Mit Beat Dannenberger wurde zweifellos ein erfahrener und kompetenter
Ombudsmann der Schweizer Reisebranche gewählt. Dennoch warf seine Wahl
da und dort Fragen auf: Schliesslich war Dannenberger nicht nur
Vizepräsident des Stiftungsrats des Garantiefonds, welcher den
Ombudsmann wählt, sondern gar in dessen Ausschuss, welcher die
Kandidaten sichtet und zur Wahl nominiert. Er war aufgrund seiner
Position im Stiftungsratsausschuss auch mehr oder weniger direkt in der
Absetzung seines Vorgängers Nicolas Oetterli involviert.
«Alles lief korrekt ab», versichert Stiftungsratspräsident Kurt
Heiniger. Dannenberger trat nach seiner Bewerbung in den Ausstand und
wurde im Ausschuss durch Garantiefonds-Geschäftsführer Urs Herzog
ersetzt. Dannenberger bewarb sich ohnehin erst zu einem Zeitpunkt,
nachdem der Ausschuss nach einer ersten Sichtungsrunde aus über 30 (!)
Kandidaten offenbar keine geeignete Lösung gefunden hatte. Und
natürlich ist es nicht verboten, sich als «Interner» für eine Stelle zu
bewerben.
Die Prozedur wirft dennoch Fragen auf. Die Stiftungsratsmitglieder
erhielten so ist es offenbar üblich am Tag ihrer Sitzung den Namen
eines einzigen Kandidaten, welchen der Ausschuss erkoren hatte. Sie
können also nur ablehnen oder akzeptieren. In Dannenbergers Fall
stimmten alle Mitglieder ja (bei einer Enthaltung). Ebenfalls Usus sei,
dass sich Topkandidaten der Endauswahl nie persönlich dem
Stiftungsratsplenum vorstellen können.
Genau da ist das Prozedere etwas undurchsichtig. Ein intern bestens
bekannter und vertrauter Kandidat wird den Sprung auf die
Ein-Mann-Wahlliste eher schaffen als ein Externer. Da mag man sich noch
so auf formell korrekten Wahlablauf berufen ganz auszuschliessen ist
es nicht, dass hier ein «Genehmer» zum Handkuss kam.
Wie auch immer: Die aktuelle Herausforderung für Dannenberger sollte
nicht eine Rechtfertigung seiner Wahl sein, sondern die Sorge,
möglichst schnell von allen Seiten akzeptiert und respektiert zu
werden. Ein Vollblut-Touristiker als Ombudsmann von der Branche
bezahlt! muss seine «Unabhängigkeit» bei Endkunden, welche von der
Branche ihr Recht einfordern, erst einmal unter Beweis stellen. Und
jene Branchenexponenten, welche andere Ombudsmann-Lösungen
befürworteten, werden Dannenberger ebenfalls genau auf die Finger
schauen.



