Noch keine zehn Jahre alt ist die Schweizer Fluggesellschaft Darwin Airline mit Sitz in Lugano: Am 28. Juli 2004 erfolgte der Erstflug von Lugano nach Genf. Nach Jahren mit kleinem Wachstum folgte 2010 ein grösserer Schritt mit der Übernahme der Fluglinien und Geschäftsaktivitäten der Genfer Airline Baboo. Doch das Wachstum blieb bescheiden, weshalb das Management eine Neuausrichtung in Angriff nahm.
«Die Strategie von Darwin Airline ist es, als Multi-Alliance Regional Carrier von europäischen Basen aus mit neuen Partnerschaften sich auf diversen Märkten zu positionieren», erklärt CCO Christian Schneider. Diese Ausweitung könne mittels der Intensivierung bestehender Routen sowie dank neuen Routen erreicht werden.
Da hat Darwin in den vergangenen Monaten richtig Gas gegeben. Seit Dezember wird in Kooperation mit Belle Air Europe ab Genf und Zürich nach Prishtina geflogen; seit April in Zusammenarbeit mit Czech Airlines ab Zürich nach Prag (und seit 2012 bereits ab Genf nach Prag). Ab dem 2. September verbindet Darwin Airline dann den Leipzig/Halle Airport täglich mit Paris und Amsterdam. Ab demselben Datum wird Darwin ab der britischen Universitätsstadt Cambridge rund fünfzig neue wöchentliche Flüge anbieten, und zwar nach Amsterdam, Paris, Mailand-Malpensa und Genf, in Kooperation mit Alitalia. Mit den Italienern wird ab Oktober zudem auf Flügen ab Ancona nach Rom kooperiert, deshalb wird Darwin auch in der Adriastadt eine Basis eröffnen.
Geplant, aber noch nicht terminiert ist die Aufnahme von Flügen ab Bozen nach Rom, ebenfalls gemeinsam mit Alitalia. «In einem zweiten Schritt können wir mit den vor Ort stationierten Maschinen und dank der Zusammenarbeit mit den anderen Fluggesellschaften Ad-hoc-Flüge in den Leerzeiten organisieren», fügt Schneider an.
Das klingt nach einem mächtigen Expansionsprogramm für die kleine Darwin. Schneider relativiert: «Die schnelle Expansion von Darwin Airline ist das Resultat einer knapp zweijährigen strategischen Neuausrichtung. Wir beweisen damit die Anpassungsfähigkeit unserer Fluggesellschaft innerhalb der neuen Realität des europäischen regionalen Flugverkehrs. Wir haben in den letzten Monaten eine Zukunftsvision innerhalb des europäischen Regionalflugmarktes entwickelt. Dabei haben wir Routen identifiziert, die von anderen Fluggesellschaften unterbrochen wurden und die für uns operativ interessant sind.»
Darwin hatte bislang mit Flügen ab Lugano und Genf in Nischenmärkten Erfolg. «Infolgedessen haben wir uns in Europa auf die Suche nach weiteren solchen Märkten gemacht, die unsere Firmenstrategie widerspiegeln», führt Schneider aus. Die genannten neuen Routen seien allesamt konkrete Beispiele hierfür.
Die Expansion führt zudem zur Schaffung neuer Arbeitsplätze ein positives Zeichen, nachdem letztes Jahr noch Kurzarbeit angeordnet wurde.
An der Reisebranche ist Darwin übrigens sehr interessiert. Immerhin 25% der Buchungen erfolgen laut Schneider über Reisebüros und TOs. Weitere 15% buchen über das Call Center oder direkt an den Billettschaltern in den Flughäfen. Will heissen: 60% buchen über die Website www.darwinairline.com.
Wo sind die Darwin-Flugzeuge im Einsatz?
Darwin Airline verfügt heute über neun Saab-2000:
1 Flugzeug ist ab 2. September am Cambridge Airport (CBG) stationiert
und fliegt die Routen CBGGVA, CBGCDG, CBGAMS und CBGMXP
1 Flugzeug ist ab 2. September am Leipzig Halle Airport (LEJ) stationiert
und bedient die Routen LEJCDG und LEJAMS
1 Flugzeug fliegt für Swiss in ACMI («wet lease») vier Mal täglich die
Route LUGZRH.
2 Flugzeuge sind in Genf stationiert, um das ganze Jahr nach Venedig,
Florenz und Rom (in Codeshare mit Alitalia) und in der Sommersaison
nach Valencia, Ibiza, St. Tropez, Biarritz und Cagliari zu fliegen.
1 Flugzeug ist in Ancona stationiert, um täglich Ancona mit Rom zu
verbinden (in Codeshare mit Alitalia).
2 Flugzeuge werden für die Route RomTrapani und die Verbindunge
ab den sizilianischen Inseln Lampedusa und Pantelleria nach Catania,
Palermo und Trapani verwendet.
90% des Umsatzes wird also mit eigenen Linienflügen generiert; nur je 5% sind Charter- und Ad-hoc-Flüge sowie Wet-Lease für Swiss. Ab Ende August sollen zwei weitere Saab-2000 die Flotte ergänzen. Eines der zusätzlichen Flugzeuge ist als Ersatzmaschine vorgesehen, das zweite soll für die vier Mal täglich vorgesehene Route BozenRom in Codeshare mit Alitalia eingesetzt werden. Darwin sucht zurzeit nach Piloten mit Saab-2000-Ausbildung.
Die Saab-2000 haben übrigens durchschnittlich rund die Hälfte ihrer Lebensdauer erreicht. «Somit können wir noch einige Jahre mit diesem Flugzeugtyp weiterfliegen», sagt CCO Christian Schneider, «dennoch haben wir begonnen, unsere Optionen für die Zukunft anzusehen, wobei es nicht allzu viele Anbieter im 50/70-Sitzer-Segment gibt.»
Jean-Claude Raemy



