Herr Brandt, wie ist das Geschäftsjahr 2011 für Delta Air Lines Schweiz -bislang verlaufen?
Sehr gut, wir verzeichnen erfreuliche Umsätze. Die Sommerroute ZürichNew York (JFK) wurde dabei einen Monat länger und mit einer Boeing B-767 bedient. Trotz dieser Kapazitätserhöhung haben wir unsere Ziele übertroffen. Die Auslastung ist gut und im Durchschnitt ganzjährig im hohen 80%-Bereich. Auch der Yield entwickelt sich generell positiv, allerdings schwankend.
Welche Erwartungen haben Sie fürs Winterhalbjahr?
Aufgrund des anhaltend hohen Ölpreises haben wir die Winterkapazitäten früh reduziert. Wie im Vorjahr wird ZürichJFK nicht geflogen, neu wird auch ZürichAtlanta im Winter nur noch fünf Mal wöchentlich bedient; die Flüge am Mittwoch und Samstag entfallen beides keine Flüge, welche den Geschäftsreiseverkehr gross betreffen.
Ich muss hier noch festhalten, dass die Reduktion nichts mit dem Geschäftsgang zu tun hat. Es liegt daran, dass alle 90 Boeing B-767 von Delta bis 2013 umgerüstet werden.
Welche Neuerungen darf man dadurch erwarten?
Zunächst erhält unsere Business-Klasse brandneue Flatbeds, die mit bis zu 2,08 m Sitzabstand glänzen und jedem Passagier freien Gangzugang ermöglichen. In unseren Boeing B-777 und den B-767-400 sind die Flatbed- BusinessElite-Sitze übrigens bereits eingeführt und bisher auf sehr gutes Echo gestossen.
Bereits auf allen Maschinen eingeführt ist übrigens «Economy Comfort». Hierbei haben die ersten vier bis sechs Reihen in Economy mehr Sitzabstand und mehr Lehnenneigung; es gibt gratis Spirituosen und «Boarding Priority». Der Aufpreis dafür beträgt je nach Strecke 80 bis 160 US-Dollar pro Langstreckenflug. In den Buchungsklassen Y, B und M ist die Economy Comfort bereits inbegriffen, sprich selber und ohne Aufpreis reservierbar. Dies gilt auch für Platinum- und Diamond-Kunden. Silver-Kunden erhalten 25%, Gold-Kunden 50% Rabatt.
Economy Comfort ist also keine eigene Buchungsklasse?
Nein, es ist ein Service, welcher auch nur über www.delta.com buchbar ist. In den GDS kann man sich nicht in die Economy Comfort upgraden.
Zurzeit investiert Delta USD 100 Mio. in die Web-Plattform delta.com. Das klingt nicht danach, als ob Delta noch stark in den B2B-Kanal investieren würde.
Die aktuelle Plattform ist fünf Jahre alt und braucht dringend eine Überholung. Es ist überdies so, dass das Buchungsvolumen auf delta.com trotz wenig Marketing stetig steigt in der Schweiz ist der Buchungsanteil über delta.com übrigens höher als in anderen europäischen Märkten. Es werden aber vor allem Leisure-Tarife gebucht.
Die Reisebüros und OTAs sind weiterhin unsere grössten Vertriebspartner. Deren Mehrwert sehen wir in der Vermittlung von komplizierten Routings und im ganzen nachgelagerten Bereich der Ticketverkäufe. Die technischen Investitionen sollen letztlich auch den Reisebüros zugutekommen.
Denken Sie auch an Direct Connect wie Ihre Konkurrenz?
Grundsätzlich gibt es eine Diskussion darüber, wie eine Airline kundengerechte Tarifangebote machen kann via ein GDS oder auch nicht. Es geht darum, weniger von Drittpartnern abhängig zu sein. In welcher Form das stattfindet, wird sich zeigen. Ich halte aber fest: Bessere technologische Lösungen sind auch für die Reisebüros von Vorteil.
Was sind die nächsten Schritte bei Skyteam?
Angekündigt ist die Aufnahme von Middle East Airlines, Garuda Indonesia, Saudi-Arabian und Aerolineas Argentinas. Damit sind wir global besser aufgestellt. Im Schweizer Markt gilt unser -Augenmerk vorerst dem Joint Venture Air France-KLM-Delta-Alitalia.
Delta fliegt in diesem Jahr seit 20 Jahren in die Schweiz. Wie wird das gefeiert?
Wir haben zwei Famtrips nach Atlanta & Savannah ausgeschrieben und eine enorme Response erhalten. Die ersten Teilnehmer fliegen am 1. November, dem Jubiläumstag, in die USA. Daneben haben wir Sondertarife lanciert.
Sondertarife? Die Preise sind doch ohnehin tief.
Man muss bei den Preisen natürlich konkurrenzfähig sein, sprich seine Kosten und Kapazitäten im Griff haben. Delta hat von den US-Majors die geringste Kostenstruktur und ein flexibles Geschäftsmodell. Damit sind wir gut für die Zukunft gerüstet.
Jean-Claude Raemy
Zur Person von Thomas Brandt
Der Rheinländer Thomas Brandt ist durch und durch «Delta Air Lines»: Seit seinem Hochschulabschluss vor 24 Jahren ist er für den US-Carrier tätig. Zunächst in Frankfurt, danach für 13 Jahre in London und seit bald fünf Jahren wieder in Frankfurt. In -dieser Zeit durchlief er sämtliche «Marketing-Register» und war unter anderem General -Manager für www.delta.com und Self Services International. Seit 2008 ist er Country Sales Manager Germany & -Switzerland; 2009 übernahm er auch noch die Verant-wortung für die Märkte Österreich, Kroatien und Slowenien.
JCR



