Die Schweizer reisen sowieso (Ausgabe 2008-06)

Jean-Claude Raemy über die Nordamerika-Workshops

«Courant normal» herrschte letzte Woche sowohl beim Visit USA Seminar
als auch beim Canada Forum. Der zahlenmässige Aufmarsch der Agenten
entsprach den Erwartungen, die Workshops liefen in bewährt
professioneller Manier ab, alles in allem waren Teilnehmer wie
Aussteller zufrieden.

Das ist keine Selbstverständlichkeit. Das Zustandekommen dieser
Workshops ist einzig auf «hausgemachte» Initiativen zurückzuführen.
Visit USA Schweiz ist ein nichtstaatliches Komitee, in dem mehrere
USA-Anbieter der Bereiche Touroperating, Airline, Mietwagen und
Destination Management Organisation (DMO) zusammengefasst sind. Ohne
den unermüdlichen Einsatz – vor allem des Boards – gäbe es keine
touristische Promotion Amerikas.

Dasselbe gilt für Kanada: Nachdem sich das Fremdenverkehrsamt der
Kanadier (CTC) nicht mehr für die Schweiz interessiert, hat Skytours
das Vakuum ausgefüllt und wird bei der Ausrichtung des Seminars mehr
oder minder stark von DMOs unterstützt. Eine TO-übergreifende
Kanada-Plattform, wie es sie bis vor Kurzem gab, scheint aber weiterhin
nicht möglich.

Man bedenke: Für 2007 verzeichnen die USA voraussichtlich rund 295000
Einreisen aus der Schweiz, Kanada etwa 93000. Das sind mehr Einreisen,
als dies 2006 zum Beispiel Thailand, China, Singapur, Australien,
Hongkong und Dubai kumuliert verzeichneten. Oder auch Ägypten,
Tunesien, Marokko, Südafrika, Kenia, die Malediven, Mauritius und die
Seychellen zusammen. Also Ferndestinationen, welche oft viel
finanzielle Unterstützung für Schweizer Spezialisten bieten und mit
eigenen Vertretern und NTOs an Schweizer Messen präsent sind.

Schweizer sind in Nordamerika gern gesehene Gäste – und doch irgendwie
unter «ferner liefen». Eine DMO-Vertreterin aus Kanada meinte: «Die
Schweizer kommen sowieso und geben stets viel Geld aus, ohne dass man
viel dazu tun muss.» Das mag stimmen und bleibt dank eingefleischten
Nordamerika-Promotern in der Schweiz wohl vorerst auch so.

USA und Kanada verlieren aber trotzdem deutlich an Boden: Schliesslich
liegen die Einreisezahlen im Falle der USA um 30% und im Falle von
Kanada um 17% unter den Werten, welche noch vor acht Jahren erzielt
wurden – trotz klar tieferem Dollar und tieferen Flugtarifen als
damals. Ob diese Zahlen je wieder erreicht werden?