Die einen freut’s – die anderen reut’s (Ausgabe 2008-13)

Simon Benz über den Swiss/Lufthansa-Deal

Es ist wie im Kino: Die etwas unansehnliche Prinzessin Swiss befindet
sich in einer Notlage und wird vom grossen und starken deutschen
Prinzen Lufthansa gerettet. Schon in den ersten Minuten zeichnet sich
ab, wie sich der Film entwickeln wird: Die Prinzessin wird gerettet,
mausert sich zur Schönheit, es wird geheiratet, vielleicht gibt es auch
die eine oder andere Toch-ter. Auf alle Fälle wird man in der
Grossfamilie der Sternen-Allianz zusammen alt. Aber jede Rettung hat
ihren Preis: Am Gründonnerstag wurde bekannt, wie hoch die Summe ist,
die die Lufthansa an die ehemaligen Grossaktionäre der Swiss zahlen
muss. Es war allerdings schon von Anfang an klar, dass die Swiss als
Schnäppchen über den Ladentisch gehen wird.

Die Swiss hat für insgesamt 217 Millionen Euro sehr günstig den
Besitzer gewechselt. Die einen freut’s, die anderen reut’s – aber für
niemanden dürfte dies eine wirkliche Überraschung sein. Denn schon im
Frühjahr 2005, als die Verträge unterzeichnet wurden, war klar, dass
die ehemaligen Swiss-Grossaktionäre nur einen kleinen Betrag erhalten
werden. Die Verträge sahen vor, die Kleinaktionäre sofort
auszubezahlen, während die Grossaktionäre drei Jahre auf ihre
Beteiligung warten mussten. Sie erhielten einen sogenannten
Besserungsschein, dessen Wert an die Entwicklung der Lufthansa-Aktie
gekoppelt war.

Die LH-Aktie hat sich im Berechnungszeitraum zwar um 44,67% besser
entwickelt als der definierte Aktienkorb der Mitbewerber (British
Airways, Air France-KLM, Iberia). Allerdings war das Risiko der
Lufthansa, wie auch die tiefen Integrationskosten von 46 Millionen Euro
zeigen, sehr gering. Ausserdem hätte die Airline maximal 249 Millionen
Euro bezahlen müssen, wäre das Aktienkapital im Vergleich zur
Konkurrenz um 50% gewachsen. Der Erfolgskurs der Swiss hat sicherlich
seinen Beitrag zur positiven Entwicklung der LH-Aktie geleistet.

Während sich Lufthansa und Swiss der guten Konjunktur erfreuen, haben
andere das Nachsehen. Die Kleinaktionäre erhielten von Lufthansa 2005
eine Abfindung von 45 Millionen Euro, das waren 5,77 Euro pro Aktie.
Die ehemaligen Swiss Grossaktionäre hingegen erhalten nur noch 3,79
Euro pro Anteilschein.

Für die Airlines gibt es das prophezeite Happy End: Prinzessin Swiss
hat sich zur schönen Königin entwickelt und der deutsche König
Lufthansa blickt stolz auf seine neuen Ländereien, die er durch eine
kleine Abfindung an ihre alte Familie erhielt.