Der lang gehegte Traum einer panafrikanischen Airline (Ausgabe 2014-10)

Der afrikanische Airline-Markt ist stark fragmentiert und enthält zahlreiche Stolperfallen.

Es ist nicht einfach, in der afrikanischen Luftfahrt den Überblick zu behalten. Airlines schiessen wie Pilze aus dem Boden, und genauso schnell verschwinden sie wieder. Bei einigen lohnt es sich aber, etwas genauer hinzuschauen. Und über allem steht oft der Traum einer panafrikanischen Airline.

Der Feldzug von Ethiopian Airlines

Ethiopian Airlines wächst rasch, hat letztes Jahr den Gewinn mehr als verdoppelt und nennt die ersten Dreamliner in Afrika ihr Eigen. Und die Pläne sind ambitioniert: Wiederholt hat die Airline angekündigt, bis im Jahr 2025 die grösste Fluggesellschaft Afrikas werden zu wollen. Die Strategie: Über Beteiligungen an neuen oder bestehenden Fluggesellschaften baut sich Ethiopian in Afrika neue Drehkreuze auf. So geschah es vor vier Jahren in Togo, als Ethiopian die neue Airline Asky mit Sitz in Lome aufbaute.

Im letzten Jahr wiederholte sich das Spiel in Malawi. Nach dem Konkurs der staatlichen Air Malawi schritt Ethio-pian ein und beteiligte sich mit 49% an der neuen Malawian Airlines. Auf diese Weise verschaffte sich Ethiopian in Lilongwe einen dritten Hub. Malawians Flotte besteht erst aus zwei Maschinen, soll aber rasch wachsen. Bereits existieren Verbindungen nach Simbabwe, Sambia und Tansania und nach Johannesburg; Mosambik, Kenia und Uganda sollen folgen. 

Die Vision des Easyjet-Gründers

Easyjet-Gründer Stelios Haji-Ioannou will sein Low-Cost-Konzept mit Fastjet auch nach Afrika bringen. Noch hat die 2011 gegründete Airline Startschwierigkeiten. Zwar nahm Fastjet Ende 2012 mit einem Airbus A319 von Easyjet den Betrieb zwischen Dar es Salaam und Nairobi auf. Rasch kamen diverse tansanische Destinationen dazu. Mit der weiteren Expansion harzt es aber. Die Ausweitung des Streckennetzes nach Südafrika wurde oft verschoben, und die angekündigten Flüge auf der Rennstrecke Johannesburg–Kapstadt existieren wegen einem fehlenden AOC immer noch nicht. Immerhin konnte Fastjet die Route von Dar es Salaam nach Johannesburg aufnehmen. 

Von einer Eroberung des gesamten Kontinents ist Fastjet mit aktuell drei Maschinen aber noch weit entfernt. Und Ethiopian-CEO Tewolde Gebremariam stichelt unterdessen, dass Afrika «nicht bereit ist für solche Airlines» – 60% der Marktsegmente hätten weniger als 50 Passagiere pro Tag, weswegen ein Point-to-Point-Modell äusserst schwierig umzusetzen sei.

Der Kampf des Branchenprimus

Schon recht weit auf dem Weg zur panafrikanischen Airline ist South African Airways, die grösste Airline des subsaharischen Afrikas. Auf dem afrikanischen Kontinent verdichtet SAA stetig ihr Streckennetz; im Interkontinentalbereich setzt das Star-Alliance-Mitglied vor allem auf Kooperationen. Ausserdem wurde eine Flottenverjüngung angekündigt, und obendrauf feiert die Airline dieses Jahr auch noch ihr 80-Jahre-Jubiläum.

Friede, Freude, Eierkuchen herrscht trotzdem nicht. Denn trotz steigenden Umsatz- und Passagierzahlen sowie zahlreichen Skytrax-Auszeichnungen schafft es SAA nicht, profitabel zu fliegen. 2013 war das Jahresergebnis mit CHF –99 Mio. zum wiederholten Male im tiefroten Bereich, und nur dank Staatsgarantie von CHF 411 Mio. ist die Airline überhaupt noch in der Luft. Viele Langstreckenziele stehen auf dem Prüfstand, und die dringend benötigte Erneuerung der Langstreckenflotte verzögert sich. In Zukunft will man deshalb noch stärker auf das Afrika-Geschäft fokussieren. Kürzlich wurden diverse Frequenzen erhöht, etwa nach Kinshasa, Dar es Salaam oder Windhoek.

Das Überraschungs-Ei

Und dann gibt es noch die Projekte, bei denen niemand genau weiss, was da auf den Markt zukommt. Stellvertretend dafür sei Flyafrica.com genannt. Die Website besteht nur aus dem Slogan «Africa’s Low Fare Airline» und einem Countdown, der Ende März abläuft.Laut lokalen Medien soll ein ehemaliger Commercial-Chef von South African Airways hinter dem Projekt stehen.

Stefan Jäggi