Boeing 787 «Dreamliner»: die neue Zukunft des Fliegens (Ausgabe 2012-05)

ANA hat auf der Strecke Frankfurt–Tokio das ultramoderne Flugzeug präsentiert.

Am vorletzten Freitag hat die japanische All Nippon Airways (ANA) erstmals im Interkontinentalverkehr und als «Launch Carrier» die brandneue Boeing B-787-8 «Dreamliner» eingesetzt. 

Wie Shuichi Fujimura (Senior VP & GM Europe, Middle East & Africa) vor dem Eröffnungsflug in Frankfurt erklärte, machen diverse Qualitätsaspekte den Dreamliner so zukunftsträchtig: Zum einen braucht er 20% weniger Treibstoff als vergleichbare Flugzeuge seiner Grösse und auch der Schadstoffausstoss fällt mit 20% weniger CO2 und 15% weniger NOx deutlich geringer aus. Das Rumpfwerk aus Karbon macht das Flugzeug nicht nur leichter, sondern reduziert auch Maintenance-Kosten, da Rost und Korrosion langsamer einsetzen.

Das mittelgrosse Flugzeug hat eine Reichweite von zwölf Flugstunden, kann also die Strecke Frankfurt–Tokio locker bewältigen. Frankfurt wird neu also zwei Mal bedient: Ein Flug kommt morgens um 05.25 Uhr an und fliegt um 11.15 Uhr weiter. Das bietet gute Zubringerverbindungen aus Europa am Morgen, und mit der Landung am nächsten Tag um 06.45 Uhr in Tokio-Haneda sind weitere Ziele in Japan gut erreichbar. Beim anderen Flug ist es genau umgekehrt, da um 12.20 Uhr ab Tokio-Narita geflogen wird, mit Ankunft in Frankfurt um 16.35 Uhr; der Rückflug erfolgt um 20.45 Uhr, womit man nachmittags in Tokio ankommt.

ZU den Flughäfen: Haneda liegt nahe am Zentrum Tokios, welches mit der U-Bahn direkt ab dem Flughafen erreicht werden kann. Dessen internationales Terminal wurde erst im vorletzten Jahr eröffnet; mit dem neuen Flug wird erstmals ab Europa im Herzen Tokios gelandet. Der bisherige Hauptflughafen für den Interkontinentalverkehr, Narita, liegt in der Präfektur Chiba, rund eine Autostunde (wenn der Verkehr günstig ist) ausserhalb Tokios, wobei es auch hier gute Zugverbindungen in die Innenstadt gibt.

Diese Flexibilität soll vor allem Business-Kundschaft anlocken. So ist der Dreamliner mit 158 Sitzen ausgestattet, wovon 46 in Business (alternierende 1-2-1- und 1-1-1-Bestuhlung) und 112 in Economy (2-4-2). Hier sei angemerkt, dass ANA seit November bereits mehrere B-787 im japanischen Inlandverkehr einsetzt: In der Domestic-Version hat der Dreamliner 264 Sitze (zwölf in Premium als 2-2-2, 252 in Economy als 2-4-2).

Bis Ende 2012 wird ANA laut Fujimura 20 Dreamliner in Betrieb haben, bis 2017 sollen es 55 sein. Wobei Boeing weiterhin Lieferschwierigkeiten hat – nicht nur sollte der Dreamliner bereits seit zwei Jahren im Einsatz stehen, vorerst kann ANA die Strecke Frankfurt–Tokio nicht durchgängig mit dem Dreamliner fliegen. Zumindest bis Ende Februar wird die Strecke alternierend mit einer Boeing 777-200ER geflogen.

Voll auf Business-Kundschaft zielen die nächsten Dreamliner-Langstreckendestinationen von ANA ab Tokio: In Seattle sind unter anderem die Boeing-Werke, welche den zweitgrössten Geschäftsreise-Etat der Welt vergeben, und San Jose (USA) liegt im Herzen des Silicon Valleys, wo es viele technologieverrückte Japaner geschäftlich hinzieht.

Ein einzigartiges Flugerlebnis

Der Dreamliner ist schmaler und kürzer als die B-777, auf deren Rumpf er aufbaut, aber dennoch deutlich breiter als etwa eine B-767. Die Kabine wirkt geräumig und das sanftblaue, energiesparende LED-Licht verströmt eine angenehme Atmosphäre. Die 28cm breiten und 47cm hohen Fenster, rund 1/3 grösser als jene der B-767, durchfluten die Kabine mit Licht und können auf Knopfdruck gedimmt werden. Der «elektronische Vorhang» ersetzt die Blenden, je nach Wunsch kann das Fenster halbtransparent oder dunkel gemacht werden.

Für die Nacht gibt es eine Daunendecke und auf Wunsch einen Pyjama oder einen Cardigan. Auf ein «Amenity Bag» wird verzichtet, dafür gibt es Einweg-Zahnbürsten und -Cremes auf dem WC. Dieses hat ein grosses Fenster, einen Ganzkörperspiegel und ist wie alle Toiletten in Japan mit einem «Washlet» ausgestattet, der Warmwasser-Reinigung für untenrum.

Beeindruckend ist die Motorenleistung: Der Start erfolgt sehr leise und ohne Ruckbewegungen; auch während des Flugs ist kaum etwas zu hören. 

Gross: die Handgepäckablage und der Bildschirm in Business bzw. der individuelle Sitzmonitor in Economy. Einzigartig: die hohe Luftfeuchtigkeit dank vier Luftabzügen und einem Klimatisationssystem, was typische «Langstreckenflug-Austrocknung» der Haut oder von Linsen verhindert. Zudem ist der Kabinendruck tiefer als in anderen Flugzeugen, was die Müdigkeit lindert. 

Der grösste Trumpf von ANA hat aber nichts mit dem Dreamliner zu tun: Es ist der perfekte Service.

Jean-Claude Raemy, Tokio