Die Karten müssen nun auf den Tisch (Ausgabe 2008-13)

Chris Probst über die GDS-Gebühren von Swiss/Lufthansa

Die Situation im Streit um die neue Vertriebsstruktur von Swiss und
Lufthansa ist festgefahren. Die Positionen sind klar bezogen und die
Fronten haben sich weiter verhärtet. Swiss/Lufthansa halten nach wie
vor am Modell fest. Der Schweizerische Reisebüro-Verband (SRV) lehnt
dieses weiterhin kategorisch ab. Und auch von den GDS scheint nicht
wirklich viel Bewegung auszugehen – von den einen etwas mehr, von den
anderen etwas weniger.

Die Reisebüro-Branche ist sich auf einer breiten Front einig, gegen
Swiss und Lufthansa anzukämpfen. Aber bereits vor Ankündigung konkreter
Kampfmassnahmen läuft diese Front Gefahr, zu bröckeln. Da und dort sind
bereits Stimmen laut geworden, das Online-Agentenportal von Swiss könne
eine Lösung sein, oder man solle nicht über das Modell an sich, sondern
nur über die Höhe der Gebühren bei Buchung über GDS diskutieren.

Letzteres würde zwar die Frage der Preiserhöhungen für die Konsumenten
etwas abschwächen, nicht aber das Problem selber lösen. Der SRV hat von
Anfang an klar gemacht, dass man das Modell mit Preferred Fares
generell und klar ablehnt. Zudem bestehen Handling-Probleme (Abrechnung
etc.), die mit einer geringeren Gebühr keineswegs einfacher zu lösen
sind.

Nach wie vor nicht geklärt ist die Frage, ob die Gebühren, welche die
Airlines pro Segment den GDS zu bezahlen haben, in den letzten Jahren
effektiv gestiegen, so wie es die Airlines sagen, oder gesunken sind,
was die GDS entgegnen. Sprechen die beiden Seiten überhaupt vom
Gleichen oder werden Äpfel mit Birnen verglichen? Eine Klärung könnte
nur eine Offenlegung der Zahlen von beiden Seiten bringen, was aus
Vertragsgründen offenbar nicht möglich ist. Trotzdem sollten die
Reisebüros wissen, was Tatsache ist, wenn sie schon – so sehen es
zumindest die Reisebüros – von Swiss und Lufthansa missbraucht werden,
um auf die GDS Druck zu machen.

Obwohl fünf Verbände aus drei Ländern gemeinsam gegen LX/LH vorgehen,
präsentiert sich die Situation in allen Märkten etwas differenziert. Am
besten dran ist Österreich, weil dort die nationale Airline das Modell
nicht umsetzen will und so eine Alternative zu LX/LH besteht. Der
grösste zeitliche Druck besteht in Deutschland, wo das System – wie in
Österreich – bereits auf 1. Juli 2008 eingeführt werden soll. Wenn es
wirklich soweit kommt, wird der SRV an diesem Datum gespannt auf das
nördliche Nachbarland schauen.