Was macht eigentlich Roland Zeller? Der frühere Chef von Travelwindow reist zwar weiterhin sehr viel aber längst nicht mehr nur zum Spass. Nach seinem Abgang bei Travelwindow hat er sich bei diversen Start-ups beteiligt und will auch weiterhin als «Business Angel» aktiv sein.
Doch beginnen wir von vorne. Nach Stationen beim Reisebüro Popularis in Bern, bei Lamprecht Reisen (damals noch Skandinavien-TO) und Tropic Tours (damals noch in Aeugst am Albis) gründete Zeller im Jahr 2000 mit drei Partnern die Travelwindow AG und lancierte travel.ch. Zu jenem Zeitpunkt hatte Zeller längst das Potenzial erkannt, welches das Internet gerade auch Unternehmen in der Reisebranche anbot.
Das rasche Wachstum des Online-Reisebüros travel.ch interessierte schon bald die zunächst skeptischen Reiseveranstalter, und 2005 übernahm Hotelplan die Mehrheit an Travelwindow. Zeller blieb dort operativ aktiv, interessierte sich aber schon damals für andere innovative Online-Unternehmen. 2008 folgte ein Engagement als Verwaltungsrat bei Getyourguide (siehe Box rechts). Nach dem Verkauf der restlichen Travelwindow-Anteile 2012 und nach einer sechsmonatigen Auszeit in Argentinien konzentrierte sich Zeller dann auf seine Aktivitäten als Investor und Berater.
Heute ist er im Verwaltungsrat von Getyourguide, 3 Bays Over, Buddybroker, Naturalcycles (Präsident) und Agricircle aktiv, agiert bei Parku als COO und ist Teilhaber von Crearis. Der 45-jährige Wahl-Adliswiler und eingefleischte YB-Fan hat aber noch weitere Pfeile im Köcher: So ist er zum Beispiel an Foap in Schweden beteiligt. «Foap vermarktet Handy-Fotos, die von Millionen Usern heraufgeladen werden, als Stock-Fotos», erklärt Zeller, «das ist quasi die Crowd-Foto-Antwort auf Getty Images, Fotolia und Shutterstock und die Firma brummt!» Kein Wunder verbringt Zeller viel Zeit in Schweden, wo noch weitere seiner Firmen domiziliert sind. Zeller spricht übrigens selber auch Schwedisch.
Lohnt sich das Dasein als Business Angel aber auch? Zeller will über Zahlen aus Rücksicht auf die Geschäftsführenden lieber nicht diskutieren, erklärt aber: «Bei einigen Firmen ist es noch zu früh, um zu beurteilen, ob diese nachhaltig Erfolg haben werden. Das kann man erst etwa ab dem dritten Jahr endgültig beurteilen.» Ein soziales Engagement sei es aber sicher nicht, sondern ein Geschäft. «Trotzdem ist es mir ein Anliegen, meine Start-up-Erfah-rung an die nächste Generation weiterzugeben, und so bin ich sehr viel im Unternehmer-Coaching tätig», ergänzt Zeller.
Seiner Ansicht nach hätten dies auch klassische Reiseunternehmen nötig. Zeller nimmt kein Blatt vor den Mund: «Die Schweizer Reisebranche hat die digitale Revolution in vielen Bereichen verschlafen. Innovationen passieren im Ausland, und auch dort oftmals durch branchenfremde Pioniere. Ich sehe da viele Parallelen zur Verlags-/Medienwelt. In der Schweizer Reisebranche ist es zusätzlich schwierig, weil es den Entscheidungsträgern in Geschäftsleitungen und Verwaltungsräten komplett an IT- und E-Commerce-Know-how fehlt. In vielen Fällen haben sich Tourismus-Manager der Thematik Internet jahrelang verweigert und sitzen zu meinem Erstaunen trotz bescheidenem Know-how nach wie vor in Führungspositionen. Hier ist eine Blutauffrischung überfällig, es braucht dringend neue Köpfe und fundiertes Know-how.»
