinci-Reed. Auf Lokalkolorit werde nach wie vor Wert gelegt; die Vorbehalte der Schweizer gegenüber einem deutschen Veranstalter seien aber nicht mehr so gross wie auch schon. «Wichtig ist den Leuten heute primär, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt», erklärt Birinci-Reed.

Die Zusammenarbeit zwischen Bigxtra und den Vertriebspartnern basiert auf beidseitigen Inputs: Der Partner bringt Wünsche mit, der Veranstalter kreiert aber auch von sich aus Angebote. Da Bigxtra auch mit Tourismus-unerfahrenen Partnern zusammenarbeitet, übernimmt der Veranstalter oft eine Beratungsfunktion. «Wir bringen das Know-how mit, während der Partner die Wünsche seiner Kunden genau kennt», beschreibt Birinci-Reed die Vorteile dieses Systems. Das Programm wird gemeinsam erarbeitet – danach übernimmt Bigxtra, sofern dies gewünscht wird, Konzept, Gestaltung und Realisation, sprich auch die Bearbeitung aller Anfragen und Buchungen.

Nach der Unternehmensphilosophie gefragt, antwortet Joachim Quadt: «In erster Linie wollen wir einen Mehrwert schaffen, seien es zwei Wochen zum Preis von einer, ein kostenloses Zimmer-Upgrade im Hotel, inkludierte Ausflüge oder eine Flasche Wein auf dem Zimmer.» Dabei weise man keine Tiefe von 30 bis 40 Hotels pro Destination auf, wie dies stationäre Tour Operators tun. Vielmehr suche und finde Bigxtra Leistungsträger wie beispielsweise Hotels, die in bestimmten Monaten eine schlechte Auslastung haben. «Daraus produzieren wir wöchentlich frische Aktionswaren mit einem attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis», erklärt Quadt. Die Angebote sind deshalb nicht in klassischen Ganz- oder Halbjahreskatalogen zu finden, sondern werden immer wieder in Broschüren oder online  aktualisiert. Gerade im Einkaufsbereich und im Destination Management kann der Veranstalter dabei von Synergien innerhalb der FTI Group profitieren.

Das Angebot besteht aus einer breiten Palette von Kreuzfahrten, Kurz- und Langstreckenarrangements und Eigenanreise in insgesamt 60 Ländern. Im Mittelmeerraum hat sich Bigxtra auf Kalabrien spezialisiert, wo man zusammen mit FTI eigene Ketten auflegt, sowie auf die Türkei und Ägypten. Auf der Langstrecke verkauften sich gemäss Quadt in den letzten Jahren vor allem die Arabischen Emirate gut, die dementsprechend auch forciert wurden. Ebenfalls spürbar ist bei Bigxtra der allgemein vorherrschende Kreuzfahrten-Trend. Quadt legt Wert auf die Feststellung, dass Bigxtra nicht als Billigveranstalter in den Schweizer Markt einbrechen wolle. «Dies zeigt sich schon an unserem Produkteportfolio, das beispielsweise auch Vier- und Fünfsternhotels in Thailand und der Türkei aufweist.»

Stefan Jäggi

 Ein Vertriebssystem auf vier Säulen

In Deutschland ist Bigxtra breiter aufgestellt als in der Schweiz und verfolgt ein Vertriebssystem mit vier Säulen. Noch wichtiger als die Zulieferung an bekannte Marken ist der konzerneigene Reiseshopping-Fernsehsender Sonnenklar TV mit 550000 Zuschauern pro Tag. Als weitere Kanäle dienen der Reisebürovertrieb mit 6000 Agenturen im deutschsprachigen Raum sowie der Online-Direktvertrieb. In der Zentrale in München sind 160 Mitarbeiter in Produktion und Vertrieb beschäftigt, und Sonnenklar TV wird inhouse produziert und gesendet. Im vergangenen Jahr erzielte das Unternehmen einen Umsatz von EUR 223 Mio. (EUR 250 Mio. im Jahr 2009) und zählte 550000 Gäste (644000 Pax im Jahr 2009), womit Bigxtra zu den grössten deutschsprachigen Direktreiseveranstaltern zählt.

SJ