Es ist eine Erfolgsgeschichte, wie sie es in der europäischen Luftfahrt nicht mehr allzu oft gibt: Aer Lingus, 2009 noch schwer angeschlagen, schreibt seit vier Jahren nur noch schwarze Zahlen. Die letzten lagen zwar 9% unter dem Vorjahr, mit EUR 61,1 Mio. aber immer noch deutlich im positiven Bereich.
Insbesondere die Langstrecke gedeiht hervorragend. Erlöse und Passagierzahlen stiegen dort zuletzt um 10%, unter anderem dank eines neuen Airbus A330. Heuer wird die Kapazität sogar 20% zunehmen, dies dank neuer Verbindungen nach San Francisco und Toronto. Die Vorausbuchungen seien vielversprechend. Damit bietet Aer Lingus nun insgesamt zehn tägliche Flüge nach Nordamerika an.
Beliebt ist vor allem, dass das Einreiseprozedere für die USA bereits in Dublin erfolgt. Wegen der hohen Nachfrage mussten die US-Sicherheitsbehörden sogar mehr Mitarbeiter nach Dublin delegieren. Auch beim Produkt wird aufgerüstet: Auf den Flügen in die USA gibts neu WLAN, und ab Dezember wird die Business Class der A330-Flotte neu gestaltet und mit Full Flat Beds ausgerüstet.
Doch auch für Aer Lingus wachsen die Bäume nicht in den Himmel. Der Gewinn wurde nämlich vor allem durch eine schwächere Inland-Nachfrage geschmälert. Auch das Schweizgeschäft läuft durchzogen. «Wir sind relativ zufrieden und liegen in etwa auf dem Vorjahresniveau», sagt Sprecher Herbert Euler.
Die Aufstockung der Verbindung ZürichDublin von sieben auf neun wöchentliche Flüge, die im letzten Sommer realisiert wurde, musste im November aber wieder rückgängig gemacht werden. «Der Markt hatte die Erhöhung nicht akzeptiert», so Euler. Ansonsten laufe die Genf-Linie leicht besser als die Zürich-Verbindung, wobei Letztere vor allem von Corporates stark nachgefragt werde.
Ausserdem hat Aer Lingus ein Problem mit den Gewerkschaften. Im Frühling konnte ein Streik sehr kurzfristig noch abgewendet werden, für den 30. Mai wird nun ein weiterer angekündigt. Streitpunkte sind je nach Quellen mehr Ferien, drohende Rentenkürzungen, die mögliche Auslagerung des Nordatlantik-Kabinenpersonals in eine andere Firma oder auch das Gehalt von CEO Christoph Müller.
Und dann ist da noch die Frage der Besitzverhältnisse. Ryanair hält nach wie vor knapp 30%, obwohl sie von der EU-Wettbewerbsbehörde dazu aufgefordert wurde, sich von den Anteilen zu trennen. Dieser Rechtsstreit dauert noch an und kostet auch Aer Lingus eine Stange Geld: Alleine für die «Abwehr» der Übernahmeversuche von Ryanair musste sie im letzten Jahr EUR 10 Mio. für Beratungsleistungen aufwenden.
Auf der anderen Seite steht Etihad Airways, die ihre Anteile im März von 3% auf knapp 5% aufgestockt hat. Ausserdem stehen die Anteile der Regierung (gut 25%) zum Verkauf. Es wird wohl nicht so schnell ruhig werden um Aer Lingus.
Stefan Jäggi



