«Ich bin auf der Suche nach neuen Märkten», sagt
Edelline-Geschäftsführer Christoph Bührer und fügt sogleich an, dass
seine Mission vor allem auch aufklärerischer Natur sei. Mit seinen
«veredelten» Busreisen versucht der langjährige Carreiseprofi, den
Klischees hinsichtlich Kaffeefahrten in veralteten Fahrzeugen
entgegenzuwirken.
«Bei uns steht das Produkt im Vordergrund, nicht der Bus. Dieser darf
nie der Aufhänger einer Reise sein er ist nur Mittel zum Zweck»,
erklärt Bührer und weist darauf hin, dass aus diesem Grund auch kein
Bus auf der Titelseite des Edelline-Katalogs zu finden ist. Die Mittel
zum Zweck sind bei Edelline die beiden luxuriösen Edelliner mit
je 46 Sitzplätzen auf zwei Decks.
Neue Märkte zu finden, heisst für Bührer, eine Ergänzung zum
Direktvertrieb aufzubauen. Einen ersten grossen Coup hat Bührer bereits
gelandet, und zwar hat er vor Kurzem eine Vereinbarung mit dem TCS
unterzeichnet. Dadurch kann er nun unter dem Brand Reisen TCS als
exklusiver Buspartner Carreisen anbieten.
Vorerst wird an drei verschiedenen Daten eine Leserreise in der
TCS-Zeitung «Touring» ausgeschrieben. Dabei tritt die Marke Edelline
nur am Rande auf. «Der Fokus liegt eindeutig auf dem Produkt», erklärt
Bührer. Dieses wird zwar nicht als Edelline-Reise ausgeschrieben, trägt
aber deutlich die Handschrift des Carreiseunternehmens. Die Auflagen
von TCS verlangen von Edelline ein Programm, das sich von andern
Busangeboten abhebt. Die erste Carreise unter dem TCS-Brand führt unter
dem Titel «Preussen Land der Begegnungen» nach Polen. Wie der Name
schon sagt, wird dabei vor allem auf das Zusammentreffen mit der
Bevölkerung Wert gelegt.
Der Ausbau des TCS-Angebots ist bereits in der Pipeline: Für 2011 plant
Bührer, unter dem TCS-Brand einen kleinen Katalog zu produzieren.
«Vorgesehen sind exklusive und spezielle Reisen, z.B. nach Island,
Kroatien oder in die Bretagne», so der Reiseprofi. Um vollumfänglich
unter Reisen TCS aufzutreten, verfügt Edelline in Kerzers auch über
eine eigene TCS-Telefonnummer.
Zustande gekommen ist die Partnerschaft zwischen Edelline und Reisen
TCS vor allem auch dadurch, dass Kuoni kein Engagement im Bereich
Carreisen ins Auge fasste. Dass Kuoni bei gutem Geschäftsgang trotzdem
noch in dieses Segment einsteigen wird, erachtet Bührer als
unwahrscheinlich, denn mit der Anschaffung eines Cars alleine sei es
nicht getan. Viel wichtiger sei es, die Destinationen und die
Bedürfnisse der busaffinen Kundschaft zu kennen. Hochwertige Reisen im
Car sind keine Erfindung von ihm, erklärt Bührer, «Buspioniere wie
Fritz Klopfstein, Alfred Marti oder Werner Twerenbold haben dies
bereits zelebriert.»
Ziel der Reisen ist es, die Gäste Bührer sieht sich eher als
Gastgeber denn als Carunternehmer oder Reiseveranstalter ins Herz
eines Reiseziels zu bringen, und zwar ohne auf Infrastruktur wie
Raststätten angewiesen zu sein. Obwohl die Gruppe gemeinsam unterwegs
ist, soll individuelles Reisen gewährleistet werden im Car sowie auch
ausserhalb. «Individualität im Bus», in der Verbreitung dieser Message
sieht Bührer seine Aufgabe. Darum werden die Gäste zum Teil auch
angehalten, die angefahrenen Orte auf eigene Faust zu erkunden. Dank
der Bordküche spricht aber auch nichs gegen Verpflegung im Car.
Derzeit ist Christoph Bührer damit beschäftigt, das Programm für 2011
auszuarbeiten. Neben einer speziellen Russland-Rundreise hegt Bührer
vor allem einen Wunsch: «Ich würde den Bus im November gerne nach Haifa
einschiffen und mit der Gruppe Weihnachten in Bethlehem
verbringen.» Ob sich sein schon lange gehegter Traum in diesem Jahr
endlich erfüllt, steht aber im wahrsten Sinne des Wortes noch in den
Sternen.
Simon Benz
«Attraktiv für den Verkauf via Reisebüros»
Neben dem Direktvertrieb und den neuen Angeboten unter dem TCS-Brand
würde sich Bührer auch gerne im Reisebüro-Kanal festigen. Dazu möchte
der Edelline-Geschäftsführer den Agenten vor allem sein Produkt zeigen.
Er könnte sich beispielsweise vorstellen, dass ein Veranstalter als
Incentive seine 30 besten Verkäufer und Verkäuferinnen mit ihm auf eine
Reise schickt. «Ein Vorteil für den Trade ist zum Beispiel, dass sich
das Produkt erklären lässt und man die Vorteile benennen kann», erklärt
Bührer. Zudem zahlt Edelline den Agenten eine Kommission von zwölf
Prozent, «bei Preisen zwischen 2000 bis 5000 Franken pro Gast ist das
für Reisebüros sehr attraktiv».
BNZ
Der Edelliner wie ein Kreuzfahrtschiff auf Rädern
Nach seinem Austritt als Geschäftsführer bei Car Rouge gründete
Christoph Bührer im August 2008 die Edelline AG mit Sitz in Kerzers.
Dazu kaufte er sich einen 1,3 Millionen Franken teuren Nobelbus mit
insgesamt 46 Plätzen auf zwei Etagen. Der Luxusliner verfügt über eine
Bordküche, Bildschirme über jeder Sitzreihe und rund ein Meter
grosszügige Beinfreiheit. Rechtzeitig zur Reisesaison 2010 hat Bührer
mit Hilfe von Investoren einen zweiten Nobelbus gekauft, womit er seine
über fünf Jahre ausgelegte Aufbaustrategie planmässig vorantreiben
kann.
BNZ



