Brasilien 2014: Ein lukratives, aber schwieriges Geschäft (Ausgabe 2013-38)

Veranstalter kommen nur schwer an WM-Tickets.

Die Schweizer Fussballnati steht mittlerweile mit eineinhalb Beinen an der WM in Brasilien. «Wir verzeichnen bereits eine riesige Nachfrage von Privatpersonen, Firmen und Reisebüros», sagt Stefan Faltin vom Sportreiseanbieter Faltin Travel, «und wenn die Qualifikation weiterhin so erfolgreich für die Schweiz verläuft, wird bald der zweite Schub kommen.»

Für die Veranstalter ist die Angelegenheit aber alles andere als einfach. «Stand heute wird kein Veranstalter Ticketkontingente von der FIFA erhalten. Und wir können uns auch nicht darauf verlassen, dass wir allenfalls via Schweizerischen Fussballverband (SFV) noch zu kleinen Kontingenten kommen werden», so Faltin. Auf seiner Homepage bewirbt er deshalb nur Arrangements nach Brasilien, nicht aber die Tickets. «Wir werden von unseren Quellen sicher Tickets beziehen können, aber damit darf ich nicht werben und ich darf es auch nicht versprechen», so Faltin. Wer auf Nummer sicher gehen will, dem empfiehlt er, sich um garantierte VIP-Tickets zu bemühen. Wo es diese gibt, will er nicht verraten. Bekannt ist aber, dass die FIFA ein «Hospitality Program» hat und unter der Marke «Match» VIP-Packages anbietet – zu gesalzenen Preisen.

Doch die Probleme hören nicht bei den Tickets auf. Inlandflüge würden gemäss Faltin statt EUR 100 plötzlich EUR 800 kosten. Und Hotels würden völlig überrissene Preise und Minimum-aufenthalte von bis zu 30 Nächten fordern: «Es ist davon auszugehen, dass diese Blase platzen wird, wie es bei Olympia in London der Fall war. Aber auch hier können wir uns nicht darauf verlassen.» 

Laut Barbara Gähwiler, Geschäftsführerin von Brasa Reisen, habe sich die Lage bereits wieder entspannt und auch kürzere Aufenthalte seien möglich. Weiterhin hoch seien jedoch die Hotelpreise – vor allem in den Luxushäusern der Grossstädte. «Es gibt aber immer Alternativen», so Gähwiler.

Richard Wey von Destination Travel wartet noch etwas zu. «Sobald die Qualifikation definitiv feststeht, legen wir los!» Er ist sich bewusst, dass Konkurrent Travelclub als offizieller SFV-Partner in der Pole-Position ist, was die Verbandstickets angeht. «Es gibt aber Informationen, wonach die Wettbewerbskommission ihr Augenmerk auf dieses Monopol gelegt hat und künftig auch andere TOs und Reisebüros zum Zug kommen werden», sagt Wey.

Beim Travelclub Bern ist man derweil guter Dinge. «Die Nachfrage ist deutlich grösser als z.B. für die WM in Südafrika. Wir haben bereits erste Buchungen getätigt, bei denen wir Tickets garantieren können», erklärt Victor Tinari, Projektleiter Brasilien 2014, «und falls sich die Schweiz qualifiziert, werden wir als offizieller Reisepartner des SFV in der Lage sein, Packages für die Schweizer Gruppenspiele anzubieten.» Bis feststeht, wo und wann die Schweiz spielen wird, wird sich der Travelclub vorerst für diverse Basen entscheiden und von dort aus Tagesausflüge zu den Spielen organisieren.

Für die interkontinentalen Flüge und die Hotels hat der Veranstalter bereits Kontingente. Zunächst hatte sich dies schwierig gestaltet – «jetzt im Spätsommer war es dann aber einfacher als noch Anfang Jahr», sagt Tinari. Einzige Ausnahme: «Die oberste Hotelliga in Rio kann man zurzeit vergessen. Diese Hotels werden von Verbänden, Sponsoren und der FIFA belegt.»

Simon Benz/Stefan Jäggi