Während der Kampf um Preferred Fares mit GDS-Gebühren bedingungslos
weitertobt, werkelt M-Travel-Switzerland-Boss Thomas Stirnimann fast im
Hintergrund der Branchenöffentlichkeit weiter unter Hochdruck am wohl
spektakulärsten Umbau der Schweizer Reisebranche. Es geht drunter und
drüber, Stirnimann reisst ab und baut gleichzeitig auf. Er hält sich
minutiös an seine eigenen Terminvorgaben, geht kaum Kompromisse ein,
macht unverdrossen rasch vorwärts. Eher überraschend ist der Rauswurf
des langjährigen Hotelplänlers Andy Walder, der als
IT-Unternehmensentwickler nicht nur grosse Verdienste, sondern auch
viel Know-how sammeln konnte.
Mit Roberto Luna konnte Stirnimann sowohl einen langjährigen Weggefährten wie auch
einen anerkannten Chef für das Tour Operating verpflichten. Mit seiner ansteckenden
Motivation holte er sich in kürzester Zeit das Vertrauen der im Bereich
Value engagierten Mitarbeitenden. Luna wirkt kompetent; was er sagt,
ist glaubhaft, und er steht voll hinter dem neuen Konzept. Das muss er
auch, denn nicht in allen Produktionsabteilungen herrscht im
Glattbrugger Glaspalast eitel Freude. Es ist auch Luna bewusst, dass
der Umbau punkto Know-how und Arbeitsklima gewisse Lücken hinterlässt.
Ganz anders kommt Walter Brüllhardt rüber: Ihm geht zwar ein
durchzogener Ruf voraus, der sich weit über die Kuoni-Grenzen
herumgesprochen hat. Aber auch mit Brüllhardt hat Stirnimann
zweifelsfrei einen anerkannten Insider angelockt, allerdings mit einer
grossen Portion Aggressivität. Diese polarisiert intern wie extern.
Brüllhardt hat indes seine Auszeit genutzt und wirkt auf Insider
wesentlich kontrollierter und bedachter als noch früher. Er ist neu für
den Direktverkauf verantwortlich, eine Domäne, die auch für ihn neu ist.
Hotelplan wird 2008 tiefrote Zahlen schreiben. Die Restrukturierung
wird viel Geld verschlingen, gleichzeitig kurzfristig wohl eher
Marktanteile verlieren als gewinnen. Stirnimann setzt voll auf die
Karte Migros, dies wird er wohl in Abstimmung mit MGB-Chef Herbert
Bolliger besprochen haben. Also kann man davon ausgehen, der Aktionär
werde weiterhin viel Geduld für seine Reisetochter aufbringen.
Pünktlich zum Reisejahr 2009 soll M-Travel Switzerland dann am Markt
bestehen und vermutlich auch attackieren. Spannend ist das allemal,
denn die Frage ist erlaubt, ob sich
Stirnimann Marktanteile mit Dumpingpreisen erkaufen wird. Das wäre allerdings nicht sein bisheriger Stil.



