Edelweiss Air: keine Streichungen auf der Langstrecke in Sicht (Ausgabe 2010-01)

Veranstalter operieren mit deutlich redimensionierten Langstrecken-Kapazitäten.

Gross waren die Fragezeichen, wie sich die Ferienfliegerei auf der
Langstrecke im Winter 2009/10 entwickeln würde. Wirtschaftlich bedingte
gedämpfte Kundenstimmung auf der einen Seite, der Rückzug von Air
Berlin und damit verbunden drastisch gesunkene Kapazitäten auf der
anderen Seite machten Prognosen schwierig.

Nach gut zwei Monaten zeigt sich nun, dass Peter Spring, CCO von
Edelweiss Air, grundsätzlich keinen Grund zur Klage hat, denn seit
Beginn des Winterflugplans Ende Oktober 2009 konnte jeder
Langstreckenflug wie geplant durchgeführt werden. Mit einer
Gesamtauslastung von 91 Prozent – das heisst Einzelplatzverkauf inkl.
Verkäufe der Veranstalter – waren die Maschinen gut belegt. Edelweiss
selbst füllt über den Einzelsitzplatzverkauf circa 25 Prozent der
Maschinen. Davon kommen rund 15 Prozent der Buchungen aus dem Ausland,
was pro Flug immerhin rund 40 bis 45 Passagiere bedeutet. Auch für den
restlichen Winterflugplan soll es gemäss Spring zu keinen Änderungen
kommen.

Zufrieden, aber nicht euphorisch zeigen sich auch die Veranstalter
Kuoni, M-Travel Switzerland (MTCH) und TUI Suisse. Wobei je nach
Destination bedeutende Unterschiede ausgemacht werden. Während bei MTCH
die Buchungsauslastung nach Punta Cana – sowohl zielrein wie auch via
Puerto Plata – über dem Niveau von 2009 liegt, bewegen sich die
Karibikdestinationen bei Kuoni auf Vorjahresniveau, «allerdings mit
mehr Sonderaktionen», wie TO-Chefin Marianne Häuptli zugibt. Bei allen
TOs auf Vorjahresniveau oder sogar markant darüber ist der Absatz der
Male-Flüge, was auch Edelweiss-CCO Spring bestätigt.

Ein weniger einheitliches Bild zeichnet der Dreiecksflug
Varadero–Cancun. Bei MTCH ist dieser laut CEO Thomas Stirnimann ähnlich
ausgelastet wie im Vorjahreswinter, bei Kuoni lagen die Buchungen bis
anhin deutlich darunter. Erfreulich gut laufe hingegen der
Edelweiss-Einzelplatzverkauf.

Erfreulich angelaufen ist auch der Flug nach Kenia. Spring: «Die
Verbindung Mombasa–Nairobi läuft erstaunlich gut. Wir konnten vor allem
wegen Nairobi an Linienverkehr dazugewinnen.» Auch bei MTCH scheint die
Strecke (wieder) an Attraktivität gewonnen zu haben; die Auslastung sei
viel besser als im Winter 2009. Erstaunlich allerdings das Bild bei
Phuket (HKT): Laut Spring hat HKT im November am stärksten begonnen,
bevor es zu einer Stagnation kam: «Zu Beginn hat es ausgesehen, als
hätten wir zu wenige Kapazitäten.» Tatsächlich bewegen sich die
Phuket-Buchungen bei Kuoni «knapp unter Vorjahr» und auch MTCH meldet
eine schlechtere Auslastung.

Laut Caroline Bleiker, Managing Director Package Tours TUI Suisse, hat
man wie gehabt nachfrageorientiert eingekauft und die Kapazitäten im
Vergleich zum Vorjahr um etwa zehn Prozent reduziert – Prognosen
bleiben dennoch schwierig: «Der Buchungseingang für Fernreisen ist und
bleibt – ähnlich wie auf der Flugmittelstreckee – mindestens vorläufig
eher kurzfristig.»

Dies bestätigt Marianne Häuptli und präzisiert: «Die Planung war
grundsätzlich sehr realistisch, aufgrund der Kurzfristigkeit aber
eventuell nun doch eher über der Nachfrage.» Ein bisschen
zuversichtlicher tönt es bei Thomas Stirnimann: «Wir haben
zurückhaltender eingekauft als im Winter 2009 und gehen deshalb davon
aus, dass das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage für M-Travel
Switzerland gut sein wird.»

Simon Benz/Sara Marty