Jean-Claude Raemy
Was sind für Roland Zeller entscheidende Kriterien, um als Investor einzusteigen? Er definiert vier Haupt-Eigenschaften:
1. Löst die Firma wirklich nachhaltig ein Problem und lässt sich das global skalieren?
2. Lässt sich mit dieser Problemlösung Geld verdienen?
3. Traue ich dem Team, das am Ruder ist, die Umsetzung des Businessplans zu? Und dies nicht nur heute, sondern auch in fünf bis sieben Jahren, wenn die Firma viel grösser ist.
4. Ist ein Engagement für mich interessant? Da spielen dann finanzielle Kriterien eine Rolle, sowie die Frage, ob ich etwas zum Erfolg beitragen kann und ob ich mich mit den Gründern verstehe.
Hier ist Roland Zeller involviert
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Agricircle AG, Rapperswil: Ein Online-Cloud-System, welches Bauern mit Geschäftspartnern verbindet. Durch die Eingabe von Bauernhof-spezifischen Daten können Beratungs-, Vermarktungs- oder Verkaufsdienstleistungen einfach gemanagt werden. Im Juni 2013 lanciert; Zeller stieg aber schon im Herbst 2012 ein. |
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Buddybroker AG, Zürich: Die im Februar 2013 gegründete Social-Recruiting-Plattform belohnt erfolgreiche Empfehlungen und erleichtert den Bewerbungsprozess für Kandidaten. Aktive Stellensuchende sollen zusätzlich als Vermittler agieren, wobei dieser Prozess durch ein Matching-System vereinfacht und gefördert wird. |
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Crearis GmbH, Binningen: 2010 gegründet. Betreibt diverse Online-Shops, darunter mit Ready4travel auch einen Webshop für Reiseartikel und Reiseaccessoires. |
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D-Swiss AG, Zürich: D-Swiss hat sich auf hochsichere Internet-Datensafe-Dienste und die langfristige Bewahrung digitaler Werte spezialisiert. Seit 2009 ist sie erfolgreich mit «Secure Safe» (Datensafe und Passwortsafes) am Markt und zählt nebst 500000 Privatkunden inzwischen sogar Banken zu ihren Kunden. |
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Getyourguide AG, Zürich: 2008 gegründet, bietet Getyourguide über seine Webseiten in mehreren Sprachen ein sehr umfangreiches Angebot an Touren, Ausflügen und Attraktionen in Zielgebieten weltweit an. Das Spin-off der ETH Zürich besitzt inzwischen auch Büros in Berlin und Las Vegas und hat aufgrund des starken Wachstums schon mehrfach hohe Investitionssummen zugesprochen bekommen. |
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Naturalcycles AG, Adliswil: Ein brandneues, modernes Tool zur Geburtenkontrolle, welches auf Statistik und Datenanalyse statt auf Chemie setzt. Unterhält Büros in Adliswil und Stockholm. |
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Parku AG, Zürich: Parku ist Anbieter einer Website sowie einer mobilen Applikation, die in der Schweiz als Marktplatz für Parkplatzsuchende und -bietende in Zürich, Basel, Bern, Luzern, St. Gallen und Genf fungiert. Die Expansion nach Deutschland ist bereits erfolgt. Das Ziel: Die Parkplatzsuche in der Stadt zu vereinfachen, indem Parkplatzbesitzer ihre ungenutzten Parkflächen Parkplatzsuchenden anbieten. |
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3 Bays Over SA, Genf: Eine speziell für globale B2B-Kontakte in der Reisebranche zugeschnittene Online-Community-Plattform. 2011 lanciert, aber erst jetzt richtig aktiv geworden. Zurzeit noch gratis, später mit bezahlten Abos, ähnlich anderen Communities wie Linkedin oder Xing. |



