Brain- statt Body-Scanner wären wichtiger (Ausgabe 2010-04)

Hansjörg Bürgi, Chefredaktor des Luftfahrtmagazins SkyNews.ch
[shariff]

Am Weihnachtstag gelang es einem Al-Kaida-Terroristen, mit Sprengstoff am Körper in Amsterdam
einen Delta-Northwest-Flug nach Detroit zu besteigen. Zum Glück
scheiterte sein Attentatsversuch und alle 289 Menschen an Bord landeten
wohlbehalten. Dass trotz der umfangreichen europäischen und
amerikanischen Sicherheitsmassnahmen ein mit Bargeld zahlender,
ausgeschriebener Terrorist, ohne Gepäck, aber mit Sprengstoff am Leib,
in ein Flugzeug steigen kann, gibt zu denken.

Insbesondere jene Politiker und Sicherheitsfanatiker, die uns seit
Jahren glaubhaft machen wollen, dass ein Flugzeug mit einer Flasche
Wasser in die Luft gesprengt werden kann, haben nichts mehr zu melden.
Ihr System hat schlicht und einfach versagt. Doch was ist die Reaktion?

Neue, noch bessere Ganzkörper-Scanner werden gefordert und bereits
eingesetzt. Die Check-in- und Boarding-Zeiten werden noch länger,
Flugreisen werden noch mühsamer und alle Passagiere werden weiterhin
wie potenzielle Terroristen behandelt.

Umdenken ist angesagt: Die Geheimdienste haben endlich ihre Arbeit zu
erledigen, um Terrorverdächtige weltweit zu ermitteln. Und dann ist ein
weltweiter Informationsaustausch unter den entsprechenden Stellen
dringend vonnöten, wie das Beispiel des nigerianischen Terroristen im
Fall des Detroit-Fluges gezeigt hat. Er wurde ja gar von seinem Vater
angezeigt, nur wussten das die verantwortlichen Stellen in Amsterdam
oder den USA nicht – schlicht eine Schlamperei.

Passagiere sollten in zwei Kategorien eingeteilt werden: Verdächtige
und Unverdächtige. Allen Unverdächtigen – das sind wohl 99,9 Prozent –
ist nach einer normalen, anständigen und speditiven
Sicherheitskontrolle das Boarding erlaubt. Den anderen nicht. Neue
Ansätze in der Terrorbekämpfung sind gefragt. Solche, die das Gehirn
und nicht nur den Körper von Verdächtigen durchleuchten.