Eaglerider vermietet Träume (Ausgabe 2011-26)

Der weltweit grösste Motorradvermieter setzt im Marketing auf Emotion und im Vertrieb auf Partnerschaften.

Die verklärten Bilder des «Freiheitstraums USA» zeigen nicht selten einen Harley-Fahrer im Monument Valley oder sonstwo in Amerika. Die Freiheit der Strasse, die grandiose Natur, das Individualitäts-Image der Harley – all sie untermauern den Mythos des Landes der unbegrenzten Möglichkeiten.

Noch vor 20 Jahren waren aber für Touristen aus Übersee solche Möglichkeiten gar nicht gegeben. Es gab weltweit keinen vernünftigen Motorradverleih. Das führte die motorrad-passionierten Arbeitskollegen Chris McIntyre und Jeff Brown – welche damals selber vergebens mit Harleys durch Europa touren wollten – dazu, Eaglerider zu gründen. Heute ist Eagle-rider mit 4000 Fahrzeugen, 60 Anmietstellen in den USA und Vertretungen in 13 Ländern der weltweit mit Abstand grösste Motorradverleiher.

Das Motto von EagleRider lautet denn auch «We rent dreams». Traumhaft ist aber nicht nur das Erlebnis für die Kunden, sondern auch das Geschäft für die beiden Unternehmer. Während sie am Anfang für ihre Vision kämpfen mussten, bis etwa Banken und Versicherungen den nötigen finanziellen Support gaben, so haben sie heute ein Geschäftsmodell, bei welchem Kunden bereit sind, relativ hohe Tagesraten auch für längere Mieten zu bezahlen. Die Auslastung der Flotte ist hoch und bei Gruppenbuchungen nimmt jeder sein eigenes Bike. Zudem buchen fast alle Kunden die CDW-Versicherung mit. Nicht zuletzt wird im Showroom am Hauptsitz in Hawthorne nahe Los Angeles viel Merchandising verkauft. Und für Gruppen mit Mitgliedern, welche nicht Bike fahren dürfen, gibt es seit ein paar Jahren einen Deal mit Advantage Rent-a-Car, sodass Autos und Bikes kombiniert gemietet werden können.

«Unser Ziel ist es, 50 bis 100 weitere Anmietstationen in den USA und weitere Vertretungen in den wichtigsten Ferienländern zu haben», erklärt McIntyre. Der Mann aus Wisconsin – da, wo die Harleys herkommen – setzt dafür auf ein globales Netz aus Reisebranchenpartnern, darunter die grossen Schweizer USA-Spezialisten, sowie Franchise-Unternehmen und Vertrieb über OTA. Rund 55% der Kunden kommen von ausserhalb der USA. Und rund 40% der Kundschaft sind laut McIntyre Repeater.

Zur Auswahl stehen den Kunden Bikes der Marken Harley-Davidson sowie BMW, Honda, Triumph und Vespa. Vermietet werden aber nicht nur Strassenmotorräder, sondern auch Motocross-Maschinen, Quads, Jetskis und Schneescooter. «Es geht darum, unserer Kundschaft einzigartige Erlebnisse mit abenteuerlichen Fortbewegungsmitteln zu ermöglichen», resümiert McIntyre. Dass das Fahrzeug selber schon Teil des Erlebnisses ist, wird vielleicht durch folgende Zahlen verdeutlicht: Laut McIntyre machen reine Vermietungen 90% des Geschäfts aus, nur die restlichen 10% sind geführte All-inclusive-Touren.

Jean-Claude Raemy