Das Web ersetzt die Automaten (Ausgabe 2012-36)

Flugpassagiere sollen möglichst selbstständig einchecken. Die Sicherheitsbestimmungen sind die Herausforderung.

Eine der grössten Revolutionen modernen Fliegens ist aus Passagiersicht zweifellos das Online-Check-in, welches sich Mitte des letzten Jahrzehnts gemeinsam mit dem E-Check-in (an Automaten am Flughafen) rasch verbreitet hat und inzwischen bei zahlreichen Fluggesellschaften und an grossen Flughäfen zum Standard gehört. Damit kann sich selber einchecken, wer über einen Internetanschluss verfügt und eine E-Ticket-Nummer oder einen Buchungscode hat.

Bereits weit verbreitet hat sich auch das «Mobile Check-in», das Einchecken mittels Smartphone oder anderer internetfähiger, mobiler Apparate. Dabei wird ein 2D-Code übermittelt, welcher direkt ab dem Bildschirm des Smartphones eingelesen werden kann.

In zahlreichen europäischen Ländern – darunter die Schweiz – sowie in Japan und Neuseeland werden zu Hause ausgedruckte Bordkarten oder mobile Bordkarten an sämtlichen internationalen Flughäfen akzeptiert; in einigen Ländern wie England, Italien, den USA oder Australien dagegen nur an vereinzelten Flughäfen. Zu den Ländern, welche demnächst eine flächendeckende Erlaubnis für Check-in via PC oder Smartphone einführen wollen, gehören laut dem Welt-luftfahrtverband IATA etwa Indien, Ägypten, Südafrika oder die Philippinen. Die sogenannten BCBP («barcoded boarding passes») sind aber in einigen Ländern noch gar nicht akzeptiert, obwohl die IATA per 2011 diesen Standard global zu 100% umgesetzt haben wollte.

Dennoch ist der Wandel an den Flughäfen klar sichtbar. Nicht nur gibt es immer weniger bemannte Check-in-Schalter, auch die Check-in-Automaten an den Flughäfen (fürs E-Check-in) werden infolge der Entwicklung der Mobiltechnologie immer weniger genutzt. Aus Sicht der Flughäfen – sowie der Airlines, welche deren Infrastruktur gegen teures Geld benutzen – ist dies eigentlich keine schlechte Entwicklung: Nichts ist billiger, als wenn der Passagier die meisten Check-in-Prozesse gleich selber von zu Hause aus erledigt.

Das ruft allerdings auch Sicherheitsbedenken auf den Plan. So müssen alle Modernisierungsschritte beim Check-in sorgfältig geprüft werden, damit die Sicherheit gewährleistet bleibt. Es ist eine grosse Herausforderung für Airlines und Flughäfen, trotz global steigender Nachfrage die Prozesse schlank und einfach zu halten, ohne die Sicherheit zu vernachlässigen.

So müssen auch die Sicherheitskont-rollen modernisiert werden. 2011 hat die IATA eine Initiative für dreistufige Sicherheitskontrollen lanciert. Dabei werden Passagiere in drei Gruppen geteilt: «Known traveller» (Vielflieger, welche alle Daten in einer Datenbank hinterlegt haben), «Normal» und «Enhanced Security» für Passagiere, wo Sicherheitsvorbehalte bestehen (z.B. Vorbestrafte). Die Neuerung ist also, dass beim Screening nicht nur «feindselige Objekte», sondern schon davor «feindselige Menschen» erkannt werden sollen. Beim «Checkpoint of the future» soll aufgrund biometrischer Daten im Pass ein «Risk Assessment» durch die entsprechende Landesbehörde vorgenommen werden, bevor der Passagier am Flughafen ist. Das benötigt aber den «gläsernen Menschen». Ob die IATA damit durchkommt?

Das Neuste: Check-in per Skype

Der Einsatz neuer Medien und Technologien schreitet unaufhörlich voran – Zeit ist schliesslich Geld. In Sachen Check-in-Prozess gibt es interessante News aus Russland: So testet der Moskauer Flughafen Scheremetjewo (SVO) derzeit die Registrierung per Skype: Auf Skype macht man einen Videoanruf an den Teil-nehmer «svo_checkin» und nennt dabei Flugdatum und Nummer, seinen Namen und die Nummer des elektronischen Tickets. Ausserdem muss man am virtuellen Check-in-Schalter den Pass und, sofern nötig, ein Visum des Bestimmungslandes vorzeigen. Anschliessend erhält man eine Bordkarte auf elektronischem Weg, welche man selbst ausdrucken muss. 

Ausgezeichnete Flughäfen

Im Rahmen der IATA-Zielsetzung «Fast Travel» wurden einige Flughäfen ausgezeichnet, an denen der gesamte Prozess von der Flughafenankunft bis zum Abflug den aktuell modernsten Standards entspricht: mobiles Check-in, Dokument-Scan am Flughafen (für Ausgabe der Gepäcktags), automatisierte Umbuchungsmöglichkeit vor Ort, Self-Boarding dank eigenem Einscannen der Bordkarte und automatisierte Hilfestellung für Gepäckausgabe/-suche. Den diesbezüglichen IATA-«Gold-Status» haben laut IATA-Homepage bislang die Flughäfen Auckland, Abu Dhabi, Frankfurt, Kopenhagen, London-Gatwick, München, Madrid und Peking erhalten.

Jean-Claude Raemy