Die Zukunft des Boardings bei Air France-KLM ist smart (Ausgabe 2009-13)

Einen digitalen Fingerabdruck auf einer mehrfach thermisch bedruckbaren Chipkarte. Das braucht es fürs Smartboarding.

Simpel, praktisch, gut. Das zumindest ist die Meinung der
Geschäftsreisenden, die ob des neuen Self-Boarding-Systems namens
Smartboardings auf den Flügen der Air France-KLM von Paris nach
Amsterdam glänzende Augen bekommen, wie Kinder im Spielwarenladen. So
zumindest der Tenor der Teams von Air France-KLM, welche auf besagten
Flügen arbeiten.

Seit dem 17. März nämlich ist Smartboarding kein Projekt mehr, sondern
Realität – getestet wird das System, oder zumindest die Lesegeräte,
seit 2006. Bis Ende 2009 werden es 500 Mitglieder des
Vielfliegerprogramms Flying Blue (Freiwillige, die regelmässig die
Strecke Paris–Amsterdam nutzen) ausprobiert haben.

Ist Smartboarding ein Kinderspiel? Auf jeden Fall ist es praktisch,
denn um die Smartboarding-Karte zu benutzen, sind keine speziellen
Kenntnisse von- nöten. Als erster Schritt muss man
sich einfach zum Registrierungsbüro im Terminal 2F des Flughafen
Roissy-Charles de Gaulle begeben, um eine eigene Karte anfertigen zu
lassen. Das dauert nur einige Minuten. Der Kunde muss sich seine
Fingerabdrücke digitalisieren lassen, welche verschlüsselt zusammen mit
den persönlichen Basisangaben auf der Karte gespeichert werden. Air
France versichert, dass keine Datenfiles angelegt werden.

Die Karte ist ein Wunderding der Technik und vereint Biometrie mit RFID
(Radio Frequency Identification) und Thermodruck: So wird die
Kartenrückseite mit der Bordkarte bedruckt – bis zu 500 Mal.

Zurzeit wird das System an vier spe-ziellen Gates bei den Flügen von
Paris nach Amsterdam (und nur in diese Richtung) geprüft; weitere Gates
folgen in den nächsten Monaten, doch hat Air France noch nicht
entschie-den, welche. Längerfristig ist das Sys-tem auch für andere
Mitglieder-Airlines der Allianz Skyteam vorgesehen.

Alain Bossu/Sara Marty

So funktioniert’s:

Smartboarding, übrigens ein System, das Air France in Zusammenarbeit
mit der Genfer Firma Citizen Gate entwi-ckelt hat, beinhaltet für den
Fluggast vier Schritte, wovon der erste einmalig ist:

1.    Im Registrierungsbüro im Terminal 2F des Flughafens
    Roissy-Charles de Gaulle lässt sich der Kunde seine
    persönliche Smartboarding-Karte ausstellen.

2.    Am Reisetag führt der Kunde seine Smartboarding-Karte
    nach dem Check-in (am Schalter, am Automaten, per
    Internet oder Handy) in den speziellen Gate Reader
ein.            
    Dabei wird sie mit der Bordkarte bedruckt.

3.    Beim eigentlichen Boarding benutzt der Passagier das
    Self Boarding Gate. Dabei werden die Informationen der
    Smartboarding-Karte eingelesen und mit einem seiner
    Fingerabdrücke abgeglichen. Dieser Schritt entspricht
    den herkömmlichen Boarding-Formalitäten, bei denen
    die Angaben auf der Bordkarte (Papier oder Handy-Display)
    mit den Angaben des Ausweisdokuments verglichen werden.
    Stimmen die Angaben überein, erhält der Passagier Zugang
    zum Flugzeug.

4.    Am Flugzeugeingang zeigt der Passagier dem Kabinen-
    personal die Rückseite seiner Karte vor.    

AB/SAM

E-Services wecken und befriedigen Autonomiebedürfnis

Smartboarding ist nur ein E-Service, den Air France seinen Kunden
bietet. So werden täglich 9500 Dossiers auf der Webseite des
Unternehmens gebucht. 2009 checken bereits mehr als die Hälfte der
Kunden an Maschinen via Internet oder Mobiltelefon ein. Seit einiger
Zeit wird die Mobile-Boarding-Karte auf den Flügen
Paris-Amsterdam-Paris getestet, und seit Feb-ruar läuft die Testphase
auch für Flüge von La Navette. Die Boarding-Karte wird in Form eines
SMS, eines MMS oder eines E-Mails versandt und auf dem Mobiltelefon mit
sich getragen. Dank intelligenten Gepäcketiketten mit RFID-Chip können
Gepäckstücke in Echtzeit verfolgt werden.

Noch vor dem Sommer wird das ganze Terminal 2C des Flughafens Roissy
mit RFID für das Gepäck-Tracking aus-gerüstet sein. Mit Bluenity.com
hat Air France-KLM zudem die erste Social Networking Platform für den
Luftverkehr aufgebaut. Sie zählt bereits 60000 Mitglieder. Diese können
einerseits ihre Reiseerfahrungen, Restaurant- oder Unterhaltungstipps
austauschen, durch Eingabe ihrer Flugnummer(n) aber auch künftige und
ehemalige Mitpassagiere kontaktieren.  

AB/SAM