Hansruedi Müller, Professor am Forschungsinstitut für Freizeit und
Tourismus (FIF) in Bern, referierte am ersten TTW-Messetag über die
sich wandelnden Kundenbedürfnisse, die Reisetrends und er zeigte die
Richtung zu einer nachhaltigen Entwicklung auf.
Die Welt verändert sich stetig und Hansruedi Müller zeichnete anhand
eines chinesischen Sprichwortes den Weg vor: «Wer den Wind der
Veränderung spürt, sollte nicht Windwälle bauen, sondern Windmühlen.»
Durch die Veränderungen, die beispielsweise aus der Globalisierung, der
Rentabilitätsschwäche, den Klimaänderungen, dem Wertewandel oder der
Wirtschaftskrise hervorgehen, entstehen neue Herausforderungen. Die
Folge ist ein ansteigender Druck: Konkurrenz-, Wandlungs-,
Finanzierungs-, Innovations-, Anpassungs-, Spar- und
Flexibilisierungsdruck. «Aber gerade vom Innovationsdruck könnte die
Busbranche profitieren», führte Müller aus, «denn die durch
Differenzierung entstehenden Nischen haben eine Chance.» Die neuen
Werthaltungen gehen in die Richtung von mehr Natur und Natürlichkeit,
hin zur Langsamkeit, Gesundheit, zu Kulturerlebnissen und hin zur Nähe.
Letztere ist laut Müller umso besser für die Busbranche, je mehr sie
aufgewertet wird.
Mit dem Wertewandel verändert sich auch das Reiseverhalten. Müller
nannte insgesamt zehn touristische Trends, wonach das Reisen stetig
individueller, spontaner, häufiger, kürzer, billiger, bequemer,
sicherer, exotischer, erholsamer und erlebnisreicher wird. «Die
Erlebnisinszenierung ist heute vielleicht gerade speziell für den
Bustourismus ein grosses Thema», so Müller. Vor allem wenn die
Risiken gross sind, stehen die Chancen für den Bus gut, «dies war 2001
so und ist auch heute spürbar». Für eine nachhaltige Entwicklung ist es
laut Müller nötig, partizipativer, kooperativer und vernetzter zu
werden, das heisst das Marketing zu intensivieren, am Produkt zu
arbeiten und qualitativ immer besser zu werden. Ein weiteres
Zukunftsthema ist die Umweltverträglichkeit. Müller: «Die
Busunternehmen haben keine schlechten Karten, denn der Bus liegt mit
dem Zug gleichauf. Er hat es jedoch nicht geschafft, sein Image in
dieser Hinsicht zu korrigieren. Hier ist noch Nachholbedarf.»
Im Forum am zweiten Messetag referierte Polizeihauptkommissar Thomas
Fritz von der Polizei in Esslingen. Er leitet dort die Gruppe für
Buskontrollen und ist für die Ermittlungen in Kriminaldelikten
hauptsächlich Busdiebstahl zuständig. Sinn und Zweck von Kontrollen
seien die Erhöhung der Verkehrssicherheit, des Schutzes des Personals
und die Schaffung von fairen Wettbewerbsbedingungen. Das
Mindestkontrollvolumen beträgt in Deutschland heute 2% der Fahrtage, ab
Anfang 2010 wird auf 3% und ab Anfang 2012 auf 4% erhöht. Zur
Entlastung der Kontrollinstanzen soll mit der Risikoeinstufung eine
neue Strategie eingeführt werden. Dabei ist geplant, kontrollierte und
für gut empfundene Unternehmen für einen gewissen Zeitraum von den
Kontrollen zu entbinden.
Kontrolliert werden heute laut Fritz die Verkehrstüchtigkeit des
Lenkers, die Einhaltung der Verhaltens- und Sozialvorschriften sowie
die Dokumente, Steuernachweise und Einfuhrbestimmungen. «Zur Einhaltung
aller Richtlinien ist fast ein Hochschulabschluss notwendig», erklärte
der Polizeihauptkommissar, denn die Rechtsgrundlagen bezögen sich auf
EG-Verordnungen, EG-Richtlinien sowie nationale Gesetze und
Verordnungen.
Den Busfahrern gibt Fritz den Rat, die Kontrolleure vor der Kontrolle
von der Dringlichkeit einer Weiterfahrt (z.B. zur Einhaltung von
Terminen) zu informieren, damit Probleme vermieden und ein
rechtzeitiges Weiterkommen gewährleistet werden können.
Simon Benz



