Die Strukturreformen von SRV und regionalen Reisebüro-Vereinigungen kommen gut voran. Alle Beteiligten ziehen am gleichen Strick. Möglich ist das nur, weil nicht der SRV diktiert, was zu geschehen hat, sondern der Anstoss von den Regionen aus gekommen ist. Es zeigt sich, dass dieser Bottom-up-Ansatz Gewähr für eine breite Abstützung bietet. Alle regionalen Vereinigungen sprachen sich in Konsultativabstimmungen erstaunlich klar für die Reformen aus. Es ist deshalb auch nicht weiter erstaunlich, dass sich die Regionalpräsidenten und der SRV in den noch offenen Punkten geeinigt haben. Mit der geplanten Ausbildungs-Finanzierung scheint innerhalb kurzer Zeit eine Lösung gefunden worden zu sein, die auch an der SRV-GV in Kairo eine Mehrheit finden sollte.
Die Herausforderungen im Bereich Ausbildung werden in den nächsten Jahren nicht kleiner. Auf der einen Seite muss nach dem Scheitern der Detailhandels-Ausbildung (DHF) eine Alternative zur Neuen Kaufmännischen Grundbildung (NKG) gefunden werden. Ein schwieriges Unterfangen, das aber von vielen Vertretern der Reisebranche klar gefordert wird. Wichtig ist auch eine vernünftige Bildung von Klassengrössen bei der NKG, damit verbunden möglichst tiefe Kosten für die Lehrlingsausbildung. Dies alles kann nun besser gemeistert werden als in den bisher bestehenden, steifen und föderalistischen Strukturen.
Es gibt aber auch Verlierer. Reisebüros, welche Lehrlinge ausbilden und bisher lediglich in den regionalen Vereinigungen Mitglied waren, werden in Zukunft massiv tiefer ins Portemonnaie greifen müssen, sollten sie sich nicht dazu entschliessen, dem SRV beizutreten. Dies gilt insbesondere auch für die STAR-Mitglieder. SRV und STAR signalisieren allerdings Bereitschaft, Gespräche für die Lösung dieses Problems aufzunehmen. Eine Annäherung der beiden Verbände ist denkbar. Die grössten Differenzen zwischen STAR und SRV stammen aus längst vergangenen Zeiten und sind heute nicht mehr immer erklärbar. Es ist Zeit für ein vernünftiges Nebeneinander von SRV und STAR.
Zu den Verlierern könnte auch eine der beiden bisher für die Lehrlingsausbildung verantwortlichen Schulen (IST Zürich oder Pro Target Aarau) gehören. Wenn schon vereinheitlicht wird, ist das Ziel, in der Deutschschweiz nur noch mit einer Schule zusammenzuarbeiten, nicht undenkbar. Weil die IST bisher den grösseren Teil abdeckt, könnte es für die Pro Target eng werden.



