«Die Lufthansa ist auch in Genf und in Basel recht stark» (Ausgabe 2011-26)

Wolfgang Schmidt, neuer Lufthansa-Chef in der Schweiz, präsentiert sich erstmals.

Offiziell seit dem 15. April, de facto seit Anfang Mai, leitet Wolfgang Schmidt (57) die Geschicke von Lufthansa in der Schweiz, in Liechtenstein, Österreich und der Slowakei. Der neue General Manager hat sein ganzes Berufsleben bei der Lufthansa verbracht und dabei in unterschiedlichsten Funktionen gearbeitet. «Es ist in Führungspositi-onen wichtig, mit diversen Aspekten des Geschäfts Erfahrung zu haben», so das Credo des Kölners.

Nach der Lehre als Luftverkehrskaufmann arbeitete Schmidt in den Bereichen Contracting, Tarifstruktur, Flugplanung, Netzentwicklung, Pricing, Verkaufsleitung, Key Account Management und Neukundengeschäft. Die erste Auslandstation Russland/GUS in Moskau kam erst 2006. Und von 2008 an leitete Schmidt die Vertriebsaktivitäten der Lufthansa Group in Italien, mit Sitz in Mailand.

Die Vertriebsfunktion behagt Schmidt, er spricht passioniert über seinen Beruf und was ihn in der Schweiz erwartet – nämlich ein Markt, der völlig anders funktioniert als jener in Italien und in welchem Lufthansa auch anders positioniert ist. Notiz am Rande: Die Schweiz ist für Lufthansa einer der ertragreichsten Märkte in Europa.

Als erstes hat Schmidt das Schweizer Geschäft analysiert: Wer sind die grossen Corporate Accounts, wie viele Senatoren/HONs gibt es im Land, wie ist der Verkauf aufgestellt, wie geschieht die Preisgestaltung, wie ist die Marktstruktur in Bezug auf die Vertriebskanäle? Und wie lässt sich all dies verbessern, um die Vorgaben aus dem Head Office zu erfüllen? Natürlich hat Schmidt auch das Gespräch mit Kunden und Angestellten gesucht. In Zürich leitet er ein Team von 22 Mitarbeitenden, darunter vier im Aussendienst. Sie sind für Vertrieb und Marketing sowie den Online-Auftritt zuständig. 

Es ist also nicht so, dass die Tochtergesellschaft Swiss in ihrem Heimmarkt über die Geschicke der Lufthansa entscheidet. «Wir kämpfen um Marktanteile an allen unseren Stationen in der Schweiz und sind dadurch auch in Genf und Basel recht stark», erklärt Schmidt, «das aufs Hub-System ausgerichtete Geschäft macht eine eigene Corporate-Abteilung notwendig.»

Lufthansa macht ihr Geschäft ex Schweiz zu rund je einem Drittel mit Flügen in europäische Destinationen, in den asiatisch-pazifischen Raum und in die westliche Hemisphäre. Innerhalb Europas sind rund 60% zielreiner Nachbarschaftsverkehr: Flüge ab Zürich, Basel oder Genf , die an einer der nonstop angeflogenen Destinationen ex Schweiz (Frankfurt, München, Düsseldorf, Hamburg) enden. Im Point-to-Point ist natürlich Frankfurt die stärkste Destination, Topzieldestina-tion ab Zürich ist aber … London.

Auf den Vertrieb in der Schweiz angesprochen, erklärt Schmidt: «Der Reisebürovertrieb behält die Dominanz. Wobei wir hierzu auch Commercial-Büros und TMCs hinzuzählen. Der klassische Reisebürovertrieb geht relativ zurück – relativ heisst, dass der Privatreisesektor zwar wächst, im Vertrieb aber zunehmend ins Internet abwandert. Zudem bleibt auch der TO-Kanal wichtig, dessen Ertragswertigkeit sinkt jedoch.»

Jean-Claude Raemy