Alle Schönfärberei nützt nichts die Resultate der Hotelplan Gruppe
und der Geschäftseinheit Schweiz (MTCH) für das Geschäftsjahr 2008/09
sind schlecht. Umsatz und Passagierzahlen gingen zurück, und die Gruppe
weist trotz einem kleinen operativen Betriebsgewinn (Ebitda)
einen Verlust (Ebit) von 21,6 Mio. Franken aus. MTCH muss einen
operativen Verlust (Ebitda) von 1,8 Mio. Franken kommunizieren. Insider
gehen hier von einem Reinverlust in der Grössenordnung von 30 bis 40
Mio. Franken aus.
Zeit zu handeln für die Eigentümerin Migros: Christof Zuber räumt
seinen Sessel als CEO der Hotelplan Group im Verlaufe des Aprils. Nun
soll es ein «alter» Bekannter richten: Hans Lerch, früherer
Kuoni-Konzernleiter und seit Mai 2009 als Vizepräsident im
Verwaltungsrat der Hotelplan Gruppe, wird ab April als Delegierter des
VR die Führung der Gruppe übernehmen. Ihm zur Seite steht als
Stellvertreter Thomas Stirnimann, CEO von M-Travel Switzerland. Zuber
scheint die in ihn gesetzten Erwartungen nicht erfüllt zu haben, und
menschlich dürfte es zwischen ihm und Lerch, der ihm als VR-Vize
unterstützend zur Seite gestellt wurde, eher Probleme denn eine
Annäherung gegeben haben.
Das Dream-Team Lerch/Stirnimann aus früheren gemeinsamen Kuoni-Zeiten
soll Hotelplan nun endlich auf Vordermann bringen. Es wird wohl die
grösste Herausforderung für die beiden Branchenprofis. Hotelplan
einst stolze Vorzeigetochter der Migros ist arg ins Trudeln geraten.
Im gegenwärtigen Umfeld scheint ein erfolgreicher Alleingang auf
längere Zeit mehr als schwierig zu sein. Mit Lerch an der Spitze
dürften die immer wieder aufgeflammten Gerüchte über eine Übernahme
oder einen Zusammenschluss mit Kuoni neue Nahrung erhalten.
Die ganze Aktion sieht aber auch nach einem Befreiungsschlag von
Herbert Bolliger (Präsident der Generaldirektion der Migros und
Verwaltungsratspräsident der Hotelplan Gruppe) aus. Er steht innerhalb
der Migros wegen seiner Strategie gegenüber Coop und deutschen
Billigdiscountern unter Druck. Negative Resultate bei einer
Tochtergesellschaft, die er erst noch präsidiert, werden seine Position
nicht stärken.
Dass Zuber seinen eigenen Abgang und die Vorstellung seines Nachfolgers
Lerch ab einem vorgegebenen Text selber bekannt geben musste Bolliger
und Lerch erschienen nicht an der Bilanzpressekonferenz , ist völlig
unüblich, ein Affront und zeugt eher von mangelndem
Fingerspitzengefühl.



