Bringt Rothwell Kuoni auf den Markt? (Ausgabe 2008-18)

Simon Benz über den neuen Kuoni-KonzernCHef

Vergangene Woche teilte Kuoni der Branche mit, man habe mit dem
ehemaligen Vizechef der TUI Travel Ltd., Peter Rothwell, einen neuen
CEO gefunden. Laut Aussage von Kuoni-Verwaltungsratspräsident Henning
Boysen ist Rothwell «der beste aller möglichen Kandidaten, die für den
CEO-Posten bei der Kuoni-Gruppe geprüft wurden». Es scheint, als habe
man mit Rothwell den geeigneten Mann für den Chefsessel des
Kuoni-Konzerns gefunden.

Der 48-jährige Brite ist ein ausgewiesener Touristiker, der zu den
Topleuten der Branche zählt, so viel steht fest. Seine langjährige
Erfahrung kann der ihm entgegenzubringenden Akzeptanz der
Kuoni-Belegschaft nur dienlich sein.

Interessant ist Rothwells unmittelbare Vergangenheit bei TUI. Er war massgeblich an der
Fusion mit dem britischen Reiseunternehmen First Choice beteiligt. Da
Kuoni gut 80 Prozent des Umsatzes im Ausland generiert, wäre eine
verstärkte Ausrichtung des Unternehmens auf die internationalen Märkte
also durchaus denkbar. Boysen hat ausserdem bereits mehrmals erwähnt,
dass Kuoni «mittelfristig» eigenständig bleiben soll. Nun holt man mit
Rothwell einen erprobten Fusionsmanager an Bord. Da wundert es nicht,
wenn erneute Merger-Spekulationen und Übernahmegerüchte die Runde
machen. Der globale Fusionswahn, der die heutige Wirtschaftswelt fest
im Griff hat, und das starke vergangene Jahr des Kuoni-Konzerns machen
das Unternehmen auf alle Fälle zu einem beliebten Übernahmekandidaten.
Die Tatsache, dass sich die Migros vor Kurzem mit drei Prozent an Kuoni
beteiligt hat, mag solche Spekulationen und Gerüchte nur noch
verstärken.

Rothwell steht auf alle Fälle vor einer nicht ganz einfachen Aufgabe.
Auch wenn er sich im Tagesgeschäft nicht direkt um den Bereich
Luxusreisen und den Schweizer Markt zu kümmern hat, trägt er als
Kuoni-Konzernchef die Endverantwortung. Und in beiden Segmenten begibt
er sich auf Neuland. Erstens waren seine bisherigen Kernaufgaben bei
TUI im Bereich des Massentourismus angesiedelt und zweitens war er noch
nie in der Schweiz und für den Schweizer Markt tätig.

Inwiefern sich der britische Manager in das neue Schweizer
Kuoni-Luxussegment eingliedern kann und welche Einflüsse seine
internationalen Erfahrungen mittelfristig auf das Unternehmen haben
werden, zeigt sich spätestens ab Januar 2009.